#26 Familie und Beruf: Wie kriege ich das alles unter einen Hut?
Flexikon
June 5, 2022
Wer Eltern wird, entscheidet sich nicht nur dafür, Windeln zu wechseln, Brote zu schmieren und ein Kinderzimmer einzurichten. Ein Kind zu erziehen, bedeutet auch, sich im Beruf neu zu organisieren. Aber wie kriegt man das auf die Kette? Ist mein Unternehmen offen für flexible Arbeitszeiten?
Speakers Anne Raddatz, Steffi Banowski, Mareike Kaiser, Volker Baisch
Anne Raddatz (0:00)
Wir sind wie eine gut gecastete Runde bei Anne Will heute. Unsere Positionen könnten unterschiedlicher nicht sein. Es geht um Kinder und Karriere. Und was soll ich sagen? Steffi hat Kinder, ich habe keine. Kinder.
Steffi Banowski (0:11)
Und Karriere haben wir beide nicht. Also Kinder bekommen es auch einfacher, zumindest in der Vorbereitung, weil ich aus meinem Erfahrungsschatz schöpfen darf. In der Ausführung dann aber doch ungefähr so arbeitsintensiv wie ein Kellnerjob auf dem Oktoberfest. Sehr arbeitsintensiv. Aber vielleicht wollen wir das Wort Karriere einfach ein bisschen downgraden.
Also wie kann man es schaffen, Kinder haben und arbeiten? Und dann auch noch allem gerecht werden. Vielleicht passt das besser zu uns.
Anne Raddatz (0:36)
Also nicht, dass mich das zeitnah betreffen würde, aber vielleicht muss ich irgendwann ja mal meine Eltern pflegen. Das könnte ja sein. Und auch da kann eine Art System durchaus von Vorteil sein. Das fände ich schön.
Steffi Banowski (0:48)
Ich hatte mir übrigens überlegt, so als Praxisbeispiel, dass ich einfach ein paar meiner zahlreichen Kinder mitbringe und du während der Aufzeichnung ein bisschen auf die aufpasst.
Anne Raddatz (0:58)
Überfordert mich in der Vorstellung schon.
Steffi Banowski (1:00)
Ja, die hatten aber auch leider keinen Bock.
Anne Raddatz (1:02)
Ich wusste ja letztens nicht mal, was dieses Flexi-Stack oder wie hieß das Spiel?
Steffi Banowski (1:06)
Mini-Stack. Oh, da habe ich einen Zuschritt bekommen.
Oh, pickiert. Also, dass du nicht weißt, was Mini-Stack ist.
Anne Raddatz (1:13)
Jetzt weiß ich es. Beruhigt euch!
Steffi Banowski (1:14)
Es ist gut.
SPEAKER_3 (1:15)
Das ist absolut keine normale Frageplattform, aber hier wird zu jeder Frage eine Antwort geboren. Das ist das Sprungbrett, durch das ihr zum Verständnis kommt.
Guten Tag, das ist das Flexikon.
Steffi Banowski (1:27)
Ein Podcast von Enjoy vom NDR mit Anne Raddatz und mit Steffi Banowski.
Anne Raddatz (1:31)
Das Flexikon ist ein Laber-Podcast mit Bildungsauftrag für wichtige, unbequeme, viel zu selten gestellte und manchmal auch peinliche Fragen des Lebens. Die wollen wir beantworten mit Hilfe von Leuten, die es wissen müssen.
SPEAKER_3 (1:45)
Und das ist hier die Frage.
Steffi Banowski (1:47)
Familie und Beruf, wie kriege ich das alles unter einen Hut? Heute wollen wir ein bisschen für Verständnis werben für Leute mit Kindern und Leute ohne Kinder. Und beide sind im Beruf. Es klaffen ja tiefe Gräben. Also die ziehen sich wie das Edgetal durch Großraumbüros. Beliebter Verabschiedung ist ja, wenn man um drei geht, so empfinde ich das.
Wenn man seinen Feierabend gerne mit Hausaufgabenbetreuung, 60 Grad Wäsche, Rotze wegwischen und nein sagen verbringt, dann ist es ein schöner Feierabend.
Anne Raddatz (2:22)
Ich finde es vorab übrigens einmal noch mal wichtig zu erwähnen, diese Folge zielt nicht explizit auf erwerbstätige Mütter ab, sondern, hi liebe Väter, auch ihr seid hier willkommen bis zu Ende zu hören. Und, das habt ihr ja gerade schon im Intro gehört, es geht auch nicht nur um Kehrarbeit für Kinder, sondern kann man ja auch unterbrechen, zum Beispiel Aufpflege für Angehörige. Also auch wer kranke oder alte Eltern hat und pflegt, der kennt das Problem mit der privaten und beruflichen Pflicht ja auch. Also gerne einfach alle dran bleiben, alle.
Steffi Banowski (2:51)
Es ist ja so Kehrarbeit, ich glaube das ist auch das große Thema. Ich habe eine Tabelle vom Bundesamt für Statistik gefunden, die ist schon ein bisschen älter. Nichtsdestotrotz, die hat aufgeschlüsselt, wie viele Stunden Kehr- und Hausarbeit Männer und Frauen in unterschiedlichen Familiensituationen machen. Und das ist schon interessant. Also Beispiel Familie mit zwei Kindern, Klassiker. Jüngstes Kind ist zwischen und 2 Da verbringen Frauen 63, 5 Stunden pro Woche mit Haushaltsarbeit. Die Väter 30, 5
Das ist weniger als die Hälfte. Und allein lebende Frauen zwischen 30 und Mitte 40 Was meinst du, wie viele Stunden Haushaltsarbeit haben die so in einer Woche?
Anne Raddatz (3:31)
Alleinerziehend.
Steffi Banowski (3:32)
Nee, ohne Kinder. So, du.
Anne Raddatz (3:35)
Auch ich bin ein schlechtes Beispiel. Ich kehre gerne alles einfach in den Schuppen.
Aber warte mal, du bei erwerbstätigen Müttern warst 63, 5
Steffi Banowski (3:50)
Es sind, oder waren, die Statistik ist schon 10 Jahre alt, 16, 1 Stunden bei Männern nur 13, 1 In heteronormativen Partnerschaften, Mann und Frau ohne Kinder, da verschiebt sich das so ein bisschen zu Ungunsten der Frauen. Die bekommen nämlich laut dieser Aufstellung die Reinigungsarbeiten zu geschustert. Also pass auf, da wird es nämlich bei den Männern noch weniger und bei Frauen wird es noch ein bisschen mehr.
Anne Raddatz (4:14)
Wenn ich manchmal so mitkriege, wie erwerbstätige Eltern sich so zerreißen zwischen Teams-Meeting und Elternabend und dann mit so einem Kotzefleck auf der Klamotte zu so einer Präsentation rennen oder im Anzug auf dem Spiel ist, mit dem Handy am Ohr, dann finde ich das tatsächlich manchmal okay, keine Kinder zu haben. Und ich finde es richtig traurig, dass ich das denke. Also was sagt das aus über das System, das wir haben oder unsere Gesellschaft und wie das funktioniert mit Pflege und Kehrarbeit und Kinderbetreuung und Arbeit, wenn eine kinderlose Frau sagt, gut, dass ich das nicht machen muss.
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