Geschichte des Alpinismus
Terra X History - Der Podcast
September 24, 2026
Der Berg ruft". Spätestens seit dem Bergfilmklassiker mit Luis Trenker aus dem Jahr 1938 ist das ein geflügeltes Wort. Aber seit wann „ruft der Berg“ eigentlich? Die Geschichte des Alpinismus, so wie wir ihn kennen, beginnt Ende des 18. Jahrhunderts.
Speakers Verena Glanos, Dominik Freiberger, Mirko Drotschmann, Nils Kretschmer, Andrea Kath, Walter Würtl, Philipp Felsch, Martina Gugglberger, Wanda Rutkiewicz, Gudrun Weikert
TopicsHistorySociety & Culture
Verena Glanos (0:08)
Ein Felsengrat voller Eis, fast 4500 Meter über dem Meer. Sieben Männer kämpfen sich von der Schweiz aus über den Hörnligrat am 14 Juli 1865 in einer Seilschaft mühsam, Schritt für Schritt voran.
Ihr Ziel? Der Gipfel des Matterhorns. Unter ihnen ein junger Engländer namens Edward Whymper und der französische Bergführer Michel Croce.
Nur noch ein paar Meter. Die Männer können den Gipfel des Matterhorns bereits sehen. Noch nie stand jemand hier oben.
Dominik Freiberger (0:46)
Der Hang wurde flacher und Croce und ich stürmten los. Ein Kopf an Kopf Rennen.
Verena Glanos (0:58)
Edward Whymper schafft es knapp als erster.
Sieben gescheiterte Versuche liegen da schon hinter dem jungen Zeichner aus London. Jetzt, endlich, steht er auf dem 4478 Meter hohen Gipfel.
Dominik Freiberger (1:11)
Um 1.4 Uhr lag uns die Welt zu Füßen und das Matterhorn war bezwungen. Hurra, nicht eine einzige Fußspur war zu sehen.
Verena Glanos (1:20)
Doch der Triumph Whimpers ändert für einen Teil seiner Seilschaft in einer Katastrophe.
Mirko Drotschmann (1:39)
Wie diese erste Besteigung des Matterhorns ausgegangen ist, das erfahrt ihr am Ende dieser Podcast-Folge. Ich bin Mirko Drotschmann und ihr hört Terra X History, Der Podcast. Unsere erste Folge nach der Sommerpause dreht sich um die Geschichte des Alpinismus. Also darum, wie Menschen weltweit in den Bergen unterwegs sind. Ob im Sommer beim Bergsteigen und Bergwandern oder im Winter bei Skitouren und Schneeschuhwanderungen. Warum heute weltweit von Alpinismus die Rede ist, auch wenn es um die Rocky Mountains in Nordamerika oder den Himalaya in Asien geht, das hängt eng mit der Geschichte des Bergsports zusammen. Der moderne Alpinismus nahm im 18 Jahrhundert in den Alpen seinen Anfang. Von Sport konnte damals allerdings noch gar keine Rede sein. Zunächst ging es einfach darum, die Berge zu erforschen, zu vermessen und zu kartieren. Auch darüber sprechen wir in dieser Folge.
Vor allem in den Sommermonaten zieht es viele Menschen für ihren Urlaub in die Berge. Wie viele genau, das lässt sich allerdings nur schwer beziffern. Aber wenn man sich die Mitgliederzahlen des Deutschen Alpenvereins anschaut, dann ist der Trend eindeutig.
Allein 2025 nahm die Mitgliederzahl um mehr als 4% im Vergleich zum Vorjahr zu, auf gut 1,6 Millionen. Was lange Zeit eher als altbacken und langweilig galt, nach dem Motto, Bergwandern ist was für alte Leute mit kniebunt Hosen und karierten Hemden, begeistert heute auch viele jüngere Menschen. Influencer dokumentieren auf Social-Media-Plattformen ihre erste Alpenüberquerung, fotografieren sich an den besten Instagram-Spots Südtirols in den Dolomiten oder berichten darüber, wie es im nördlichen Basislager des Mount Everest auf einer Höhe von rund 5.15 Metern aussieht. Das gestiegene Interesse an den Bergen hat allerdings auch Schattenseiten. An manchen Orten hat der Boom längst zu einem regelrechten Run auf die Natur geführt. Am Praxer Wildsee in den Dolomiten etwa gibt es mittlerweile Zugangsbeschränkungen für den Individualverkehr. Die meisten Alpenhütten muss man lange im Voraus buchen, um überhaupt noch einen Platz zu ergattern. Und wer zum Gipfelkreuz der Zugspitze will, der steht oft in einer langen Schlange.
Aber wer die Instagram-Spots meidet, der findet überall in den Alpen noch stille Bergwelten abseits des Tubes.
Ähnlich wie Edward Wimper, 1865, auf seinem Weg zum Matterhorn.
Dominik Freiberger (3:54)
Um fünf an einem herrlichen Morgen schulterte ich meinen Rucksack und brach auf. Zarte Nebel hing an den Bergen, doch sie schmolzen dahin, sobald die Sonne sie berührte und verschwanden ruckweise, wie Bilder, die in einer Laterna Magica scharfgestellt werden und gaben die wunderbar gebogenen und gefalteten Gesteinsschichten den Kalkfelsen hinter der Stadt frei.
Mirko Drotschmann (4:16)
Die Erstbesteigung des Matterhorns am 14 Juli 1865 wurde zu einem Meilenstein in der Geschichte des Alpinismus. Kaum eine andere Bergtour ist so berühmt wie sie. Und das liegt am Matterhorn selbst, an dieser Pyramide aus Felsen und Eis im Grenzgebiet der Schweiz und Italiens. Bis Mitte des 19 Jahrhunderts waren sich Bergsteiger sicher, das Matterhorn kann gar nicht bestiegen werden. Es war einer der letzten unbezwungenen Alpengipfel der Zeit.
Auch davor gab es schon erfolgreiche Gipfelbesteigungen. Aus der frühen Neuzeit ist zum Beispiel bekannt, dass der spanische Eroberer Diego de Ordaz um 1519 bis in den Gipfelbereich des im heutigen Mexiko liegenden 5426 Meter hohen Vulkan Popocatepitl vorgedrungen ist. Der Kaiser Karl V., der damals auch über diesen Teil der Welt herrschte, erlaubte de Ordaz, dann einen rauchenden Vulkan in seinem Wappen zu führen. Und schon 1573 ist der Italiener Francesco de Marquis auf den Corno Grande im Gran Sasso Massif in den Abruzzen gekraxelt. Der ist immerhin auch fast 3000 Meter hoch.
In den Alpen wurde im 18 Jahrhundert dann ein Bauer namens Matthias Rieser vom Patschkhof wissermaßen zum ersten Alpinisten, als er 1762, den damals 3.263 Meter hohen Angkogel in den östlichen hohen Tauern bestieg. Es ist die erste dokumentierte Besteigung eines vergletscherten 3000ers in den Alpen. Aber solche Leistungen blieben zunächst die Ausnahme. Erst mit der Erstbesteigung des Mont Blanc 1786 beginnt für viele der moderne Alpinismus. Es waren damals vor allem Männer, die den Alpinismus für sich entdeckt haben. Aber schon 1808 stand mit der Französin Marie Paradis dann auch zum ersten Mal eine Frau auf dem Gipfel des Mont Blanc.
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