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Anwalt Christian Schertz – Darf man jeden vertreten?

Hotel Matze

October 16, 2026

Anmerkung: Nach der Veröffentlichung dieser Folge habe ich eine Passage entfernt, in der ich eine Aussage aus einem früheren Gespräch falsch wiedergegeben habe. Darum haben wir die Folge noch einmal neu hochgeladen. Ich bitte diesen Fehler zu entschuldigen.

Speakers Christian Schertz, Matze Hielscher

TopicsSociety & Culture

Christian Schertz (0:14)

Ich bin eigentlich ein Intensivmediziner der persönlichen Ehre. Das heißt, ich hab einen Fall, meistens kriege ich den morgens rein oder abends um Uhr. Und dann habe ich eine ganz kurze Zeit dafür zu sorgen, dass möglicherweise dieser Mensch nicht morgen medial komplett vernichtet ist.

Ungerechtigkeit treibt mich bis heute um. Ich möchte im Wesentlichen auf der richtigen Seite stehen. Und wie kannst du gegen Nazis sein und Till Lindemann vertreten? Man darf sich in Deutschland noch einen Anwalt nehmen. Und wenn wir das nicht hätten, sind wir am Ende. Dieser Alibisatz, drei Seiten Vorwürfe und am Ende, es gilt die Unschutzvermutung, den können wir nicht auch fast schon wieder sparen.

Matze Hielscher (0:49)

Wie ist das, wenn man der Sohn eines Menschen ist, den so viele Menschen hassen?

Christian Schertz (0:59)

Wenn jemand einer Tat verdächtig ist, ist er beschuldigter und nicht Täter. Täter ist, wenn er rechtskräftig verurteilt wurde.

Der Spiegel hat in seiner Berichterstattung zwingend den Eindruck erweckt, dass Herr Ulmen von Frau Fernandez die Pfig-Videos hergestellt oder verbreitet hat. Vielleicht reden wir darüber noch.

Matze Hielscher (1:20)

Ja, möchte ich kennenlisten.

Hätte es auch sein können, dass Colleen am Telefon ist um 6 Uhr morgens und sagt, Christian, ich brauche deine Hilfe? Das ist... Was machst du mit diesen ganzen Geheimnissen?

Christian Schertz (1:34)

Ich kenne den Backstage-Bereich der Republik, das stimmt.

Matze Hielscher (1:39)

Ich weiß nicht, ob wir diese Tür aufmachen. Kannst du entscheiden?

Ich sage mal den Namen und dann kannst du schon sagen, machen wir die Tür auf oder nicht. Jan Böhmermann.

Christian Schertz (1:49)

Welche Tür wollen wir aufmachen?

Matze Hielscher (1:57)

Willkommen zu Hotel Matze. Mein heutiger Gast ist Christian Schertz. Er ist Anwalt und Honorarprofessor für Medienrecht. Seine Kanzlei Schertz Bergmann vertritt vor allem viele prominente Menschen wie Tillinde Mann, Jan Böhmermann, Anastasia Kinski, mehrere geschädigte Frauen im Fall Dieter Wedel und aktuell Christian Ulm, wenn deren Persönlichkeitsrechte verletzt werden. Diese Folge ist eine kleine oder eine große Rechtsstunde. Wofür ist der Rechtsstaat da? Was dürfen Medien berichten und was nicht? Und warum haben auch Menschenrechte den schweren Vorwürfe gemacht werden? Aber wir sprechen auch über ihn, über Christian Schertz, über seine Familie, seine eigenen Fehler und darüber, was dieser Beruf mit ihm macht. Ich wollte verstehen, wie entscheidet er, für wen er kämpft und wo liegen seine moralischen Grenzen. Bevor wir damit starten, hätte ich eine Bitte. Ihr würdet mich hier wahnsinnig unterstützen, wenn ihr diesen Kanal abonniert. Denn so unterstützt ihr mich in meiner Unabhängigkeit. Herzlichen Dank dafür. Und nun wünsche ich euch viel Vergnügen im Hotel Matze mit Christian Schertz.

Also ich war erst in einem Meeting und da klingelte das Telefon, du warst am Telefon. Und mein Handy sagt immer an, wer dran ist. Da sagte dann plötzlich das Handy Christian Schertz.

Und sofort wurde es im Raum ganz still und einer sagte, oh.

Christian Schertz (3:25)

Die kennen mich wahrscheinlich.

Matze Hielscher (3:26)

Die kennen dich vielleicht, ja das kann gut sein.

Christian Schertz (3:28)

Nee, weil sie ist persönlich.

Matze Hielscher (3:31)

Aber du scheinst auch, hab ich dann gedacht, ein gefürchteter Mann zu sein. Wenn du anrufst, bist du ein gefürchteter Mann.

