CODE WARS (3/5) - Die Hagelin-Maschine
Alles Geschichte - Der History-Podcast
October 16, 2026
Den schwedische Ingenieur Boris Hagelin kann man als Steve Jobs der Chiffriermaschinen bezeichnen. Seine Krypto-Technik wird zum Welterfolg und bildet die Basis für einen transatlantischen Geheimdienstcoup.
Speakers David Ritt, Peter F. Müller, Paul Reuvers, Erich Schmidt-Ehenbohm
TopicsHistory
SPEAKER_1 (0:05)
Alles Geschichte, der History-Podcast.
David Ritt (0:13)
Dieser Podcast basiert auf realen Ereignissen. Die Stimmen der historischen Personen wurden zum Teil nachinszeniert.
SPEAKER_3 (0:21)
Um die Kommunikation ihrer Spione, Militärs und Diplomaten geheim zu halten, vertrauen Staaten auf der ganzen Welt einem Unternehmen.
Der Krypto AG. Was Diktatoren und Regierungschefs nicht wissen, CIA und BND haben dafür gesorgt, dass die sicheren Krypto-Maschinen manipuliert werden.
SPEAKER_4 (0:43)
Im Frühjahr 2020 präsentieren die Washington Post, das Schweizer Fernsehen und das ZDF ihre Enthüllung über die Schweizer Krypto AG.
SPEAKER_5 (0:51)
In ihrem Werbeclip verspricht der damalige Weltmarktführer für Chiffriergeräte hingegen hochsichere Kommunikation.
SPEAKER_6 (0:57)
Wo elektronisch kommuniziert wird, lauern auch Gefahren.
Wer mit sensiblen Informationen umgeht, muss deshalb ihre Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit jederzeit unter Kontrolle haben. Mit hochsicheren Chiffrierlösungen und einem zuverlässigen, effizienten Security-Management ist diese Aufgabe lösbar. Das Schweizer Unternehmen Krypto AG realisiert seit Jahrzehnten hochsichere Chiffrierlösungen für Regierungen, Ministerien, Streitkräfte und weitere staatliche Organisationen in über 130 Ländern.
SPEAKER_5 (1:34)
Bei denen dann über Jahre von CIA und BND mitgelesen wurde. Das verheimlicht der Werbeclip natürlich.
SPEAKER_4 (1:41)
Ihr hört Code Wars im Maschinenraum der Spione von Leon Hase, Leonhard Koppelmann und Peter F.
Peter F. Müller (1:48)
Müller.
SPEAKER_4 (1:49)
Episode 3 Die Hagelin-Maschine Die Crypto AG wurde 1950 von dem schwedischen Ingenieur und Unternehmer Boris Hagelin in der Schweiz gegründet.
SPEAKER_5 (2:00)
Und dieser Boris Hagelin spielt eine entscheidende Rolle in einem der größten Geheimdienst-Cous der Geschichte. In dieser Folge erzählen wir, wie er zum Steve Jobs der Chiffriermaschine wurde.
SPEAKER_4 (2:12)
Chiffren, also verschlüsselte Informationen, wurden schon in Ägypten und Mesopotamien vor 4000 Jahren erstellt. Aber die maschinelle Codierung ist erst etwas über 100 Jahre alt.
Paul Reuvers (2:23)
Der Übergang von Papier zu mechanischen Systemen war ein gewaltiger Sprung.
SPEAKER_5 (2:29)
In Eindhoven, in den Niederlanden, befindet sich das Kryptomuseum. Unser Autor Peter F. Müller hat den Mitgründer des Museums und anerkannten Chiffriermaschinenexperten Paul Reuvers zu den Anfängen der maschinellen Codierung befragt.
Paul Reuvers (2:48)
Die Maschinen wurden in den 60ern elektronisch, waren aber im Grunde nur eine Kopie der Rotormaschinen.
Gleiche Funktion, nur ohne bewegliche Teile. Später kamen computerbasierte Maschinen, Mikroprozessoren, immer schneller. Nach dem murschen Gesetz verdoppelt sich alle zwei Jahre die Rechengeschwindigkeit.
