Topics: Politics, News, Daily News
**Angelika Hellemann** (0:00)
Aber wenn die SPD da auf 7 Prozent kommt oder auf 6 Prozent, dann ist es ein furchtbar schlechtes Ergebnis. Nur sie hatte bei der letzten Wahl 8 Prozent. Also wir müssen ja nicht so tun, als ob die SPD in Sachsen-Anhalt eine Volkspartei war. Sie war eine Kleinstpartei. Ja, also sie war auf dem Niveau, wo die FDP früher war, dass irgendwie minus 2 Prozent, was von 8 immer noch viel ist, prozentual gesehen. Aber dass das die komplette Erschütterung ausmacht, ich weiß es nicht.
**Paul Ronzheimer** (0:37)
Wir haben hier in den vergangenen Wochen immer über die Krise von Bundeskanzler Friedrich Merz gesprochen. Darüber, ob er möglicherweise ausgetauscht werden könnte nach den Wahlen im Osten und was das Ganze für die CDU bedeutet. Etwas untergegangen ist, dass die Situation der SPD mindestens genauso verheerend ist. Also schlechte Umfragewerte, massiv schlechte Umfragewerte, 11, 12 Prozent im Bund und die Sorge, dass man möglicherweise in Sachsen-Anhalt gar nicht in den Landtag kommen könnte.
Das bedeutet, es gibt auch massive Kritik an den beiden Vorsitzenden, an Bärbel Bas und Lars Klingbeil. Was die nächsten Wochen für die beiden bedeuten könnte und wie es mit der SPD überhaupt weitergehen soll. Darüber spreche ich mit einer Kollegin, die sich bestens auskennt in der SPD, berichtet seit ja 20 Jahren über die Partei und alles, was dort passiert ist. Ich freue mich, dass meine liebe Kollegin Angelika Hellemann wieder bei mir ist. Ich grüße dich, Angelika.
**Angelika Hellemann** (1:41)
Hallo, Paul.
**Paul Ronzheimer** (1:43)
Angelika, bevor wir auf das Aktuelle kommen, also das, was die SPD gerade beschäftigt. Wenn wir noch einmal zurückgehen in die Phase des Bundestagswahlkampfs und dann in die Phase der Regierungsbildung. Die SPD hatte ja bei der Bundestagswahl schon ein massiv schlechtes Ergebnis unter dem Kandidaten Olaf Scholz.
Und da waren ja Lars Klingbeil und Bärbel Bas auch schon beide in verantwortlicher Position. Wie ist es eigentlich passiert, dass die beiden damals Parteivorsitzende geworden sind überhaupt?
**Angelika Hellemann** (2:23)
Also Lars Klingbeil war schon Parteivorsitzender. Der ist es ja schon zu Ampelzeiten geworden.
Und war im Grunde genommen damit ja auch zuständig mit für den desaströsen Bundestagswahlkampf. Weil es Olaf Scholz als Kanzler nochmal unbedingt antreten wollte und dann diese desaströsen 16 Prozent geholt hat. Über die die Partei gerade sehr froh wäre, weil sie nämlich in Umfragen sehr viel schlechter gerade da liegt. Das heißt, sie haben nochmal kräftig verloren. Ein Viertel, das ist schon wirklich viel. Also gerade tut jeder Prozentpunkt unendlich weh. Und Lars Klingbeil hat dann nach der Wahlniederlage im Grunde genommen ab dem Wahlabend, ab 18 Uhr, als die ersten Prognosen aufliefen, die ganze Macht an sich gezogen. Und erst dann nochmal hat er sich zum Fraktionsvorsitzenden auch wählen lassen und dann hat er gesagt, ich ordne jetzt die Partei, ich stelle die auf, so wie ich sie will, mit frischen neuen Leuten. Und er war sozusagen das Mastermind hinter der neuen Aufstellung. Mit Boris Pistorius, dem immer noch beliebtesten Politiker, musste er sich damals verbünden. Der hatte eine Jobgarantie. Alle anderen Minister wurden gnadenlos wegraskelt. Auch Saskia Esken wurden in einer sehr, sehr dramatischen Aktion als Co-Parteivorsitzende abgesägt. Die wollte nämlich gar nicht wirklich gehen oder wollte zumindest Ministerin bleiben, was Lars Klingbeil für eine wirklich schlechte Idee hielt. Aber klar war, er brauchte eine Frau an seiner Seite. Und dann wurde halt geguckt und dann wurde Bärbel Bas sehr lange überredet. Bärbel Bas war bis dahin Parlamentspräsidentin, also ein sehr hochrangiges Amt im Staat, aber eher repräsentativ.
Und dann war klar, sie wird Arbeits- und Sozialministerin. Und dann haben ihr Leute auch dazu geraten, mach das in Personalunion mit dem Parteivorsitz, weil dann sitzt du als Parteivorsitzende mit in den Koalitionsausschüssen. In den Koalitionsausschüssen wird es sehr viel um deine Themen gehen, also Rente, Soziales, Bürgergeldreform, Pi-Pa-Po. Und dann können die anderen, die da sitzen, nicht einfach über deinen Kopf hinweg entscheiden. So ist dieses Du zusammen geschweißt worden.
Und jetzt seit anderthalb Jahren im Amt, Bärbel Bas ist dann mit einem hervorragenden Ergebnis gewählt worden. Und Klingbeil ist auf dem Parteitag ziemlich abgestraft worden und hatte irgendwie 65 Prozent. Also das war ziemlich böse für ihn.
**Paul Ronzheimer** (5:03)
Diese Ausgangslage, was ich auch damit meinte, eben Klingbeil schon als Parteivorsitzender und dann will er die ganze Macht. Bärbel Bas, die ja offenbar auch da aus NRW ein bisschen getrieben wurde.
War das von Anfang an ihre Taktik? Also wussten sie oder wusste vor allem Lars Klingbeil, dass er diesen Vorsitz braucht und dass er zusätzlich neben Vizekanzler und Finanzminister dieses Amt unbedingt will? Und warum hat man das angestrebt? Denn in den vergangenen Regierungsjahren war es ja eben so, dass das getrennt war.
**Angelika Hellemann** (5:43)
Ja, das war getrennt, aber das war ja auch keine Konstellation, die sich jemand auf dem Reisbrett überlegt hat, als die ideale Konstellation. Das war eher zufällig.
29 more minutes of transcript below
Thousands of transcripts fetched by people building searchable podcast archives
Try it now — copy, paste, done:
curl -H "x-api-key: pt_demo" \
https://spoken.md/transcripts/1000651996090
Works with Claude, ChatGPT, Cursor, and any agent that makes HTTP calls.
From $0.10 per transcript. No subscription. Credits never expire. Prices exclude VAT, added at checkout for EU customers. Not what you expected? Email us within 14 days with 20 or fewer credits used and we refund the pack in full.
Using your own key:
curl -H "x-api-key: YOUR_KEY" \
https://spoken.md/transcripts/YOUR_EPISODE_ID