Topics: Politics, News, Daily News
**Paul Ronzheimer** (0:00)
Das steht russische Armee da?
**Hans-Thomas Tillschneider** (0:02)
Ja, die hab ich mal geschenkt bekommen.
**Paul Ronzheimer** (0:03)
Von wem? Warum haben Sie eine russische Armee-Tasse hier stehen?
**Hans-Thomas Tillschneider** (0:10)
Die hat mir jemand geschenkt, ich wollte sie jetzt nicht wegtun. Warum nicht?
Dann hab ich hier...
**Paul Ronzheimer** (0:17)
Gut, dass es ja nun die Armee, die die Ukraine angreift, die in Deutschland den Brüdernkrieg führt.
**Hans-Thomas Tillschneider** (0:22)
Ich verbinde damit jetzt noch nichts Besonderes. Das ist halt eine Tasse, die mir hier geschenkt wurde, die hier rumsteht.
**Philipp Pietrow** (0:30)
Herzlich willkommen zum zweiten Teil unserer Doppelfolge zu Sachsen-Anhalt. Paul war dort unterwegs für eine große Reportage. Und ich habe es in der ersten Folge schon angeteasert. Wir wollen heute über einen politischen Eklat sprechen, der uns da vor laufender Kamera passiert ist. Es geht um einen AfD-Politiker mit sehr viel Einfluss, sehr viel Macht, der als möglicher Minister im Kabinett von Ulrich Sigmund gehandelt wird und seine Einstellung über Russland, Dinge aus Russland, die er in seinem Büro aufbewahrt, die doch Fragen aufwerfen. Es geht um Hans-Thomas Tillschneider. Er ist der stellvertretende AfD-Chef in Sachsen-Anhalt, auch stellvertretender Fraktionschef und hat uns zum Interview empfangen. Wir waren in seinem Wahlkreisbüro in Querfurt und haben ihn getroffen. Paul hat ein Interview mit ihm gemacht, über alles Mögliche gesprochen. Und dann ist da etwas passiert, was wir so nicht erwartet haben. Darüber sprechen wir heute. Mein Name ist Philipp Piertow. Ich bin Journalist und Kollege von Paul Ronzheimer. Hallo Paul. Hi Philipp. Warum wolltest du ausgerechnet Hans-Thomas Tillschneider treffen? Es gibt viele Politiker in der AfD, in Sachsen-Anhalt, der bekannteste ist zweifellos Ulrich Siegmund. Warum also Herr Tillschneider? Ja, vielleicht erst einmal warum nicht unbedingt Ulrich Siegmund und Sven Schulze. Da haben wir natürlich auch drüber nachgedacht, die beiden Spitzenkandidaten, weil sie erst einmal überall präsent sind, weil einfach wahnsinnig viel natürlich über sie geschrieben wurde und sie ganz viele TV- und Podcast-Interviews schon gegeben haben. Und insofern haben wir uns ganz generell ja auch bei der Doku eher so für die zweite Reihe, sowohl bei der CDU oder auch dritte Reihe wie auch immer, interessiert, wo man vielleicht ein bisschen den unvorstellten, unverstellteren Blick bekommt. Also die Hoffnung, ehrliche Antworten jetzt mal ganz platt zu formulieren, zu bekommen und dadurch eben klarer benennen zu können, wie die Stimmung dort wirklich ist, was die Menschen wirklich denken. Deswegen haben wir auch ganz viele normale Leute einfach befragt, was ist ihre Meinung. Und unser Podcast ist ja ohnehin so, dass wir sagen, wir machen zwar Politiker-Interviews, aber eben wirklich nur hin und wieder. Weil viele Leute sagen so bestimmte Aussagen, bestimmte Floskeln, kann sie eigentlich gar nicht mehr hören. Wir machen es immer mal wieder bei 7 Tage die Woche, aber eigentlich sehr reduziert. So. Und dann haben wir uns die Frage gestellt, wer könnte dort spannend sein? Haben uns verschiedene angeschaut in der AfD. Und Tillschneider sticht ja schon mal allein durch sein Äußeres ins Auge, also dieser lange Bart, dann sein Auftreten und dann vor allem eben auch, du hast das gesagt, weil er als Bildungsminister gehandelt wird, eine ganz zentrale Position. Aber er hat eben in den Monaten vorher auch eine wahnsinnig gewichtige Rolle gespielt. Er hat große Teile des Programms mitgeschrieben, mitbestimmt, so heißt es zumindest in der AfD.
Und er gilt als, so sagt man, innerhalb der AfD, so als Denker, als Kopf von Siegmund mit anderen zusammen. Also die programmatisch und inhaltlich diesen Wahlkampf begleitet haben, aber dann eben auch an entscheidender Stelle mit das prägen könnten, was dann, wenn die AfD es schaffen sollte, in einer Regierung eine Rolle spielt. Das ist so das Inhaltliche. Und dann muss ich sagen, je mehr ich mich mit ihm beschäftigt habe, je mehr ich gelesen habe, desto interessanter fand ich die Person. Jetzt ganz abseits davon, wie man zur AfD steht oder zu den Tillschneidern steht. Aber er hat Islamwissenschaften studiert. Er war eine Zeit lang in Syrien, in Damaskus. Er kommt eigentlich gebürtig aus Baden-Württemberg. Er hat 2013, ist er bereits in die AfD eingetreten. Er hat dann in Sachsen-Anhalt relativ schnell Karriere gemacht. Er gehört oder wird gesagt, dass er den Identitären bzw. der neuen Rechten sehr nahe steht, also eine sehr extreme Haltung auch innerhalb der AfD in der Vergangenheit eingenommen hat. Und die Interviews, die ich von ihm gehört und gesehen habe, fand ich sehr interessant. Zuletzt auch, das war aber schon nach unserem Interview vor Ort, der Auftritt dann bei Melanie Ammann, die ja auch hier in diesem Studio aufnimmt, da wo du jetzt sitzt, Philipp, sagst, Herr Tillschneider, jetzt ist, sitzt sich aber gut, sitzt sich gut, jetzt ist, ich werde das Interview auch nicht abbrechen, es ist Melanie Ammann, jemand, die sich sehr viel besser noch mit der AfD auskennt, als wir beide, weil sie als Spiegelreporterin schon die Anfänge gecovert hat und die ein inhaltliches, klares Interview geführt hat und natürlich schnell das abgebrochen hat, also das hat Schlagzeilen gemacht. Wie gesagt, das ist nach unserem Treffen passiert, aber ich fand's einfach spannend, ihn zu treffen. Ja, und ein Aspekt ist natürlich auch seine außenpolitische Haltung. Er ist eindeutig Teil des sehr pro-russischen Lagers der AfD. Also er war beispielsweise im Herbst 2022, also einige Monate nach der russischen Vollinvasion der Ukraine, ist er nach Russland gereist. Er wollte auch noch weiter in den Donbass, also wo Russland den Krieg führt. Das wurde dann nach Kritik von Alice Weidel und von anderen AfD-Politikern abgebrochen. Aber das zeigt schon mal, wo er politisch oder außenpolitisch steht. Ja, und er war in der russischen Botschaft in Berlin zu Putins Geburtstag. Wenn ich es richtig sehe, ist es. Und da gibt es mehrere auch schon seit 2014, 15 Also nach der Annexion der Krim. Also da gibt es eine große Russland-Historie. So kann man es sehen. Genau, und das ist ein ganz zentraler Punkt. Über das, was wir gleich sprechen. Es geht sehr um die Frage, wie hält es die AfD wirklich mit Russland?
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