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Das Problem ist nicht nur die AfD. Mit Ralf Fücks

RONZHEIMER.

September 3, 2026

Paul Ronzheimer spricht mit Ralf Fücks, ehemaligem Grünen-Politiker und Mitgründer der Denkfabrik Liberale Moderne, über politischen Extremismus von rechts und links.
Speakers: Paul Ronzheimer, Ralf Fücks

Topics: Politics, News, Daily News

**Paul Ronzheimer** (0:00)
Bevor wir starten, noch schnell ein Hinweis. Ihr könnt uns live sehen. Nächsten Samstag, 5 September, auf der IFA in Berlin, auf dem weltweit größten Event für Consumer Electronics. Falls ihr noch keine Tickets habt, schenken wir euch einfach welche. 125 Freikarten für die IFA. Alle Info, wie ihr die bekommen könnt, findet ihr in den Show Notes und auch alle Informationen, wann und wo wir da am Samstag auftreten. Ich freue mich, euch vielleicht live zu sehen.

**Ralf Fücks** (0:29)
Das ist ein schon fast fanatischer Israel-Hass, Israel-Feindschaft und das ist kein Randphänomen, sondern das ist eine bestimmte politische Kultur, die inzwischen huffähig geworden ist. Das Neue ist ja an diesem Phänomen, dass es gar nicht mehr verschämt auftritt, sondern es ist eine Israel-Feindschaft mit gutem Gewissen.

**Paul Ronzheimer** (1:06)
Ich möchte in einer möglicherweise historischen Wahlwoche die Tagespolitik mit den großen politischen Fragen unserer Zeit verbinden. Denn ich merke, egal wo ich hinkomme, auch privat die Menschen beschäftigt. Es ist wahnsinnig, was in Sachsen-Anhalt passieren könnte, aber eben auch, was das für die sogenannte Brandmauer bedeutet in alle Richtungen und die Frage der Regierungsfähigkeit in Deutschland und ob unsere Demokratie tatsächlich so bedroht ist, wie vor 1933, wie manche sagen. Und nach sehr vielen Folgen über die AfD möchte ich heute auch über den politischen Extremismus auf der linken Seite sprechen, wie wir ihn gerade in der deutschen Hauptstadt, in Berlin, wo ich lebe, hier erleben. Mein Gast ist Ralf Fücks. Er war lange Jahre Politiker bei den Grünen und dem Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, ist Mitgründer der Denkfabrik Liberale Moderne. Vor allem aber ist er ein wichtiger Intellektueller in Deutschland und er war schon mal bei mir hier im Podcast zu Gast. Und es gab so viele begeisterte Kommentare und deswegen haben wir ihn natürlich sofort wieder eingeladen. Ich grüße Sie, Herr Fücks. Schön, dass Sie wieder da sind.

**Ralf Fücks** (2:12)
Danke für die Vorschüsse, Lobian.

**Paul Ronzheimer** (2:14)
Ja, Sie müssen liefern jetzt, Herr Fücks.
Er wird die Hürde.
Ja, also mich hat das sehr beschäftigt, was hier los gewesen ist in den letzten Tagen in der Hauptstadt. Für diejenigen, die nicht hier leben, müssen wir das kurz erklären. Es gibt einen neuen Skandal bei der Linkspartei. Am Wochenende bei einer Wahlkampfveranstaltung sang ein Rapper Yala Intifada und Death to the IDF. Also einmal eine Intifada gefordert, also eine Terrorwelle gegen Israel. Und einmal der gesamten israelischen Ampel den Tod gewünscht. Und bei der Linkspartei hat man dazu getanzt. Und da muss man ja sagen, bei diesem Fall, können Sie das mal erklären? Was ist da passiert? Ist das Israel-Kritik, wie manche sagen, oder ist das antisemitisch? Was ist das?

**Ralf Fücks** (3:07)
Jedenfalls ist es keine Eintagsfliege. Das ist jetzt keine singuläre Episode.
Auch in der Reaktion jetzt der Führung der Linkspartei wird ja so getan, irgendwie, das wäre so ein Ausrutscher. Das ist Quatsch. Das ist ein Ereignis in einer ganz langen Serie, die tragischerweise begonnen hat mit dem 7 Oktober.
Mit dem Tag des Terrorangriffs der Hamas und anderer radikaler islamistischer und palästinensischer Organisationen auf Israel ging hier in Deutschland und man muss eigentlich sagen im ganzen Westen schon eine Protestwelle nicht gegen die Aggressoren, sondern gegen Israel los. Und im Grunde von Tag an wurde gewarnt, Israel könnte jetzt eine Genozid gegen die Palästinenser starten. Und seitdem erleben wir eine ganze Kette von Kundgebungen, von Demonstrationen, von Festivals, von Kultureeignissen, in denen Israel an den Pranger gestellt wird, des Völkermords beschuldigt wird, als rassistischer Kolonialstaat verdammt wird, zum Boykott Israels aufgerufen wird, im Grunde Israel die Existenzberechtigung abgesprochen wird, politisch und moralisch.

**Paul Ronzheimer** (4:46)
Hat das natürlich erst seit dem 7 Oktober begonnen, also wenn ich jetzt mal die Linke nehme?

**Ralf Fücks** (4:52)
Ja, das war zumindest der Brandbeschleuniger. Ja, das war schon ein Wendepunkt, an dem sich das ein bisschen wie so als ein chemischer Katholisator, an dem sich die Elemente trennen.
Und seitdem haben wir eine massiv israelfeindliche, antizionistische Bewegung, nicht nur auf der Straße, sondern auch an den Universitäten, in der Kulturszene und auch in Teilen des politischen Spektrums, vor allem in der Linken. Die Linke ist eigentlich erobert worden von diesem Milieu. Das ist sozusagen eine jüngere, in der Regel akademisch ausgebildete Generation einer postkolonialen Linken, für die der Antizionismus jetzt zu seiner anderen Gesslerhut ist. Bist du für oder gegen Israel? Das ist jetzt die Scheidelinie, ob man progressiv ist oder nicht.

**Paul Ronzheimer** (6:02)
Wo ziehen Sie da die Trennlinie? Weil, und das ist ja auch in den Medien, in den deutschen Medien, aber international immer wieder Thema, die harte und oftmals, wie ich finde, berechtigte Kritik an der israelischen Regierung. Also an Netanyahu, Ben Gwirr. Wir sehen da immer wieder Ausfälle in den sozialen Medien. Wir sehen krasse Sätze.
Also wo sehen Sie da, wo ist da die Trennlinie? Also wo wird es antisemitisch und wo ist es berechtigte Kritik, an dem sowohl der israelischen Kriegsführung, an der rechtsradikalen, in Teil rechtsradikalen Regierung? Also wo machen Sie da die Trennung?

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