Topics: Politics, News, Daily News
**Jörg Kachelmann** (0:00)
Medienhäuser zeigen uns immer irgendwie diese trockenen Flussbetten und behaupten dann, das sei die Hitzewelle, was völliger Schwachsinn ist.
**Paul Ronzheimer** (0:09)
Erklären Sie es uns.
**Jörg Kachelmann** (0:11)
Naja, sagen Sie es einfach Ihren Kolleginnen und Kollegen weiter. Sie gehen doch immer an diese Feiern und so, wo sie die alle treffen. Sagen Sie bitte von mir, ihr seid alle Deppen. Das ist vielleicht ein guter Einstieg. Einfach ein Gruß von mir, ihr seid alle Deppen.
**Paul Ronzheimer** (0:27)
Alle Journalisten beleidigen und sagen sind alles Deppen.
**Jörg Kachelmann** (0:30)
Nee, die malen fast alle.
**Paul Ronzheimer** (0:32)
Fast alle, okay.
Es vergeht kaum ein Tag ohne Berichte über Hitzewarnung und Waldbrände. Und wenn man im Zug, im Bus, im Auto oder im Biergarten sitzt, dann gibt es die Gespräche immer wieder. Ist das schon immer so gewesen oder ist das jetzt der Klimawandel? Oder was erleben wir da gerade? Und natürlich wird auch darüber gesprochen, was wir tun müssten oder tun könnten. Zum Beispiel mehr Klimaanlagen oder natürlich Klimaschutz oder auch beides. Fakt ist, das Klima verändert sich, die Klimadebatten allerdings auch. Und ich möchte heute mit jemandem sprechen, der sich mit all dem sehr gut auskennt und oft eine sehr klare Meinung hat, die auf verletzte Gefühle wenig Rücksicht nimmt. Bei mir zu Gast ist Jörg Kachelmann, der bekannteste Wetterexperte Deutschlands. Herzlich willkommen, Herr Kachelmann.
**Jörg Kachelmann** (1:22)
Vielen Dank, Herr Ronzheimer.
**Paul Ronzheimer** (1:24)
Herr Kachelmann, in diesen Tagen erleben wir wieder Temperaturen deutlich über 30 Grad. Regional sollen in Deutschland in den kommenden Tagen sogar Temperaturen bis zu 38 Grad erreicht werden. Wenn Sie diese Wetterlager als Meteorologe betrachten, wie außergewöhnlich ist das?
**Jörg Kachelmann** (1:43)
Das ist sehr außergewöhnlich und so außergewöhnlich, dass wir das in der Form bisher nicht hatten, seit Wetter aufgezeichnet wird, wenn wir sozusagen die Südwesthälfte Deutschlands angucken. Es ist ein großer Unterschied, auch diesen Sommer ist nie überall gleich. Also die Menschen auf Rügen und Usedom haben zwar einen zu sonnigen und auch einen bisschen zu warmen Sommer, erlebt aber nichts, wo sie jetzt niederknien davor und den Relika zitieren werden im Herbst, es ist Zeit der Sommer, war sehr groß und so weiter. Das ist mit jedem Kilometer Richtung Südwesten anders. Da gab es jetzt zum Beispiel im Südwesten in Baden-Württemberg vielerorts seit dem 1 August keinen Tag unterhalb von 30 Grad Höchsttemperatur. Und auch zusammen mit den anderen Werten, das war ja schon im Juni so heiß, ist das etwas, was es seit Beginn der Messungen noch nie gegeben hat.
**Paul Ronzheimer** (2:39)
Und wenn wir jetzt nicht nur auf Deutschland schauen, sondern auf ganz Europa, also insgesamt, wie außergewöhnlich ist dieser Sommer 2026? Es war ja auch so, dass in mehreren Ländern Temperaturen von mehr als 40 Grad gemeldet wurden.
