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**Johannes Volkmann** (0:01)
Aus chinesischer Sicht funktioniert ja auch das Modell. Solange ihre Exporte schneller wachsen als unsere Gegenmaßnahmen, haben sie überhaupt keinen Grund, daran zu zweifeln, dass es ein erfolgsversprechender Kurs für sie ist. Das heißt, Appelle alleine werden nicht ausreichen als Anreize für die chinesische Seite, ihren jetzigen Kurs in irgendeiner Art und Weise zu verlassen.
Und zur zweiten Frage, was passiert, wenn wir keine Kurskorrekturen einleiten? Dann schätzt zum Beispiel die französische Regierung, dass es in Frankreich 50% und in Deutschland 70% der Industriearbeitsplätze kosten kann. Also dass wir über eine Deindustrialisierung des europäischen Kontinents in vielen Bereichen von der Chemie über den Maschinenbau bis in die Automobilindustrie sprechen.
**Paul Ronzheimer** (0:43)
70%?
**Johannes Volkmann** (0:44)
Das ist eine Stublit der französischen Regierung aus dem Februar diesen Jahres von der Hongkong-Mission für Strategie.
**Paul Ronzheimer** (0:49)
Und über wie viele Jahre sprechen wir da?
**Johannes Volkmann** (0:51)
Über die nächsten 5 bis 10 Jahre.
**Paul Ronzheimer** (0:56)
Vor einigen Wochen habe ich mit dem Wissenschaftler Sander Taudoir hier darüber gesprochen, wie groß die Gefahr für unsere Wirtschaft ist, die von China ausgeht. Von China-Schock 2 ist die Rede. Und die Warnung von ihm und anderen lautete, wenn wir uns nicht wehren, dann geht es um die Existenz unserer Betriebe und unseres Wohlstands hier in Deutschland. Und wir haben versprochen im Podcast, dass wir dieses Thema weiter begleiten.
Und was ich mich frage, hat unsere Politik dieses Thema ausreichend auf dem Schirm und ist unsere Regierung wirklich in der Lage, etwas dagegen zu tun? Immerhin tut sich die schwarz-rote Koalition bereits schwer damit, eine richtige Reform zu verabschieden. Wie soll es dann erst sein, wenn es darum geht, eines der größten und mächtigsten Länder der Welt wie China in die Schranken zu weisen?
Genau über all das will ich jetzt sprechen mit einem Politiker. Ja, genau, ein Politiker, immer mal wieder machen wir Ausnahmen. Aber er wurde hier sehr gelobt, denn es geht um seine China-Expertise. Er ist China-Experte, Johannes Volkmann, Bundestagsabgeordneter der CDU. Und er will einen sehr viel härteren China-Kurs durchsetzen. Ich freue mich, dass Sie wieder da sind. Ich grüße Herr Volkmann.
**Johannes Volkmann** (2:15)
Vielen Dank für die Einladung.
**Paul Ronzheimer** (2:18)
Herr Volkmann, ich habe es ja gerade gesagt, wir haben hier eine Folge zu China-Schock 2 gemacht. Wir reden immer mal wieder hier über China. Aber wenn ich mir das in den Medien insgesamt in Deutschland so anschaue, habe ich nicht das Gefühl, zumindest ich habe nicht das Gefühl, dass das wirklich ein großes Thema ist. Denn sonst reden wir über Putin, Trump. China sehr viel seltener. Was ist Ihr Eindruck?
**Johannes Volkmann** (2:42)
Ich teile den Eindruck. Ich glaube noch nicht, dass die Dramatik der Entwicklung, die wir in unseren Handelsbeziehungen zu China erleben, in der deutschen Öffentlichkeit angekommen ist. Wir verlieren im Moment 10 bis 15 Industriearbeitsplätze im Monat. Und ein ganz erheblicher Teil ist aus Überkapazitäten und unfairen Wettbewerb aus China zurückzuführen. Unsere Exporte nach China brechen dramatisch ein. Wir haben ein Fünftel weniger Exporte im ersten Quartal diesen Jahres als im Jahr 2022
Gleichzeitig nehmen die chinesischen Exporte nach Europa massiv zu. Mittlerweile ist jeder dritte Euro der chinesischen Handelsüberschuss aus den Handelsbeziehungen zu Europa.
Und Europa hat sich lange sehr schwer getan, dieses Problem zu erkennen. Und umso dringender ist es, dass wir jetzt in politische Handlungen eingreifen. Weil wir das nicht tun, dann verlieren wir in der Tat die industrielle Substanz unseres Landes.
**Paul Ronzheimer** (3:36)
Wie erklären Sie sich das, dass das immer noch nicht erkannt wurde, obwohl es ja, wir haben ja auch im Podcast drüber gesprochen, immer wieder wirklich dramatische Warnungen gibt, die man eben in einen direkten Bezug setzen kann zur China-Politik?
**Johannes Volkmann** (3:51)
Nun, wir haben seit geraume Zeit eine China-Strategie, noch aus der vorherigen Bundesregierung, auch im Koalitionsvertrag, bekräftigt, die sich das Ziel derisking setzt. Also Risiken, den bilateralen Beziehung zu China abzubauen. Leider sehen wir in der Praxis, dass wir immer weiter Risiken aufgebaut haben. Das gilt für wirtschaftliche Abhängigkeiten, sowohl mit seltenen Erden zum Beispiel, kritischen Rohstoffen, wo wir erpressbar sind, aber eben auch im Bereich der handelspolitischen Ungleichgelichte.
Und ein Grund dafür ist, dass es eben lange Zeit einzelne deutsche Großunternehmen gab, die von diesem Status quo sehr profitiert haben und die sich dagegen gewehrt haben, dass man auf europäischer Ebene, dass man auf nationaler Ebene einen Kurswechsel in der China-Politik vollzieht, den es dann auch eben mit enorm politischem Einsatz braucht, um diese Entwicklung zu verändern. Und ich bin der Überzeugung, dass es keine Lösung sein kann, den Mittelstand an chinesische Überkapazitäten zu verfüttern, in der Hoffnung, dass einzelne Großunternehmen als letztes gefressen werden.
**Paul Ronzheimer** (4:55)
Was meinen Sie damit, den Mittelstand zu verfüttern?
**Johannes Volkmann** (4:59)
Naja, im Endeffekt ist ja genau das, dass das Ergebnis von Unterlassen in handelspolitischen Fragen gegenüber China ist. Wenn wir weiterhin zulassen, dass wir das Hauptzielland für chinesische Überkapazitäten sind, dann führt das in der Breite dazu, dass wir die Industriearbeitsplatzverluste, die Marktanteilsverluste, die wir im Maschinenbau, in der Chemie, in Teilen der Automobilzulieferindustrie, in der Fläche heute schon erleben, dass die sich ausweiten. Und ich möchte da an einem Punkt nicht missverstanden werden, weil das mir ganz wichtig ist. Ich habe kein Problem mit Wettbewerb. Ich bin ein großer Anhänger einer sozialen Marktwirtschaft und offener Weltmärkte. Deutschland profitiert als Exportnation auch von offenen Märkten.
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