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Wenn die AfD die Mehrheit hat. Mit Jan „Monchi“ Gorkow (1/2)

RONZHEIMER.

August 15, 2026

Paul Ronzheimer spricht mit Jan Gorkow alias Monchi, Sänger der Punkband Feine Sahne Fischfilet, über sein Leben in der ostdeutschen Provinz.
Speakers: Jan Gorkow, Paul Ronzheimer

Topics: Politics, News, Daily News

**Jan Gorkow** (0:00)
Das ist der Wahnsinn für mich, punktuell, weil ich hab wirklich, wenn du dann, das siehst, dann sind die Wahlen, mach das bitte gut, hoffentlich verkackt dir das nicht, dann ficken die sich alle wieder gegenseitig an. Die CDU, die Linke, die Linke, die CDU, die CDU, die Grünen, ohne Ende und blablabla. Und ich glaub bei uns da, die lachen sich alle kaputt, die AfD.
Und das heißt nicht, dass Parteien sich nicht streiten sollen, aber so konstruktiv streiten, das wär's. Die legen der AfD die ganze Zeit durchgehend 11 Meter hin, ohne Torwart. Und das fuckt ab.

**Paul Ronzheimer** (0:35)
Jan Gorkow, auch bekannt als Monchi, ist der Sänger der Punkband Feine Sahne Fischfilet. Eine sehr linke Band, so kann man sagen. Und genau das macht es noch überraschender, dass Jan Gorkow ein Buch geschrieben hat, das keine Abrechnung mit Ostdeutschland ist, sondern fast schon als versöhnt, verständnisvoll und nachdenklich beschrieben wird. Obwohl es natürlich auch darum geht, warum viele seiner Mitbürger die AfD wählen. In Jenseits der Brandnauer über mein Leben in der ostdeutschen Provinz schreibt Jan Gorkow über sein Leben in der Stadt Jamen in Mecklenburg-Vorpommern über die AfD, den Osten und die Politik als Ganzes. Und ich freue mich sehr, dass er heute bei mir ist. Hallo Jan.

**Jan Gorkow** (1:19)
Ja, moin.

**Paul Ronzheimer** (1:20)
Hallo. Moin, das hört sich toll an. Du bist Mecklenburg-Vorpommern. Ich bin aus Friesland, aber wir sagen beide moin, ne? Moin. Weil manches sagen ja auch moin, moin.

**Jan Gorkow** (1:28)
Das gesabbelt.

**Paul Ronzheimer** (1:29)
Das gesabbelt.

**Jan Gorkow** (1:30)
Hab ich gehört.

**Paul Ronzheimer** (1:32)
Jan, ich hab's gesagt. Feine Sahne Fischfilet.
Für wie links würdest du dich selbst sehen, bezeichnen? Von außen wird da mal links gesagt. Manche sagen sogar links radikal. Was, wo siehst du dich?

**Jan Gorkow** (1:48)
Ich glaube, es ist immer eine Frage der Perspektive, ne? Und was das, ich würde sagen, heutzutage überhaupt noch so links heißt. Ja, also was bedeutet das? Und ich sag mal, wenn ich auch dieses Buch schreibe, dann, also ne, wenn ich jetzt früher Feine Sahne, dann haben wir uns ganz klar zu links definiert. Heute weiß ich manchmal nicht, was das heißt. So, das ist, glaube ich, der Punkt, in dem man sich da bewegt.

**Paul Ronzheimer** (2:09)
Wieso weißt du das nicht mehr? Was hat sich da verändert?

**Jan Gorkow** (2:13)
Keine Ahnung, naja, ich sag mal so, wenn ich jetzt dieses Buch geschrieben habe, glaube ich, bewege ich mich da, dass ich für viele Linke bestimmt zu un-links bin. Ja, aber da, wo ich lebe, da ist das zu links.
Oder sagen wir mal so, wenn ich jetzt in Kreuzberg stehe, da fühle ich mich eher konservativ. Und wenn ich aufs Dorf fahre und bei uns auf dem Dorf, jetzt gerade vor drei, vier Wochen, beim Skatepark ein paar Hakenkreuze wegmache, die da gesprüht wurden, dann fühle ich mich irgendwie ganz schön links. Ich glaube, in diesem Spannungsfeld, in diesem Wahnsinn bewegen wir uns schon immer, ich glaube, auch mit Feine Sahne. Ey, wir haben auch genug auf der Kacke gauen, darum geht es nicht. Und ich sage nicht, geh jetzt nicht mit herunterlassenen Gekopf und sage, oh Gott, war immer alles ganz schlimm, aber ich habe auch keinen Bock, stehen zu bleiben. Und jetzt irgendwie Parolen zu grölen, wie vor zehn Jahren, wenn ich an die nicht glaube.

**Paul Ronzheimer** (3:04)
An welche glaubst du nicht?

**Jan Gorkow** (3:06)
Na, ich habe ja zum Beispiel einen Kapitel gemacht, wo es darum geht, wenn ich sage, okay, dass es mir auf den Sack geht, dass diese Gesellschaft immer weiter polarisiert oder dass so diese schwarz-weiß-Denken, dass ich wohl als erstes irgendwie auch mit einem Zeigefinger auf mich selbst oder auch auf die Band irgendwie gehen muss. Alles andere wäre irgendwie auch komisch. Und da zähle ich verschiedene Sachen auf. Und natürlich bin ich geprägt, wie ich geprägt bin im Sinne von, also früher hätte ich auf jeden Fall, wenn ich an so Punk-Rock-Songs von uns denke, wie Deutschland ist Scheiße oder so, dann haben wir einfach massiv auf den Kacke gauen.
Und damals waren, sag ich mal, selbst die Jungen und Jungen waren irgendwie gegen Nazis oder so. Da musstest du nochmal einen draufsetzen und so. Und wenn ich das jetzt heute höre, dann würde ich denken, da zieht sich irgendwie mit der Bauch zusammen und irgendwie so Scham.

**Paul Ronzheimer** (3:50)
Also, dass du zum Beispiel die Jungen Union oder die CDU in die Nazi-Ecke gestellt hast?

**Jan Gorkow** (3:55)
Nein, nein, nein. Früher, vor 10, 15 Jahren, würde ich sagen, selbst die Jungen Union hat so Aufrufe gegen Nazi-Demos mit unterschrieben. Und wenn du halt sozusagen deine Punk-Rock-Spielen spielst, musst du ja noch mehr auf den Kacke hauen. So meine ich das. Verstehst du? Also, da musst du ja nochmal einen draufsetzen. Weil gegen Nazis sind ja irgendwie auf einmal alle. Ach, so meinst du. Verstehst du?

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