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Presseklub: Wie die Wahl in Sachsen-Anhalt die deutsche Politik verändert

Apokalypse & Filterkaffee

August 29, 2026

In Sachsen-Anhalt wird gewählt. In Umfragen liegt die rechtsextreme AfD dort bei 42%, nicht weit entfernt von der absoluten Mehrheit. Damit könnte die Wahl am nächsten Sonntag eine der wegweisendsten Landtagswahlen der deutschen Geschichte werden. Wie konnte es soweit kommen?
Speakers: Markus Feldenkirchen, Ann-Katrin Müller, Valerie Schönian, Morten Freidel

Topics: Daily News, News, Politics

**Markus Feldenkirchen** (0:00)
Es ist Samstag, der 29

**SPEAKER_2** (0:02)
August.

**Markus Feldenkirchen** (0:24)
Es gibt schlecht informierte Kolleginnen und Kollegen, die sich über den angeblich viel zu langen Urlaub unseres Bundeskanzlers eschofieren. Das ist blanker Medienpopulismus. Erstens war der Kanzler gar nicht länger als seine Vorgänger im Urlaub. Zweitens war er trotzdem im Dienst. Es gibt genug an Friedrich Merz zu kritisieren. Aber wenn Journalisten ähnlich populistisch und faktenbefreit rumätzen wie die extremen politischen Kräfte, dürfen sie sich über deren Erfolg nicht wirklich wundern.
Ähnliche Helme erreichte diese Woche wieder mal Annalena Baerbock, weil sie künftig als Professorin an der New Yorker Columbia University arbeiten wird. Professorin, hihi, die Baerbock.
Wer darüber lacht, offenbart allenfalls sein Unwissen über das amerikanische Universitätssystem. Dort werden prominente Staatsmänner und Frauen gern als Dozenten genommen. Und ich kann aus Erfahrung sagen, es gibt echt langweiligere Univeranstaltungen. Außerdem, wann werden die ganzen grünen Hasser Annalena Baerbock endlich mal ihren Dank aussprechen, dafür, dass sie Robert Habeck als Bundeskanzler verhindert hat? Ich persönlich sehne den Tag herbei, wenn wir nicht mehr jeden Tag auf dieses Mini-Kompromissland im Mittleren Osten schauen müssen. Das Nordrhein-Westfalen des Ostens quasi, Sachsen-Anhalt. Dass eine Wahl in diesem Miniland politisch gerade alles dominiert und blockiert, ist eigentlich ziemlich bitter. Und das nur, weil knapp die Hälfte unserer Brüder und Schwestern in Sachsen-Anhalt von einer schwer rechtsextremen Partei schwer angetan sind. Vielen Dank dafür. Ohne diese weit verbreitete Vorliebe für Rechtsextremisten würden wir jetzt jedenfalls nicht über Sachsen-Anhalt reden. Aber diese Vorliebe ist nun mal da, deshalb reden auch wir darüber.
Die Wahl in Sachsen-Anhalt. Am Sonntag in einer Woche könnte eine der wegweisendsten Landtagswahlen der deutschen Geschichte werden. Wie konnte es soweit kommen? Was treibt die Menschen in Sachsen-Anhalt massenweise zu AfD-Kandidat Ulrich Siegmund? Was plant die Partei? Sollte sie wirklich an die Macht kommen? Und kann die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze ihr im Endspurt womöglich doch noch etwas entgegensetzen? Der Apofika-Presseklub mit diesen Gästen.
Ann-Katrin Müller, meine Spiegel-Kollegin, ist eine der profiliertesten Kennerinnen der AfD. Sie beobachtet ihren Aufstieg seit Jahren. Diese Woche war sie nicht nur selbst bei Wahlkampfterminen von Ulrich Siegmund in Sachsen-Anhalt, sondern hat sich auch mit einem Thema beschäftigt, dass Siegmund kurz vor der Wahl noch zum Problem werden könnte, seine Nähe zu wegen Volksverhetzung verurteilten Streamern. Morten Freidel, der stellvertretende Chefredaktor der NZZ Deutschland, ist ein gern gesehener Gast bei uns und meint, die Brandmauer zur AfD funktioniert nicht mehr. Durch sie habe sich die CDU in ein unauflösbares Dilemma manövriert und werde dadurch nun zerrieben. Und Valerie Schönian, die Autorin im Leipziger Büro der Zeit, ist in Magdeburg aufgewachsen. Jetzt vor der Landtagswahl hat sie bewusst ihre Verwandtschaft in Sachsen-Anhalt besucht, um besser zu verstehen, warum dort mittlerweile fast die Hälfte der Wahlberechtigten die AfD wählt.
Herzlich willkommen euch dreien. Schön, dass ihr da seid.

**Ann-Katrin Müller** (3:49)
Vielen Dank für die Einladung.

**Valerie Schönian** (3:51)
Danke.

**Morten Freidel** (3:51)
Danke.

**Markus Feldenkirchen** (3:53)
Valerie, was hast du denn bei deinen Verwandten in Sachsen-Anhalt über die Stimmung im Land jetzt gelernt und auch über die Motive, AfD zu wählen?

**Valerie Schönian** (4:02)
Die Stimmung ist zweigeteilt.
Bei den Menschen, die auf die AfD hoffen, ist sie sehr hoffnungsvoll und sehr euphorisch. Sie hoffen wirklich darauf, dass sich jetzt mal was ändert im Land. Und bei den anderen ist sie sehr ängstlich, sehr müde, aber auch kämpferisch und hoffnungsvoll. Also gerade die demokratischen Parteien und die Zivilgesellschaft, die rücken jetzt sehr zusammen und versuchen eben, es sind natürlich viel zu wenige, das würde niemand bestreiten, aber die versuchen zusammen zu rücken und eben da wirklich vor Ort auch noch was zu reisen, mit ganz viel Unterstützung auch von außerhalb des Bundeslandes. Und warum wird das gemacht? Da gibt es natürlich viele Gründe, die werden wir jetzt wahrscheinlich im Laufe der Sendung so ein bisschen besprechen, aber einer, der ganz eindrücklich war, war Verzweiflung. Also es gibt diese Wählerinnen mit geschlossenem rechtsextremem Weltbild, auf jeden Fall. Und dann gibt es aber das, was man immer noch so Protestwähler nennt, glaube ich, oder vielleicht Verzweiflungswähler, also die, die jetzt sagen, naja, also wir haben ja alles probiert und die kamen irgendwie noch nicht ran. Und ich glaube, ein ganz, ganz wichtiger Moment waren da die gebrochenen Wahlversprechen von Friedrich Merz. Also das höre ich wirklich immer wieder von Leuten, die jahrelang die CDU gewählt haben und dann gesagt haben, er hat uns ja was anderes versprochen. Und dann hat er noch mit dem alten Bundestag diese Schulden aufgenommen und da dieser Vertrauensbruch kam.

**Markus Feldenkirchen** (5:18)
Okay, das war die Schulden vor allem, die sie gestört hat, weil man muss ja sagen, es wurde in der Migrationspolitik durchaus eine andere Politik versprochen. Und der CSU-Innenminister Alexander Dobrindt hat dort ja tatsächlich was verändert, ob einem selber das jetzt schmeckt oder nicht.

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