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271 - Kann KI Strategie? Wie KI Strategieentwicklung und Umsetzung verändert

State of Process Automation

June 27, 2026

In dieser Episode spreche ich mit Prof. Dr. Julia Hautz, Professorin für Strategisches Management an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck. Wir sprechen über folgende Themen: Kann KI Unternehmensstrategien entwickeln – und wo braucht es weiterhin den Menschen?

Speakers Christoph Pacher, Julia Hautz

TopicsManagementBusiness

Christoph Pacher (0:07)

Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Episode von State of Process Automation. Ich bin Christoph Bacher und es freut mich, dass du heute wieder mit dabei bist. Heute bei mir Professor Dr. Julia Hautz. Sie ist Professorin an der Leopold-Franzens-Universität in Innsbruck und wir sprechen heute darüber, ob KI Strategie kann oder ob man mit Hilfe von KI Strategie entwickeln sollte.

Julia, schön, dass du da bist.

Julia Hautz (0:38)

Vielen Dank für die Einladung, freut mich.

Christoph Pacher (0:41)

Julia, bevor wir in dieses super spannende Thema eintauchen, erzähl gerne mal, ich habe dich ganz kurz vorgestellt. Stell dich gerne noch mal kurz selbst vor, was machst du ganz konkret?

Julia Hautz (0:52)

Ja, gerne. Also ich habe eine Professur für Strategisches Management an der Uni in Innsbruck und beschäftige mich jetzt eigentlich ja schon die letzten 10, 12 Jahre ganz stark mit Strategieprozessen.

Das heißt, es geht jetzt weniger in meiner Arbeit und meiner Forschung um den Inhalt der Strategie oder die Strategie selbst, sondern ich interessiere mich sehr dafür, wie Strategie entsteht, wie Strategie umgesetzt wird, wer daran beteiligt ist. Welche Tools dafür eingesetzt werden können, wie die Prozesse sind und wie die ablaufen und gestaltet sind. Das ist der Kern meiner Forschung, aber auch der Arbeit mit Unternehmen und das, was mich die letzten Jahre umtreibt. Deswegen jetzt auch praktisch ganz aktuell die Frage, wie wird Strategiearbeit, der Strategieprozess auch durch KI verändern?

Christoph Pacher (1:57)

Und da würde ich dir gleich die Frage stellen, warum befasst du dich jetzt gerade mit dem Thema KI in Verbindung mit Strategie?

Julia Hautz (2:08)

Also kommt natürlich aus diesem Forschungsschwerpunkt. Und im Zusammenhang mit Strategieprozessen beschäftige ich mich sehr stark, damit wie Strategie anders gedacht werden kann, als diese klassischen Prozesse, die man so im Kopf hat. Der Klassiker ist ja, wir stellen uns vor, als Management der Vorstand eines Unternehmens trifft sich jährlich oder in gewissen Abständen mit Beratern. Oft hat man so ein Bild irgendwie bei so Strategy Summits oder hinter verschlossenen Türen. Und dann wird ganz stark darüber nachgedacht, basierend auf Analysen und Daten, Informationen, die man so bekommt, wie Strategie in den nächsten Jahren aussieht, wo die Richtung des Unternehmens hingehen soll.

Und meine Forschung beschäftigt sich ganz stark damit, wie das anders gedacht werden kann. Also wie ich zum Beispiel ganz neue Personen, die normalerweise jetzt nicht klassisch mit Strategiearbeit oder Strategieentwicklung in Zusammenhang gebracht werden, wie die eingebunden werden können. Es können jetzt einige Personen sein, viele Personen sein von innerhalb des Unternehmens, außerhalb des Unternehmens. Und da haben wir schon ganz stark eigentlich die Verbindung zu KI, weil diese, wir nennen es Open Strategy, die Öffnung des Strategieprozesses oft ganz stark durch digitale Tools unterstützt wird. Also sei es jetzt Social Media, sei es Plattformen, sei es jegliche Art, die Kommunikation, Interaktion, Transparenz unterstützt.

Und da ist jetzt natürlich der Schritt allein zu der digitalen Technologie als Tool nicht weit. Wobei ich jetzt argumentieren würde, dass KI in dem Zusammenhang eigentlich viel mehr ist, als jetzt nur eine digitale Technologie oder eine neue digitale Technologie.

Christoph Pacher (4:02)

Wir sprechen dann gleich nochmal genau über diesen Punkt. Aber davor gehen wir nochmal einen Schritt zurück. Du hast schon gesagt, du beschäftigst dich stark mit dem Prozess der Strategie, dass wir dann jetzt auch im Gespräch wirklich dasselbe Bild im Kopf haben. Wenn wir Strategie sagen, was verstehst du denn unter Strategie?

Julia Hautz (4:22)

Ja, das ist schon immer die größte Herausforderung. Das ist ja gar nicht so einfach. Ich glaube Strategie ist so ein klassischer Begriff, der einfach ganz viele verschiedene Interpretationen hat, die auf ganz unterschiedliche Art und Weise verwendet werden.

Wenn man es jetzt vereinfacht unterbrechen möchte, was gar nicht so einfach ist im Zusammenhang von Strategie, dann sagt man immer bei Strategie geht es einerseits darum, als Unternehmen festzustellen, wo befinde ich mich heute, was ist mein Ausgangspunkt, was sind meine Stärkenschwächen, Ressourcenfähigkeiten, was ist meine Situation im Zusammenhang mit Märkten, mit Bewerbern, also wo ist meine Situation?

Wo möchte ich denn hin in der Zukunft? Strategie ist ja immer etwas zukünftig Ausgerichtetes, mehr oder weniger langfristig gesehenes. Also wo möchte ich hin? Und dann die dritte Frage, wie komme ich da hin? Also was sind so die Aktivitäten, die Schritte, die Tätigkeiten, die ich setzen muss, die Ressourcen, die ich aufbauen muss, um dort hinzukommen? Ich glaube, die drei Fragen beschreiben ganz gut, was Strategie ausmacht. Und dann ist aber Strategie noch einmal so was ganz Komplexes. Und das macht es auch im Zusammenhang mit KI wieder so spannend, weil Strategie sehr oft wird sehr stark der analytische, datengetriebene, informationsgetriebene Teil gesehen. Ich muss Situationen analysieren. Ich muss verschiedene Alternativen entwickeln. Ich muss Alternativen evaluieren und abwägen. Ich muss Entscheidungen treffen. Das trifft sehr stark für, sagen wir mal so, die erste Phase eines Strategieprozesses zu. Und dann ist aber Strategie viel mehr als dieses kognitiv analytische. Es ist auch was ganz stark Sozio-emotionales. Es muss nämlich eine Strategie, damit sie irgendwie Realität erlangt, ja über das Papier hinausgehen, über die Powerpoint-Folie hinausgehen, wie ich formuliere. Und dazu brauche ich einfach in den Unternehmen, die Menschen, die Mitarbeitenden, die Personen, die in ihren Handlungen, Entscheidungen, Tätigkeiten sozusagen diese Strategie umsetzen und Realität werden lassen. Und die zwei Elemente müssen eigentlich, wenn man speziell vom Strategieprozess spricht, berücksichtigt werden. Und sehr oft ist der Fokus schon eher so am, sagen wir mal am ersten, in der ersten Phase, in diesem Anonythisch, datengetriebene, weniger stark, dann in diesem zweiten Teil, der sehr stark von Menschen geprägt wird.

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