241 - Erfolgsfaktor Mensch: Wie CIOs Veränderungen vorantreiben, ohne auf Widerstand bei Mitarbeitern zu stoßen | Dr. Mathias Behrens
State of Process Automation
October 25, 2025
In dieser Episode spreche ich mit Dr. Matthias Behrens, Geschäftsführer, Managewerk. Wir sprechen über folgende Themen: Warum ist der Mensch der wichtigste Erfolgsfaktor in der digitalen Transformation?Wie kann die IT-Abteilung zum Treiber für Change im Unternehmen werden?
Speakers Christoph Pacher, Matthias Behrens
TopicsManagementBusiness
Christoph Pacher (0:07)
Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Episode von der State of Process Automation. Ich bin Christoph Pacher und es freut mich, dass du auch heute wieder mit dabei bist. Heute bei mir Dr. Matthias Behrens. Er war viele Jahre CIO und heute ist er bei mir. Und wir sprechen über das Thema Erfolgsfaktor Mensch. Hallo Matthias, schön, dass du da bist.
Matthias Behrens (0:32)
Danke, dass ich da sein darf, Christoph.
Christoph Pacher (0:34)
Matthias, es freut mich sehr, dass wir es geschafft haben. Und bevor wir gleich in dieses sehr spannende Thema, wie ich finde, eintauchen, erzähl gerne mal. Ich habe dich ganz kurz vorgestellt, aber Matthias, stell dich gerne mal selbst vor.
Matthias Behrens (0:48)
Ja, wie du schon gesagt hast, bin ich heute selbstständiger Interim Manager. Und dies vor allem im Bereich IT. Also meine Welt ist die Digitaltechnologie und die dafür mit verbundenen Fragen der Organisation, der Strategie und des Managements überhaupt. Aus diesen Rollen heraus, also aus diesem Selbstverständnis heraus, bin ich halt in einer ganzen Reihe Unternehmen CIO gewesen oder auch Geschäftsführer, aber immer mit dem Digitalbezug.
Christoph Pacher (1:18)
Superspannend. Und ich habe ja die Folge eingeleitet mit Erfolgsfaktor Mensch. Und jetzt warst du viele Jahre CIO. Und ich würde gerne mal mit dir gemeinsam zurückblicken. Gab es da so eine Situation oder so ein Schlüsselerlebnis, warum du als CIO dann eigentlich genau zu diesem Punkt gekommen bist, wo du gesagt hast, okay, Erfolgsfaktor Mensch ist genau das Thema, was uns voranbringt, oder der Mensch ist wirklich das, auf das wir uns konzentrieren müssen?
Matthias Behrens (1:50)
Ja, es gab tatsächlich einen solchen Schlüsselfaktor oder Schlüsselerlebnis. Wie ich schon sagte, CIOs beschäftigen sich auch sehr viel mit organisatorischen und strategischen Fragen. Diese strategischen Fragen, die haben natürlich in jedem Job, den ich gemacht habe, dazu geführt, dass ich immer tiefer in die Frage mit eingedrungen bin, was motiviert eigentlich Menschen, Leistung zu bringen in dem Unternehmen. Und dabei habe ich ein Erlebnis gehabt bei einem Projekt, da habe ich festgestellt, dass dort eine ausgeprägte Jammerkultur im Unternehmen herrschte. Viele Mitarbeiter haben sich über den Job beschwert, über die Umgebung beschwert, über ihre Chefs und die Führungsstruktur beschwert, aber keine Anstaltenunternehmen voranzukommen und an dieser Situation etwas zu ändern. Und das war für mich der Start in die Diskussion rund um Erfolgsfaktor Mensch.
Christoph Pacher (2:43)
Und wie ging es dann konkret in dieser Situation weiter?