**Jörg Kachelmann** (2:53)
Auch da ist es eine quer gestreifte Sache. Die Menschen in Norwegen, wenn man jetzt an die Westküste Norwegens gehen würde, dann würde ich sagen, das war ein nicht so toller Sommer, um es vorsichtig zu sagen. Ich habe mal am 6 Juni die Befürchtung geschrieben für Deutschland, dass es ein Scheißsommer werden wird, einfach diesbezüglich, dass es eben Hitze und Dürre geben wird, die noch bis in den August hinein anhält. Das hat sich leider bewahrheitet und die Menschen in Norwegen, die würden es wahrscheinlich von der anderen Seite her sehen. Die haben nicht so viel Sonne gesehen, die haben viel Regen gesehen. Das ist, glaube ich, auch für alle Leute, die Kohle übrig haben, ein bisschen die Hedging-Möglichkeit für die Zukunft von Kindern und Enkeln, dass die vielleicht sich mal angucken, ein Häuschen in Norwegen, so an der Westküste, dort, wo es immer genügend regnet, wenn die Wetterlage häufiger so ist, wie jetzt im Moment, das ist eine gute Idee. Und wenn man das Haus auf Sylt vertickt, was vielleicht sowieso ein bisschen gefährdet ist, wegen des steigenden Meeresspiegels und wegen auch der hohen Temperaturen und möglicher Trockenheit, dann bekommt man sicher im Westen von Norwegen etwas ganz Schönes.
**Paul Ronzheimer** (4:05)
Jetzt haben sie es gesagt, nicht jeder hat die Kohle, das Geld, nicht für Sylt und auch nicht für Norwegen. Was machen denn die, die das Geld eben nicht haben?
**Jörg Kachelmann** (4:14)
Ja, die müssen hoffen, dass Politikerinnen und Politiker sich irgendwann mal für das Thema interessieren. Sie haben es vorher schon angesprochen gehabt. Es gibt ja einerseits die Klimapolitik. Da ist der Vorteil, das ist eine nachhaltige Sache, wenn man mal sich kümmert, dass es eben den Treibhauseffekt in diesem Ausmaß, wenn man nicht mehr so gibt, wenn man nicht immer mehr CO2 und andere Treibhausgase in die Atmosphäre bläst. Das ist natürlich eine tolle Sache, die dann auch hält für den Rest des Lebens. Aber das geht nicht so schnell. Wir haben jetzt mit Treibhausgasen zu tun, die vor langer Zeit schon in die Atmosphäre gepustet worden sind. Und es gibt für mich überhaupt keinen Anhaltspunkt, in irgendeiner Form optimistisch zu sein. Also wenn man mich fragen würde, ob sich global irgendetwas ändert an dem Ganzen, würde ich immer sagen, nö, ändert sich nichts. Und ihr müsst gucken, wir müssen alle gucken, wie wir uns irgendwie über die Runden retten. Damit kommen wir eigentlich zur zweiten politischen Aufgabe, dass wir nicht einfach so lakonisch jeden Sommer sagen, ja, das ist jetzt blöd, aber das waren jetzt wieder 10 Hitze-Tote im Juni. Selber Schuld-Boomer, weil ihr seid schuld. Und jetzt müsst ihr auch deswegen an Hitze sterben. Das wäre für mich schon eine Aufgabe gewesen, der sich Politikerinnen und Politiker hätten stellen müssen, können und sollen. Ich meine, das fängt auch auf ganz vielen Ebenen an, auch bei den Medien. Ich meine, ihr habt auch ganz schön viele Menschenleben auf dem Gewissen, indem ihr jeden Sommer immer noch diesen Schwachsinn schreibt, dass Menschen gefälligst morgens das Fenster schließen sollen und dann erst abends es wieder aufmachen. Und das führt dazu, dass viele alte Menschen in ihren kleinen Alterswohnungen wirklich auf erbärmlichste Art und Weise, ich kann es nicht anders sagen, verrecken.
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