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Die Job-Krise rast auf Deutschland zu. Mit Steffen Kampeter

RONZHEIMER.

August 9, 2026

Jeden Monat verschwinden nach seinen Angaben rund 15.000 Arbeitsplätze im gewerblichen Bereich – und die große Abbauwelle bei Konzernen wie Volkswagen und BMW stehe erst noch bevor.
Speakers: Steffen Kampeter, Paul Ronzheimer

Topics: Politics, News, Daily News

**Steffen Kampeter** (0:00)
Arbeitgeberpräsident Durga und ich haben uns ja länger darüber unterhalten, wir können mit dem Prinzip Brandmauer nichts anfangen. Wir haben ja die Menschen, die in unseren Betrieben arbeiten, sind politisch divers und es ist nicht an Aufgabe der Arbeitgeber, denen vorzuschreiben, was sie zu wählen haben, was sie auch zu unterlassen haben.

**Paul Ronzheimer** (0:22)
Deutschland sucht den Weg aus der Wirtschaftskrise. Die Bundesregierung hat versprochen, den Standort wieder wettbewerbsfähiger zu machen. Aber was bedeutet das wirklich? Angekündigt war weniger Bürokratie, niedrigere Energiekosten und große Arbeitsmarkt- und Sozialreformen. Natürlich, das geht nicht sofort, aber Bürger und Betriebe warten immer noch auf den großen Wurf. Stattdessen wird jetzt seit Wochen schon wieder über die Rentenreform gestritten. Obwohl, und das haben wir hier im Podcast mehrfach besprochen, die Regierung sich ja eigentlich einig war, diesen Vorschlag der Kommission umzusetzen, der nun schon wieder zerpflückt wird. Gleichzeitig wächst der Druck auf die Wirtschaft. Große Unternehmen wie Volkswagen und BMW kündigen weiteren Stellenabbau an. Viele Betriebe klagen über hohe Kosten, zu viel Regulierung und Fachkräftemängel. Also die Sorge ist groß. Deswegen will ich heute mit Steffen Kampeter sprechen. Er war lange CDU-Politiker, Bundestagsabgeordneter, Staatssekretär. Mittlerweile ist er Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, kurz BDA, und vertritt die Interessen von rund einer Million Unternehmen. Mit ihm wollen wir darüber sprechen, wie es um die deutsche Wirtschaft steht, warum die Arbeitgeber auf tiefgreifende Reformen drängen und was der Streit um die Rentenreform für die Wirtschaft bedeutet. Ich freue mich, dass Sie da sind. Hallo Herr Kampeter.

**Steffen Kampeter** (1:45)
Danke für die Einladung.

**Paul Ronzheimer** (1:46)
Herr Kampeter, wir treffen uns mitten im Hochsommer. Wie ist die Stimmung? Was hören Sie von den Unternehmen im August?

**Steffen Kampeter** (1:55)
Also das unterscheidet sich nicht so sehr von dem, was wir im Juli und im Juni gehört haben. Wir haben ein sehr durchwachsendes Bild in der deutschen Wirtschaft. Es gibt Unternehmen, denen geht es gut, wenn sie beispielsweise in den Rüstungsbereich gucken oder diejenigen, die ansonsten von der staatlichen Nachfrage lehnen. Aber in der Breite der deutschen Wirtschaft sieht es mau aus. Pro Monat werden im gewerblichen Bereich etwa 15 Arbeitsplätze abgebaut. Die Gewinnentwicklung ist eher mau und reicht nicht aus, um große Investitionsprojekte zu realisieren.

**Paul Ronzheimer** (2:30)
Gewerblich heißt?

**Steffen Kampeter** (2:31)
Sie können zusammenfassen, im Kern die Industrie baut ab.
Der einzige Bereich, der richtig aufbaut, ist alles, was aus Steuern und Sozialabgaben finanziert wird. So Pflege baut auf, aber vor allen Dingen baut die öffentliche Verwaltung und die öffentliche Bürokratie auf. Aber im Großen und Ganzen haben wir in den Wertschöpfungsintensiven, wo auch anständige Löhne und Gehälter gezahlt werden, da geht es abwärts. Das hat ein bisschen was zu tun mit den internationalen Entwicklungen. Aber im Kern hat diese Entwicklung nicht erst mit dem Griechisch in der Ukraine oder im Nahen Osten angefangen, sondern seit sieben Jahren bewegt sich die Wirtschaft seitwärts und das macht Sorgenverhalten.

**Paul Ronzheimer** (3:10)
Jetzt ist es so, auch als Journalist erinnere ich mich an die Industrie immer mal, so richtig gut ist es nicht und eigentlich könnte es besser sein.
Können Sie beschreiben, was jetzt anders ist? Was hören Sie da von den Chefs, von den Unternehmen? Wohin geht das?

**Steffen Kampeter** (3:27)
Sie haben gerade zwei Beispiele aus der großen Automobilindustrie genannt. Das, was wir derzeit an Beschäftigungsabbau angekündigt haben, ist ja noch gar nicht realisiert. Das, worüber ich rede, das sind die Zulieferer. Das sind die Handwerksbetriebe. Das sind die Händlerinnen und Händler, wo die Leute, die kein Einkommen mehr von der Firma haben, weniger einkaufen. Das ist eigentlich der Strukturwandel, findet still und heimlich, will ich nicht sagen. Aber stillschweigend der Stadt.
Die große Welle, die Sie gerade zitiert haben, die rollt noch erst auf uns zu.
Und von daher glaube ich, es ist so ernst wie schon lange nicht mehr. Wahrscheinlich sind die Strukturbrüche größer als bei der Wiedervereinigung. Und deswegen glaube ich, ist das ernsthafte Sorge um den Standort und nicht irgendwie so ein bisschen schi schi, wir wollen von der Politik mal eine Subvention haben oder sonst irgendwie so etwas. Das sind schon existenzielle Dinge. Wenn Sie sehen, dass in so harmonieorientierten Bereichen, jetzt nehme ich mal den Beispiel Automobilindustrie, über 40 Stunden Woche mit ohne Lohnausgleich diskutiert wird, dann sind das Kostenveränderungen in Höhe von 15 Prozent bei den Arbeitskosten. Also wer sowas macht, dem muss das Wasser, ich will nicht sagen bis zum Hase stehen, aber das sind schon existenziell herausfordernd. Das macht man nicht mal nur so.

**Paul Ronzheimer** (4:52)
Wenn Sie sagen, größere Strukturveränderungen als die Wiedervereinigung, das ist ja, wo man erst mal aufhorcht. Was macht das größer als damals? Ich meine, das waren zwei unterschiedliche Systeme, eine zusammenbrechende DDR. Also, wenn Sie das mit heute vergleichen.

**Steffen Kampeter** (5:10)
Hier werden nicht zwei Systeme zusammengeführt, sondern hier zerbröselt das Geschäftsmodell Deutschland. Wir haben nicht mehr die Exportmärkte offen, wie wir sie in den vergangenen Dekaden offen hatten. Und in der Wiedervereinigungsphase war Deutschland weiterhin ein Super-Exporteur, sondern es sind neue Wettbewerber aufgetreten.

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