Matthias Behrens (2:46)
Ich habe mir erst mal überlegt, was ist das eigentlich, was wir von diesen Menschen erwarten, warum ich so irritiert war? Und da bin ich darauf gestoßen, dass es zum einen organisationale Anforderungen sind, also Dinge, die wir in der Organisation regeln können. Die führen dann dazu, dass wir zum Beispiel Wettbewerbsfähigkeit erzeugen, Effizienz, Effektivität in der Organisation haben, Sicherheit und Widerstandsfähigkeit in der Organisation haben. Und wir haben Fähigkeiten, die die Mitarbeiter besitzen müssen oder die Personen, die handeln im Unternehmen, besitzen müssen, damit diese eben gesagten organisationalen Anforderungen überhaupt herauskommen. Also diese Fähigkeiten sind zum Beispiel Innovationskraft, Kreativität, Offenheit und Neugier, Verendungsfähigkeit und solche Dinge. Und das habe ich nur gegeneinander gestellt und hat mir gefragt, gibt es eigentlich eine Art Systematik, wo diese Negativerlebnis, was ich gemacht habe, sich gegen diese Anforderungen und Fähigkeiten, die wir erwarten von den Mitarbeitern, von den Menschen im Ökosystem eines Unternehmens, die da irgendwie matchen, die zu einem Modell führen an der Stelle. Und ein solches Modell habe ich tatsächlich mit zwei Kollegen am Anfang diskutiert und auch schon mal mit einem Workshop ausprobiert im Voice-Bereich. Voice ist der Bundesverband der IT-Anwender und daraus ist eigentlich, das waren die Grundlagen für Erfolgsfaktor Mensch.
Christoph Pacher (4:14)
Superspannend. Wir sprechen gleich darüber, aber ich würde noch mal gerne einen kleinen Schritt zurückgehen. Warum, speziell jetzt in der heutigen Zeit, siehst du das Thema Mensch als Erfolgsfaktor so zentral oder im Mittelpunkt?
Matthias Behrens (4:31)
Es gibt einige Tendenzen, die ich zumindest beobachtet habe, in dem Bereich der IT-Entwicklung und gerade der Entwicklung von IT-Bereichen in Unternehmen. Und zwar ist das, viele Menschen denken, CIO und IT-Leiter ist so etwa das Gleiche. Ja, das sind Bereiche, die sich mit technischen Maschinen beschäftigen und Administrationen machen und solche Dinge. Aber das ist der CIO-Bereich de facto nicht, sondern der CIO-Bereich stellt sich die Frage, wie nutze ich eigentlich IT-Systeme, digitale Systeme bestmöglich, um daraus Wertschöpfung in den Unternehmen zu generieren. So, und das führte mit dem Übergang in Cloud-Systeme. Ich kann immer mehr Systeme aus der Cloud heraufkaufen, ich brauch die gar nicht mehr zu administrieren. Das führte mit dem Lauf der Zeit dazu, dass die Aufgaben in der IT sich verschoben haben.
Die Aufgaben sind viel weniger als früher, administrative Tätigkeiten, Server, Support-Fragen beantworten, und stattdessen viel mehr strategische Fragen. Wo speichere ich meine Daten? Also, wie komme ich an die Datenstruktur dran? Und welche Qualität haben die Daten? Wie mache ich eigentlich Change im Unternehmen? Das sind die Fragen, die wichtiger sind. Und du merkst schon, die Fragen, die ich jetzt gerade, die Stichworte, die ich gerade aufgeworfen habe, führen zwangsläufig zum Thema Mensch. Es geht nicht mehr so sehr wie früher um die Technologie. Es geht mehr um die Frage des Menschen und seine Motivation. Denn ohne, dass die Menschen da zusammenspielen, funktioniert das nicht. Es gibt noch einen weiteren Trend, der hier eine Rolle spielt. Und zwar den Trend Richtung interorganisationaler Zusammenarbeit. Ich hatte diesen Begriff vorhin schon einmal kurz benutzt. Du kannst dich ja vielleicht erinnern. Es geht einfach darum, dass heute kein Mensch mehr alleine für Erfolg im Unternehmen sorgt, sondern er tut dies im Zusammenspiel mit Kollegen. Und wenn wir genauer hingucken, dann tut er dies tun, dass Unternehmen mittlerweile auch untereinander, das heißt, sie arbeiten eigentlich auf der partnerschaftlichen Ebene mit anderen Unternehmen zusammen. Diese ganzen Unternehmenszusammenarbeitsmodelle sind Menschen, die irgendwie miteinander zusammenarbeiten müssen. Das heißt, ich brauche ein Modell, dass deren Zusammenarbeit untereinander gut funktioniert, auch über organisationale Grenzen hinweg. Also mit verschiedenen Chefs, mit unterschiedlichen Werten und Normen, die in den jeweiligen Unternehmen gelten. Und das muss trotzdem funktionieren.
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