SPEAKER_9 (3:11)
Das gilt dann auch für die Verschlüsselung.
SPEAKER_4 (3:15)
Im heutigen digitalen Zeitalter kommen uns diese mechanischen Maschinen sehr weit weg vor. Aber tatsächlich spielen sie bis in die 1980er-Jahre hinein eine zentrale Rolle in der Geheimkommunikation von Staaten.
SPEAKER_10 (3:29)
Zum Ende des Ersten Weltkriegs beginnt ein wahres Wettrennen darum, wer die beste Chiffriermaschine baut. US-Amerikaner, Deutsche, Niederländer und die Schweden mit Arvid Gerhard Dam gehörten zu den ersten erfolgreichen Entwicklern.
SPEAKER_4 (3:45)
Über diesen schwedischen Erfinder und dessen Firma erfahren wir auch etwas im Minerva-Dokument.
Peter F. Müller (3:50)
Die AB Cryptograph wurde von einem exzentrischen Mann namens Arvid Dam geleitet, dessen Ruf als Frauenheld oft seinen Erfindungsreichtum überdeckte. Ursprünglich war Dam Ingenieur in der Tuchmacher-Branche und hatte die mechanische Zauberei der Tuchmacherei in eine frühe Rotormaschine von solch außergewöhnlicher Komplexität übertragen, dass diese offenbar nie gebaut wurde, obwohl sie 1919 ein schwedisches Patent erhielt.
SPEAKER_4 (4:18)
Und auch wenn man sich in dem Geheimdossier der CIA über diesen frühen Pionier der Chiffrier-Maschinentechnik lustig zu machen scheint, ist man sich über die grundsätzliche Bedeutung seiner Erfindung durchaus bewusst.
Peter F. Müller (4:30)
Die Kryptographie auf Rotor-Basis war aber tatsächlich eine neue und wunderbare Erfindung. Und die entsprechenden Maschinen waren der letzte Schrei, weil sie ein Geschäft mechanisierten, das sich ja hundertelang auf Papiercodes verlassen hatte.
Die deutsche Enigma war zum Beispiel so eine klassische Rotormaschine.
SPEAKER_5 (4:49)
Wie genau diese Chiffriermaschinen funktionieren, hat unser Autor, der Investigativjournalist Peter F. Müller, Paul Reuvers vom Kryptomuseum Eindhoven gefragt.
SPEAKER_9 (5:01)
Die Enigma arbeitet mit sich drehenden Rädern, sogenannten Rotoren.
Paul Reuvers (5:07)
Jeder Rotor hat 26 Kontakte, einen pro Buchstabe und verwürfelt das Alphabet anders. Sie hat drei Rotoren insgesamt, also eine dreifache Verwürfnung. Beim Tippen drehen sie sich, sodass jeder Buchstabe anders verschlüsselt wird.
So entsteht ein sogenannter Pseudo-Zufallsgenerator. Pseudo, weil die Empfängerseite mit der richtigen Einstellung dieselbe Pseudo-Zufallsfolge erzeugen kann, um so den Text wieder zu entschlüsseln.
SPEAKER_11 (5:39)
Würde das bedeuten, wenn ich zweimal das gleiche Wort eingebe, dass dann auch der gleiche Code wieder rauskommt, oder kommt beim zweiten Mal ein anderer Code raus?
Paul Reuvers (5:53)
Gibt man denselben Text zweimal ein, erhält man jedes Mal ein anderes Ergebnis. Weil die Rotoren drehen und die Verwürfelung sich ständig ändert.
SPEAKER_11 (6:03)
Woher weiß jetzt der Entschlüsse, aber wo er anfangen muss, und wie kommt er dahinter?
Paul Reuvers (6:10)
Der Empfänger hat ein Codebuch mit den für den Tag vereinbarten Einstellungen, welche Rotoren, in welcher Reihenfolge, mit welcher Anfangsstellung. Nur so erzeugen beide Seiten dieselbe Pseudo-Zufallsfolge und die Entschlüsselung gelingt.
SPEAKER_4 (6:25)
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