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Clara Lösel – Wie bleibt man hoffnungsvoll?

Hotel Matze

October 11, 2026

Sie ist Poetry Artist und #1-SPIEGEL-Bestsellerautorin, ihre Texte erreichen auf Social Media Millionen Menschen. Wir sprechen über ihre Hoffnungspflicht, den Druck im eigenen Kopf, Wurzeln und Flügel, ihren schnellen Erfolg und die Frage, wie Social Media den Selbstwert verändert.

Speakers Clara Lösel, Matze Hielscher

TopicsSociety & Culture

Clara Lösel (0:14)

Aus Machen kommt für mich meistens Hoffnung. Also ich mach dann sowas wie meine Oma anrufen oder ins Altersheim gehen oder ein Hund kuscheln oder sowas in die Richtung. Also im Prinzip irgendwas für andere machen hilft mir am meisten, dass ich selber Hoffnung hab, dass ich das Gefühl habe, ich kann was machen.

Ich weiß noch ganz genau, dass ich mir zu Anfang wirklich, hab ich mir so gesagt, niemals werden Zahlen dich verändern. Du wirst niemals einer von diesen Menschen sein, wo das in irgendeiner Weise einen Einfluss nimmt auf dein Leben oder auf dein Sein, auf das, was du von dir denkst oder was weiß ich auch immer. Und Überraschung, natürlich nimmt das einen Einfluss. Natürlich, wenn ich jetzt hier letzte Woche wieder ein Video hatte, das irgendwie vier Millionen Aufrufe macht, da geht es mir an einem Tag, bin ich hyped? Da bin ich hyped. Dann steht da die alleinerziehende Mutter und hat das Gefühl, sie ist eine Versagerin, weil sie das nicht alleine alles hinbekommt, wo Jahrhunderte, Jahrtausende lang alle gemeinsam sich um ein Kind gekümmert haben. Und dann laufen die Leute ins Burnout, weil sie das Gefühl haben, sie müssen Sachen alleine schaffen, die hunderte Jahre lang Menschen immer nur in einer Gruppe geschafft haben. Es hieß immer, it takes a village. Ich weine oft eher, wenn Menschen nett zu mir sind, als wenn sie gemein zu mir sind. Eine komische Aussage.

Matze Hielscher (1:27)

Pause, da gehen wir ganz tief rein jetzt.

Willkommen im Hotel Matze. Ich bin Matze und ich treffe mich hier mit Menschen, die mich interessieren und versuche herauszufinden, wie die so ticken. Mein heutiger Gast ist Clara Lösel. Clara ist Dichterin und erreicht mit ihren Gedichten ein Millionenpublikum, was ziemlich außergewöhnlich ist, aber gar nicht so außergewöhnlich, wie man denkt, wenn man dann Clara sieht und ihre Gedichte hört. Wir sprechen über ihr neues, aufregendes Leben in der Öffentlichkeit. Es geht um Zugehörigkeit, um Erwachsenwerden, um Familie, um Wurzeln und Flügel. Es geht um den Rucksack, den wir alle tragen. Wir haben ganz viel über Zuversicht und Hoffnung gesprochen, denn Clara schafft es, anderen Menschen Hoffnung zu schenken. Man merkt aber, wenn man ihre Gedichte liest, dass sie selber nach Hoffnung sucht. Mir ging es so, dass ich nach diesem Gespräch mehr Hoffnung hatte als davor. Und ich hoffe, euch geht es genauso. Ich wünsche euch viel Vergnügen im Hotel Matze mit Clara Lösel.

Ich habe bei dir den Begriff Hoffnungspflicht, glaube ich, das erste Mal gelesen und überhaupt gehört. Was bedeutet das für dich gerade persönlich? Also jetzt zwei Tage nach der Wahl in Sachsen-Anhalt?

Clara Lösel (2:46)

Ich glaube, Hoffnungspflicht war im Übrigen auch, ich glaube tatsächlich, dass es ein Wort Neuerschöpfung ist, ich habe dieser Begriff war auf einmal bei mir.

Dann habe ich den gegoogelt und habe ihn irgendwo gefunden. Das heißt, ich denke mal, er kam von mir. Ich glaube, dass wir eine Pflicht haben zur Zuversicht, die sich daraus ableitet, dass so viele Menschen so viel für uns gekämpft haben in der Vergangenheit. Das ist das, was ich damit meinte, als ich das zum ersten Mal gesagt habe. Und ich glaube, jeder kann ein bisschen da reininterpretieren, so ist es ja auch bei Kunst. Aber das ist das, was ich damals meinte.

Matze Hielscher (3:18)

Wie schwer fällt es dir an so Tagen wie dieser Pflicht, nachzukommen?

Clara Lösel (3:24)

Schwer, also zwei Tage nach der Wahl. Gestern sind auf jeden Fall Tränen geflossen.

Du hast ja auch schon gesagt, gestern kein leichter Tag. Ich habe ja dann auch was dazu gepostet im Sinne von, hey, das ist jetzt keine, ich habe davor ja schon politische Sachen gepostet. Und dann gestern einfach mal gesagt, hey, jetzt nichts politisches, sondern einfach nur, wenn ihr das Gefühl habt, euch geht es gerade dreckig und ihr verliert eure Hoffnung, dann seid ihr damit nicht allein. Ich habe das Gefühl, das bringt auch manchmal schon was. Mir fällt es nicht leicht mit der Hoffnung an vielen Tagen. Und gleichzeitig glaube ich, es ist halt auch gut, das auszusprechen, dass es mir nicht leicht fällt.

Matze Hielscher (4:03)

Also was brauchst du, wenn du hoffnungslos bist? Hast du dann eher jemand, der dir sagt, ach komm, Kopf hoch, wird schon wieder? Oder ist es eher, dass du eher das brauchst, dass jemand sagt, ja, ist doof?

Clara Lösel (4:18)

Ich glaube, ich brauche wahrscheinlich beides zu einem bestimmten Zeitpunkt, aber eher das Zweite. Also ich glaube, was mich wirklich sehr sauer macht, wenn ich traurig bin oder wütend bin wegen irgendwas, ich kann das nicht gebrauchen, wenn mir dann jemand sagt, entweder wird schon wieder oder die anderen haben es schlechter. Das sind ja so zwei Tröstversuche, wo ich wirklich, finde ich gar nicht gut. Das funktioniert gar nicht bei mir. Und ich finde es auch sehr, das ist so das Problem degradierend. Das ist so die Gefühle wegredend, wenn man sagt, andere haben es schlimmer.

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