Christian Schertz (3:39)

Das soll ein anderer entscheiden. Ich sag mal so, ich mach meinen Job. Und mein Job ist es, Menschen, die über die berichtet wird in den Medien, und wirklich nur diesen kleinen Bereich, das ist mein Spezialgebiet, über die berichtet wird in den Medien zu vertreten, wenn ich der Auffassung bin, das durch die Berichterstattung. Und nicht selten wird ja die Reputation beschädigt oder es wird in die Privatsphäre eingedrungen.

Es wird über Krankheiten berichtet gegen den Willen der Betroffenen, über den Tod von Kindern, ich weiß nicht was. Oder eben auch über Vorwürfe, Steuerentezierung, MeToo, andere Verfehlungen. Und dann ist es ja meine Aufgabe zu gucken, wie kann man dagegen vorgehen? Kann man das verhindern? Kann man die Reputations-, den Schaden für den Beteiligten, ob die Dinge jetzt stimmen oder nicht stimmen, ist ja auch nochmal wichtig. Unwahr, nur ein Verdacht, ein Vorwurf.

Privatsphäre ist ohnehin, da kommt es auf die Wahrheit gar nicht an. Die ist grundsätzlich geschützt, auch bei Prominenten, es sei denn, sie haben ihre Privatsphäre vorher vermarktet. Das heißt, in jeder Fall ist alles so. Und mein Job ist es ja im Grunde genommen nur zu gucken, kann man jetzt dagegen was machen? Kann man eine Beschädigung der Reputation, eine öffentliche Stigmatisierung durch das, was ich tue, verhindern? Und das tue ich natürlich mit einer gewissen Nachhaltigkeit. Und deswegen sagen manche, gefürchtet, aber ich darf noch mal erinnern, es gibt in dem Bereich, den ich hier mache, gibt es vier, fünf Anwaltskanzleien in Deutschland, sogenannte Boutiquen, also mit wenig Anwälten, die gewissermaßen diesen Bereich bedienen und bespielen. Und dem stehen riesige große Medienkonzerne gegenüber, die milliardenschwer aufgerüstet sind, auch mit Rechtsabteilungen. Also es ist eigentlich eher David gegen Goliath, dass immer, wenn ich irgendwo hinschreibe, also SZ schrieb neulich ein Ruf wie Donnerhall und ein Netzwerk Sondergleichen. Ja, dass man sich einen Ruf verarbeitet hat. Mein Gott, auch ein Top-Chirurg hat einen guten Ruf, wenn er ein Top-Chirurg ist oder ein Hirnschirurg oder ein Dirigent oder was auch immer. Und bei Anwälten gefürchtet, ja, ist wahrscheinlich, ist das, wenn man eine Seite vertritt. Das ist ja bei Anwälten so oder Anwältinnen, radikale Interessenvertreter einer Seite. Das ist ja unsere Aufgabe, die Schweizer nennen es Fürsprecher. Natürlich ist man dann auch bestimmt beim Gegner, wenn man das einigermaßen erfolgreich oder nachhaltig tut, auch gefürchtet. Aber wie gesagt, das muss ich, das müssen andere entscheiden. Mir geht es auch nicht darum, gefürchtet zu sein. Ich will einfach nur die Interessen meiner Mandantinnen und Mandanten vertreten. Ich will sie gut vertreten. Und insbesondere, und das ist der Hauptfall, wenn ich nachhaltig der Auffassung bin, dass ihre Rechte verletzt worden sind durch eine bestimmte Berichterstattung. Ob es jetzt die Bildzeitung betrifft, den Spiegel, die süddeutsche Zeitung, die ARD, ProSieben, RTL, es ist mir wirklich egal. Weil ich will dann dem Mandanten zur Seite stehen oder der Mandanten, die eben sagt, Christian, ich möchte nicht, dass über meine Ehe jetzt, über meine Eheprobleme berichtet wird. Christian, ich möchte nicht, dass berichtet wird, der Wahrheit zuwider, ich hätte Steuern hinterzogen oder eben andere Themen. So und deswegen, ich will mal so sagen, wenn es so wahrgenommen wird, gefürchtet, dann sag ich mal, hat man zumindest offensichtlich den Job so gemacht, dass man einen gewissen Respekt bekommt für das, was man tut. Ja, und sicherlich ist es so, dass unsere Kanzlei, ich mach das ja nicht alleine, wir sind ja 12 oder 11 Anwälte inzwischen, wenn unsere Kanzlei irgendwo hinschreibt, ist das bei der Chefredaktion oder auch bei der Geschäftsführung und bei der Rechtsabteilung. Ob das bei anderen Kanzleien sofort so passiert, weiß ich nicht.

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