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Beste Bildung - Folge 32: Kathy Kelsh-Nierenz und Lothar Nierenz – Musiker*innen, Lehrende und Kulturvermittler*innen

Beste Bildung

October 15, 2026

Kathy und Lothar Nierenz sind überzeugt: Musikalische Bildung ist weit mehr als das Erlernen eines Instruments. Musikschulen sind Orte der Begegnung, der Teilhabe und der Demokratiebildung.

Speakers Jürgen Rickert, Kathy Kelsh-Nierenz, Lothar Nierenz

TopicsNon-ProfitBusinessEducation

SPEAKER_1 (0:00)

Was wäre möglich, wenn jedes Kind gerechte Chancen hätte? Willkommen bei Beste Bildung, dem Podcast der Stiftung Bildung.

Wie schaffen wir bessere Bildung für alle Kinder und Jugendlichen? Darüber spricht Jürgen Rickert mit Menschen, die in Schule, Politik, Wissenschaft und Gesellschaft etwas bewegen. Von SchülerInnen über AktivistInnen bis zum MinisterInnen. Offen, kontrovers und immer mit Blick auf die Zukunft. Schön, dass du dabei bist. Los geht's.

Jürgen Rickert (0:22)

Herzlich willkommen zu unserem Podcast Beste Bildung. Mein Name ist Jürgen Rickert. Ich bin Gastgeber dieses Podcasts und ehrenamtlicher Mitarbeiter der spendenfinanzierten Stiftung Bildung. Wir haben heute zwei Personen zu Gast, nämlich Kathy und Lothar Nierenz, die sich gleich vorstellen. Aber wir haben immer eine Eingangsfrage, die wir vor der Vita stellen, nämlich die, wie ist mit Blick auf eure Schulzeit euer Empfinden gewesen? Habt ihr mehr Frust oder mehr Förderung erlebt?

Kathy, was ist jetzt?

Kathy Kelsh-Nierenz (0:53)

Erstmal vielen Dank, dass wir hier sein dürfen. Das ist eine ganz tolle Gelegenheit für uns, auch über die Dinge zu sprechen.

Oder viele Dinge zu sprechen. Ich hatte eine hervorragende Grundschulzeit. Wirklich ganz toll.

In der dritten? In Washington, DC.? Genau. Die Grundschule ging damals, weiß ich nicht, wie es jetzt ist, also bis zum sechsten Klasse. Und ab der dritten Klasse, in der dritten Klasse, könnte ich, war wir, also es gab Ganztagsschulen, auch in den 60er Jahren, in den USA. Und ich könnte dann ein Instrument aussuchen, weil die Grundschule eine Orchester hat. Und zwar, zu meiner Zeit waren wir so 40 Leute. Also alles, was außerschulisch stattfand, fanden in den Schulen statt. Und da bin ich auf die Geige gekommen. Also eigentlich wollte ich ein anderes Instrument spielen, aber der Dirigent oder der Leiter dieses Orchesters hat gesagt, was sollst du denn Geige spielen? Deine Schwester, sie ist zwei Jahre älter, sie hat das auch gemacht, hat es auch ganz toll gemacht. Das sollst du auch machen. Und ich dachte, okay, aber jedenfalls, das war der Anfang eigentlich meiner Ausbildung, die in der Grundschule stattgefunden hat. In der fünften Klasse hatte ich eine Lehrerin, Frau Thompson, würde ich nie vergessen. Sie hat in mir so ein kreatives Geist gespürt und ich sollte ständig einfach Gedichte schreiben.

Und die auch dann in der Schulzeitung oder so und so was veröffentlicht wurde. Also, ich glaube, ohne dass sie das entdeckt hatte, wäre vielleicht diese kreative Geschichte, die später wirklich zum Schwerpunkt meines Berufs geneigt. Ich weiß nicht, aber so war meine Zeit hervorragend.

Jürgen Rickert (3:12)

Ich muss ganz kurz in der Zwischenfrage. Hast du damals auch vom Pulitzer Preisstuhl geträumt, wenn du Gedichte geschrieben hast?

Kathy Kelsh-Nierenz (3:17)

Nein, nein, nein, nein, nein, das war so ein Schild. Nein, nein, nein.

Jürgen Rickert (3:24)

Lothar, wie war das bei dir? Frust oder Förderung?

Lothar Nierenz (3:27)

Viel mehr Frust, muss ich ganz ehrlich sagen. Also die Grundschule fand ich unfassbar langweilig.

Ich konnte so nach, also sagen wir mal, erste Klasse spätestens in den Herbstferien Zeitungen lesen. Das war eigentlich alles, was mich interessiert hat. Damals Apollo Programm war ein ganz wichtiger Punkt für mich. Und dann an Gymnasium, das war so eine Schule, die sich bis heute für so eine Eliteanstalt hält. Das Kaiser Wilhelm Gymnasium in Hannover, jetzt KWR. Kaiser Wilhelm und Rath kenne ich ja. Ja, ja. Und da hatten richtig gute Karten die Bildungsbürger, Kinder und dann so an zweiter Stelle in der Rangfolge die Kinder aus Familien mit Geld. Zu beiden Kategorien gehörte ich leider überhaupt nicht.

Und Kinder wie ich wurden da normalerweise aussortiert. Aber sehr viele zumindest. Und ich glaube, was mich gerettet hat war, dass ich Musik gemacht habe und dass ich da wenigstens so ein bisschen mit diesen sehr bürgerlichen Familien mithalten konnte. Was ich aber erwähnen möchte, ist mein Latein-Lehrer. Wir mussten Latein-Leistungskurs machen in der Oberstufe. Der hatte wirklich keine Freude mit mir.

Aber das war jemand, der sagte, ich fahre in drei Wochen nach Berlin und schaue mir die Oristie von Ayshilos in der Enzellierung von Peter Stein, die berühmte. Wer hat Lust mitzufahren? Ich besorgte die Karten. Ihr müsst euch um alles alleine kümmern, über Nacht und sonst wie. Aber so habe ich zum Beispiel die Oristie gesehen, mit Peter Stein, mit Edith Kleber, mit Udo Sammel, Jutta Lampe.

Jürgen Rickert (5:19)

Udo Sammel, damals der deutschen Tauschwiederhändler.

Lothar Nierenz (5:22)

Absolut. Franz Sava-Krotz, Nicht Fisch, Nicht Fleisch damals. Eine ganz neue Produktion, ein neues Stück. Und dann natürlich Nigel Williams, Klassenfeind. Da sind wir dann auch schon fast beim Thema.

Unglaubliches Stück. Das habe ich durch diesen Lateinlehrer gesehen und erlebt. Und dafür bin ich ihm bis heute dankbar. Das hat sicherlich auch was im Meer ausgelöst. Mit Schule hatte das wenig zu tun. Das war für mich mehr ein soziales Ereignis. Inzwischen habe ich mich wohlgefühlt, aber meine Leistungen waren nicht mehr.

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