Gefahren für den Fötus – Was unsere Gesundheit vor der Geburt prägt
Das Wissen | SWR
September 28, 2026
Unsere Umwelt beeinflusst, wie gesund wir sind. Mit der Exposom-Forschung lässt sich jetzt noch besser verstehen, was uns krank machen kann – schon bevor wir auf die Welt kommen.
Speakers Alexandra Duong, Chiara Kliena, Antje Körner, Hedin Redanja, Anna Zenklusen, Barbara Oet
TopicsScience
SPEAKER_1 (0:02)
ARD Sounds, Das Wissen.
Alexandra Duong (0:04)
Hedin Redanja ist schwanger. In der 38 Woche.
Sie und ihr Mann Emanuel Danja erwarten ein Baby. Ihr erstes. Jeden Tag könnte es nun soweit sein.
SPEAKER_1 (0:15)
Da recherchiert man natürlich auch total. Also was für Nahrungsergänzungsmittel braucht man ja?
Alexandra Duong (0:21)
Die angehenden Eltern haben sich viele Gedanken gemacht. Was ist gut für ihr Kind? Was könnte ihm schaden?
Sie haben im Internet recherchiert, Produkttests verglichen, Podcasts gehört.
SPEAKER_1 (0:32)
Also dann gibt es ja auch da unterschiedliche Studien zum Beispiel. Was für mich neu war, ist, dass man Cholin nehmen soll. Das soll irgendwie für die Gehirnfunktion des Babys irgendwie sehr gut sein.
Alexandra Duong (0:43)
Sobald ein Spermium eine Eizelle befruchtet, prägen die elterlichen Gene den Embryo, später den Phötus.
Aber auch Umwelteinflüsse wie die Ernährung, Schadstoffe, Stress wirken sich schon im Mutterleib auf die lebenslange Gesundheit des Kindes aus. Wie genau? Das untersuchen Forscher in aufwändigen Studien.
Chiara Kliena (1:02)
Gefahren für den Phötus, was unsere Gesundheit vor der Geburt prägt. Von Alexandra Duong.
Alexandra Duong (1:11)
Schwangere sollen nicht rauchen, kein Alkohol trinken, rohen Fisch, Fleisch und Milchprodukte meiden, sich gesund ernähren, Stress verringern und sich und ihr Baby vor Schadstoffen schützen.
Das Internet ist voll von Ratschlägen, eine einschüchternd lange Liste. Auf den werdenden Müttern lastet viel Verantwortung, alles richtig zu machen. In dieser Folge von Das Wissen wird es jetzt keine weiteren Ernährungstipps geben, sondern es wird darum gehen, wie Forscher herausfinden, wie die Umwelt uns gesund oder krank machen kann. Jeder Mensch hat ein sogenanntes Exposom. Das sind alle inneren und äußeren Einwirkungen von der Befruchtung bis zum Tod. In dieser Folge von Das Wissen konzentrieren wir uns auf die Zeit bis zur Geburt.
Antje Körner (1:58)
Wir haben so zwischen 10 bis nah an die 20 Kinder pro Tag. Das muss natürlich irgendwie alles eingetaktet werden.
Alexandra Duong (2:06)
Antje Körner ist Kinderärztin und Wissenschaftlerin. Sie leitet die Live-Child-Studie an der Universität Leipzig. Körner und ihre Kollegen wollen wissen, wie die typische Entwicklung eines Kindes verläuft.
Sie interessieren sich dafür, welche Faktoren für eine gesunde Entwicklung wichtig sind und welche sich stören.
Antje Körner (2:25)
Dann haben wir die unterschiedlichen Zimmer hier z.B. Untersuchungszimmer. Da ist die Sandra. Guten Morgen, Sandra.
Wir sehen alles kindgerecht gestaltet, sodass jetzt Mama und Kind oder wer immer mit ist, heute sind relativ viele Väter da.
Alexandra Duong (2:42)
Die Studienambulanz ist im Leipziger Forschungszentrum für Zivilisationserkrankungen in einem denkmalgeschützten Klinkerbau erste Etage.
Die Flurwände sind über und über bedeckt mit Abrücken von Kinderhänden und Babyfüßchen. In gelb, rot, grün, blau daneben ein Name. Früher konnten die Kinder jedes Mal einen Abdruck machen, sagt Antje Körner. Jetzt nur noch beim ersten Besuch. Es ist kein Platz mehr. Über 6200 Kinder und Jugendliche haben sich mindestens einmal in der Life Child Studienambulanz untersuchen lassen.
Antje Körner (3:17)
Hier sind wir im Labor und das heißt die Ärzte und auch die Studienassistenten entnehmen natürlich Blutproben, Haarproben, auch Urinproben, das ist immer nicht so beliebt bei den Probanden, bei jungen Kindern, gerade hier noch im Windel, auch Stuhlproben.
Alexandra Duong (3:39)
Müttern wird Muttermilch entnommen, Kindern Zahnplak, um ihr Mikrobiom zu untersuchen. Also, welche Bakterien, Viren oder Pilze auf ihren Körpern leben. Es gibt Augenuntersuchungen, einen Sporttest, Entwicklungstests für Kleinstkinder, einen Raum, in dem Eltern Fragebögen beantworten. Schwangere ab der 24 Woche können teilnehmen. Es folgen Untersuchungen in der 36 Woche, eventuell bei der Geburt, dann, wenn das Kind drei, sechs und zwölf Monate alt ist, danach jährlich bis zum 18 Lebensjahr.
Die Live-Child-Studie läuft seit circa 15 Jahren. In der Kindermedizin, sagt Körner, würden oft kranke Kinder untersucht. Dabei sehr wichtig zu wissen, welche Werte bei einer typischen Entwicklung normal sein, anstatt einfach Laborwerte von Erwachsenen auf Kinder herunterzurechnen.
Mit altersabhängigen Referenzwerten lässt sich zum Beispiel besser vorhersagen, ob ein Kind ein hohes Risiko hat, Diabetes zu entwickeln. Zivilisationserkrankungen wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden zwar meist bei Erwachsenen diagnostiziert, beginnen aber schon viel früher, sagt Antje Körner.
Antje Körner (4:49)
Wir wachsen ja nicht in einer Blase auf. Wir wachsen in einer Umwelt, auf die sich auch verändert.
Und diese Umweltbedingungen haben natürlich einen Einfluss auf Entwicklung und auf möglicherweise auch auf die Ausprägung dieser Erkrankungen. Beziehungsweise gibt es ja auch Faktoren, die davor schützen. Man darf nicht immer nur nach den Risiken gucken, sondern auch, was schützt denn dafür?
Alexandra Duong (5:11)
Zu den häufigsten Zivilisationskrankheiten gehören Adipositas, also krankhaftes Übergewicht, und Diabetes, eine Stoffwechselstörung, durch die der Körper den Blutzuckerspiegel nicht mehr richtig regulieren kann.
Wie kindliche Adipositas entsteht, dazu forscht Antje Körner im Speziellen. Und dafür wurde sie vielfach ausgezeichnet. Sie leitet nicht nur die Life Child Studie. Sie ist Professorin für Metabolismusforschung, leitet ein Forschungslabor an der Universitätskinderklinik Leipzig und den Forschungsbereich zu kindlichem Übergewicht und Stoffwechsel am Helmholtz-Zentrum München.
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