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Astrophysiker Heino Falcke — Was lehrt uns das Universum?

Hotel Matze

September 30, 2026

Heino ist Astrophysiker, Professor an der Radboud-Universität in Nimwegen und Autor – und er hat mit seinem Team 2019 das weltweit erste Foto eines schwarzen Lochs realisiert.

Speakers Heino Falcke, Matze Hielscher

TopicsSociety & Culture

Heino Falcke (0:15)

Jeder Blick in den Himmel ist immer ein Blick in die Vergangenheit und es ist unsere kosmische Heimat. Dieser Weite, die hat uns gemacht, die ist uns geschenkt und das ist der Garten, in dem wir spielen dürfen und als Astrophysiker, als Astronom darf ich in diesem Garten rumlaufen, ihn anschauen, ihn studieren.

Schwarze Löcher sind so ein bisschen der Endpunkt von allem in gewisser Weise. Endpunkt von Raum und Zeit und auch ein Endpunkt unseres Wissens.

Wir leben in einer völlig neuen Zeit und zum ersten Mal sind wir eine global vernetzte Menschheit, die global denken und global handeln muss und die sich jetzt verhält, ich sag mal wie eine Affenhorde, die auf ihrem Affenfelsen steht, leichter gesagt eine Pubertät der Menschheit. Wir müssen jetzt erwachsen werden. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass du Gott nicht beweisen kannst. Ich wäre sehr enttäuscht, wenn sie sich beweisen ließe, Gott, weil dann auch wieder ein Stück der Freiheit des Glaubens verschwunden wäre. Und auch das Geheimnis.

Matze Hielscher (1:20)

Super, also das war doch die spannendste Unterrichtsstunde, die ich nie hatte.

Willkommen im Hotel Matze. Mein heutiger Gast ist Professor Dr. Heino Falcke. Der ist Astrophysiker und weltberühmt damit geworden, weil es ihm und seinem Team gelungen ist, ein Bild von einem Schwarzen Loch zu machen. Heino beschäftigt sich mal wirklich mit den ganz, ganz großen Fragen. Wie ist das alles hier entstanden? Also das Universum, unser Planet und auch am Ende wir? Was passiert eigentlich in einem Schwarzen Loch? Und wer oder was ist Gott? Und auf diese Fragen habe ich heute tatsächlich Antworten bekommen. Es ist eine große Folge, eine lange Reise vom Urknall bis jetzt. Ich glaube, es lohnt sich, diese Folge mit kleinen Etappen zu hören. Aber ich verspreche euch, es lohnt sich, sie komplett zu hören, weil da ganz, ganz viel drin ist. Ich wünsche euch eine gute Reise mit mir und Heino Falcke. Also ich habe mich natürlich gefragt, was du siehst, wenn du in den Himmel schaust.

Heino Falcke (2:25)

Meistens Wolken.

Matze Hielscher (2:28)

Toll. Schön, dass du da warst.

Sehe ich auch.

Heino Falcke (2:34)

Ja, das ist das Problem oder der Fluch des Physikers. Ich war letztens Astrophysiker, Astronomens. Ich war letztens extra zur Sonnenfinsternis in Spanien. Und ich habe mir den einzigen Ort ausgesucht, wo es dann bewölkt war. Es war in so fünf Minuten, bevor die Totalität zu sehen war, waren die Wolken aufgezogen und keine Sonne mehr zu sehen.

Das ist das, womit wir Astronomen leben müssen. Manchmal sind wir abhängig von dieser Welt. Aber wenn wir dadurch hinaus schauen, dann siehst du natürlich diese Dunkelheit, die Sterne. Und du siehst natürlich das, was dahinter ist. Du siehst die Weite, du siehst die Größe, du siehst die Schönheit, die da drinsteckt. Und ich sehe tatsächlich auch die Physik, die dahinter ist, die das alles irgendwie am Laufen hält. Und das berührt mich schon sehr. Also die einfache Schönheit des Sternenhimmels, genauso wie die Schönheit der Physik.

Matze Hielscher (3:28)

Was glaubst du, siehst du, was ich nicht sehe?

Heino Falcke (3:31)

Vielleicht die Physik. Ich habe eben gehört, das ist nicht so dein Lieblingsthema.

Matze Hielscher (3:35)

Vielleicht. Was bedeutet, wenn du sagst, die Physik?

Heino Falcke (3:40)

Ja, vielleicht das, was drunter liegt unter diesem Weltall. Man sieht fördergründig ein paar Lichter, ein paar Lämpchen, die da hängen. Aber es ist ja wirklich ein ganz komplexes Zusammenspiel. Und es ist unsere kosmische Heimat. Diese Weite, die hat uns gemacht, die ist uns geschenkt. Und das ist der Garten, in dem wir spielen dürfen jetzt und in dem wir gewachsen sind. Und der ist wirklich unfassbar groß.

Und als Astrophysiker, als Astronom darf ich in diesem Garten rumlaufen, ihn anschauen, ihn studieren und jede Blume da sehen. Und ich weiß auch, was dahinter ist und wo sie herkommt.

Matze Hielscher (4:24)

Siehst du Raum oder siehst du Zeit?

Heino Falcke (4:27)

Das ist eine sehr tiefe Frage tatsächlich. Also ich mein, glaube ich, als Erstes sehen wir immer Raum. Tatsächlich. Und so weit weg, wenn wir in den Sternenhimmel schauen, schauen wir ja gar nicht. Wir sehen meistens nur ein paar hundert oder ein paar tausend Lichtjahre vielleicht, so weit die Sterne entfernt. Wissend aber, dass dahinter, da ist eine Galaxie, kannst du vielleicht noch mit bloßem Auge sehen, dann guckst du zweieinhalb Millionen Jahre in die Vergangenheit. Und dann brauchst du Teleskop und dann guckst du Milliarden Jahre in die Vergangenheit.

Matze Hielscher (4:54)

Man guckt Milliarden Jahre in die Vergangenheit.

Heino Falcke (4:57)

Jeder Blick in den Himmel ist immer ein Blick in die Vergangenheit. Selbst der Blick auf die Sonne, weil das Licht braucht acht Minuten, um von der Sonne zu uns zu kommen.

Matze Hielscher (5:04)

Das habe ich nämlich schon durch dich gelernt, weil das war mir so auch nicht bewusst.

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