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Wie Putin den Krieg eskalieren kann. Mit Alexander Stubb

RONZHEIMER.

August 31, 2026

Alexander Stubb hat deutsche Warnungen vor einem russischen Angriff auf die NATO bis 2029 zurückgewiesen. Auch einen Einsatz von Nuklearwaffen hält Stubb für unwahrscheinlich.
Speakers: Alexander Stubb, Paul Ronzheimer

Topics: Politics, News, Daily News

**Alexander Stubb** (0:01)
Erinnern Sie sich, Putins Ziel war es, die Ukraine zu Russifizieren.

**Paul Ronzheimer** (0:05)
Die ist europäisch geworden.

**Alexander Stubb** (0:07)
Russlands Ziel war es, eine Erweiterung der NATO zu verhindern. Finnland und Schweden sind beigetrieben. Russlands Ziel war es, die europäischen Verteidigungsausgaben niedrig zu halten.
Wir gehen auf 5% hoch. Schon das bloße Überleben der Ukraine, das sehr wahrscheinlich ist, wird bedeuten, dass die Ukraine diesen Krieg gewonnen hat.

**Paul Ronzheimer** (0:27)
In den vergangenen Tagen wurde sehr viel darüber spekuliert, was der CIA-Chef in Moskau gemacht haben könnte. Wir haben Donald Trump, den US-Präsidenten erlebt, der versucht hat, das Ganze etwas runterzuspielen. Gleichzeitig gab es Berichte darüber, dass möglicherweise eine Warnung ausgesprochen wurde, dass Russland nicht NATO-Staaten angreifen solle. Darüber wurde spekuliert im Wall Street Journal, in der New York Times, auch bei Politico.
Und ich bin nach Helsinki, nach Finnland, gereist. Denn dort gibt es einen Präsidenten, der sehr mächtig ist. Es ist zwar ein kleines Land, aber Alexander Stubb ist wahnsinnig geschätzt international. Er spielt Golf mit Donald Trump. Er wird immer wieder eingesetzt, gerade bei Verhandlungen. Und ich habe mit ihm ein langes Gespräch darüber geführt, wie er auf die Lage blickt, wie groß er die Gefahr sieht, dass Russland ein NATO-Staat angreifen könnte. Natürlich haben wir über den Ukraine-Krieg und die Chancen oder Nicht-Chancen für Verhandlungen gesprochen. Und wir haben darüber diskutiert, wie die wirtschaftliche Lage gerade wirklich in Russland ist, was es für das Regime bedeutet. Besonders spannend fand ich, dass er sehr viel widersprochen hat, was in Deutschland und auch in Europa Common Sense ist. Und deswegen dachte ich, gebe ich euch dieses Interview, was wir auf Englisch geführt haben. Wenn man es auf Englisch schauen, hören will, kann man das auf YouTube. Hier haben wir es in unserem deutschen Podcast übersetzt. Aber ich dachte mal, vielleicht interessiert euch das, es komplett zu hören. Es ist nämlich auch, das kann ich sagen, ganz anders als alle Interviews, die ich mit deutschen Politikern geführt habe. Ich hatte nie das Gefühl, dass da irgendwelche Floskeln kamen. Ich bin gespannt, wie es euch gefällt. Hier das Interview mit dem finnischen Präsidenten, Alexander Stubb.
Herr Präsident, vielen Dank, dass Sie uns hier im Präsidentenpalast empfangen. Wir sind nur zwei Stunden von der Grenze zu Russland entfernt. Wie ist die Stimmung in Helsinki, in Finnland, in diesen Tagen mit einer so langen Grenze zu Russland?

**Alexander Stubb** (2:52)
Wie immer, cool, ruhig und gelassen. Diese Grenze haben wir seit Jahrhunderten. Wir waren 700 Jahre lang Teil Schwedens, fast 110 Jahre lang Teil Russlands. Und jetzt sind wir seit mehr als 110 Jahren unabhängig. Über die Jahre sind wir mit Russland und mit der Sowjetunion ausgekommen. Aber gleichzeitig hatten wir im Laufe der Jahrhunderte 30 Kriege und Schermützel mit ihnen.
Aber ich glaube, die Finnen sind sehr ruhig. Wissen sie, wir sind auf alles vorbereitet und wir weichen nicht zurück.

**Paul Ronzheimer** (3:25)
Was passiert an der Grenze? Sehen sie noch viele Flüchtlinge, die aus Russland kommen?

**Alexander Stubb** (3:31)
Nein, die kurze Antwort lautet wohl im Moment nicht viel. Aber es gibt zwei Dinge, die wir immer beobachten. Das eine ist der Ausbau der militärischen Infrastrukturen der Grenze. Denn als der Krieg in der Ukraine begann, wurden natürlich die meisten Brigaden aus dem Militärbezirk Leningrad in die Ukraine verlegt. Tatsächlich vier von ihnen. Was Soldaten angeht, ist es dort also ziemlich leer. Aber die Infrastruktur wird ausgebaut und das sagt uns natürlich, wenn der Krieg vorbei ist, wird es an unserer Grenze eine militärische Aufrüstung geben. Das zweite Thema, das wir stoppen konnten, waren illegale Migranten. In den baltischen Staaten kommen nach wie vor viele über die Grenze. Aber in Finnland ist es seit etwa eineinhalb Jahren ziemlich ruhig. Seit wir ein Gesetz verabschiedet haben, das uns vermutlich etwas mehr Befugnisse gegeben hat, das abzuwehren. Auch diese Lage ist also ziemlich ruhig.

**Paul Ronzheimer** (4:23)
Wie sichern Sie die Grenze und worin besteht dort die Bedrohung?

**Alexander Stubb** (4:28)
Nun, wir haben natürlich eines der stärksten und eines der größten Militärs Europas. Und es gibt verschiedene Wege, die Grenze zu sichern. Bei unseren militärischen Planungen spielen wir durch, was im Ernstfall passieren würde. Wir haben einen sehr starken Grenzschutz mit 4 Kräften. Wir haben eine bestimmte Zahl von Kontrollpunkten. Einige davon sind eingezäunt, andere nicht. Wir haben gute Grenzpatrouillen. Wir setzen auch viel moderne Technologie ein. Und dann gibt es natürlich noch ein zusätzliches Element, über das nicht so viel gesprochen wird, Landminen.
Wir wissen also, wo die engen Stellen liegen. Aber moderne Kriegsführung ist ganz anders. Sie ist nicht mehr so wie im Winterkrieg oder im Fortsetzungskrieg. Deshalb müssen wir uns stark auf Drohnen konzentrieren, auf Raketenabwehr und so weiter. Das entwickelt sich ständig weiter.
Aber unsere Grenze ist sehr sicher. Viel sicherer kann eine Grenze in Europa kaum sein.

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