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Wie feiert man einen Unabhängigkeitstag im Krieg?

Was jetzt?

August 24, 2026

Heute feiert die Ukraine den 35. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit von der Sowjetunion – bereits zum fünften Mal im Schatten des russischen Angriffskrieges. Allein im Juli wurden mindestens 437 Zivilisten in der Ukraine getötet und mehr als 2.600 weitere durch russische Angriffe verletzt.
Speakers: Erica Zingher, Mathias Peer, Olivia Kortas, Carla Neuhaus

Topics: News

**Erica Zingher** (0:04)
Eigentlich ist der 24 August in der Ukraine ein Tag der Freude. Denn an diesem Datum im Jahr 1991 hat sich die damalige Sowjetrepublik für unabhängig erklärt. Seit viereinhalb Jahren aber herrscht der russische Angriffskrieg. Kein Ende in Sicht. Feiern die Menschen trotzdem. Darum geht es gleich bei uns hier.
Außerdem an diesem Montag bei Was jetzt? Die Zollverhandlungen zwischen den USA und Kanada sind gescheitert. Wie geht's weiter? Ich bin Erica Zingher. Für Sie gibt's jetzt erst mal die neuesten Nachrichten. Und danach hören wir uns wieder.

**Mathias Peer** (0:39)
Ich bin Mathias Peer. Guten Morgen. Zwei Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gibt sich die AfD-Spitze siegesicher und wirbt mit Forderungen, die es in sich haben. Im Sommerinterview mit dem ZDF hat Parteichefin Alice Weidel bekräftigt, dass sie in Deutschland den Euro abschaffen will.
Außerdem fordert sie, die Grenzen zu schließen und aus dem Schengen-Abkommen auszusteigen. Alle Syrer in Deutschland sollen laut Weidel zurück in ihre Heimat. Das sind rund 1,3 Millionen Menschen. In der ARD spielte der AfD-Kovorsitzende Tino Krupalla die Bedeutung des Klimawandels herunter. Mit Blick auf die Hitze in Deutschland spricht er von einem ganz normalen Sommer und wirft der Bundesregierung Panikmache vor.
Im Iran hat Präsident Masoud Pesachkian eingeräumt, dass es seinem Land wirtschaftlich schlecht geht. Er sprach von Problemen bei der Versorgung mit Wasser, Strom, Gas und Benzin. Der Iran sei mit einem umfassenden wirtschaftlichen und militärischen Krieg konfrontiert, sagte Pesachkian. Damit reagierte er offenbar auf US-Präsident Donald Trump, der dem Land einen Wirtschaftskrieg angedroht hat. Details zu den neuen Maßnahmen will die US-Regierung heute vorlegen. Redaktionsschluss für diesen Podcast ist 5 Uhr.

**SPEAKER_3** (1:53)
Ein gutes Miteinander beginnt oft mit einem einfachen Satz. Erzähl mal.
Zuhören, verstehen und andere Perspektiven kennenlernen. All das stärkt unsere Demokratie. Bei dm begegnen sich täglich Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Lebenswelten und Meinungen. Deshalb unterstützt dm die Initiative Deutschland spricht der Zeit und setzt ein Zeichen für respektvollen Austausch. Denn Demokratie lebt davon, dass wir miteinander sprechen, statt übereinander.

**Erica Zingher** (2:19)
Jetzt mitmachen unter deutschlandspricht.org Heute, vor genau 35 Jahren, hat die Ukraine ihre Unabhängigkeit erklärt und den Austritt aus der Sowjetunion vollzogen. Seitdem begeht das Land diesen Tag als Unabhängigkeitstag, bereits zum fünften Mal inmitten des russischen Angriffskrieges. Die Ukraine als eigenständige Nation gibt es nicht. Das behauptet Russlands Machthaber Wadimir Putin immer wieder. So rechtfertigt er unter anderem sein Angriffskrieg gegen das Land. Und so mischen sich an diesem Tag vermutlich ganz unterschiedliche Gefühle. Stolz auf die eigene Unabhängigkeit, aber auch Erschöpfung und Sorge. Zeitkorrespondentin Olivia Kortas kann uns mehr über die aktuelle Lage in der Ukraine erzählen. Hallo Olivia.

**Olivia Kortas** (3:06)
Hallo Erica.

**Erica Zingher** (3:08)
Wie begehen denn die Ukrainerinnen und Ukrainer diesen Unabhängigkeitstag in Kriegszeiten?

**Olivia Kortas** (3:14)
Was du andeutest, das ist ganz richtig. Also die Menschen tagen an diesem Tag einerseits die traditionell bestickten Kleidungsstücke, die wie Schiwankas und die ukrainische Flagge. Es gibt doch Zeremonien in Kirchen und Veranstaltungen, die eben die Sprache, die Kultur feiern. Aber der Unabhängigkeitstag ist während des Krieges halt leider auch eine Art Gedenktag geworden. Also die Menschen widmen ihn auch denen, die gestorben sind, während sie diese Unabhängigkeit verheidigten. Und ganz große Veranstaltungen gibt es nicht, weil das einfach zu gefährlich ist. Die russischen Angriffe treffen ja jede Stadt in der Ukraine. Da ist die Angst zu groß, dass das eben so ein Ziel wäre.

**Erica Zingher** (3:51)
Der vergangene Juli war der tödlichste Monat für ukrainische Zivilisten seit Beginn der russischen Vollinvasion. Wie gehen die Menschen mit dieser zunehmenden Gewalt um?

**Olivia Kortas** (4:01)
Ja, ich muss sagen, diese Brutalität, diese Angriffe, die übersetzt sich oft gar nicht in die Todeszahlen. Also diese ballistischen Raketen, gegen die sich die Ukraine quasi nicht mehr wehren kann, die hämmern da minutenlang auf Städte wie Kyiv ein. Und man kann das eigentlich gar nicht in Worte beschreiben, wie brutal das momentan ist. Und dann steht man eben am nächsten Morgen auf und zieht die Zeilen. Und manchmal sind es 20 Leute, manchmal sind es nur fünf. Also dieser psychische Terror ist einfach wirklich furchtbar momentan. Und deswegen sind die U-Bahnen und die Schutzräume auch so voll wie zuvor nicht.

**Erica Zingher** (4:33)
Du warst zuletzt in Kharkiv und Saporizhje. Dort hat Russland seine Angriffe zuletzt noch einmal verstärkt. Wie ist denn derzeit die Lage in diesen Städten? Und was kannst du uns auch von der Entwicklung an der Front berichten?

**Olivia Kortas** (4:45)
Also sowohl äußere Bezirke von Kharkiv als auch von Saporizhje werden momentan mit FPV-Drohnen erreicht. Also mit diesen kleinen Drohnen, die einen Sprengsatz tragen und mit denen einzelne russische Einheiten auch in anderen Städten schon eine Art Menschenjagd auf Zivilistinnen und Zivilisten machen. Und vor allem in Saporizhje ist das eben komplett neu. Also Kharkiv hatte während des Krieges schon sehr schwierige Phasen. In Saporizhje, da habe ich fast mit jedem Gesprächspartner, fast mit jeder Gesprächspartnerin so ein Gespräch gehabt, dass die schon überlegen, irgendwo anders hinzugehen, obwohl das gar nicht mal ein Recherchethema war. Also diese Sorge in diesen Großstädten, die wächst und zudem fliegen da auch Gleitbomben, Marketen auf diese Städte. Und eine Frau allgemein kann man sagen, dass sich nichts groß geändert hat. Also es gibt nach wie vor eben diese Infiltrationen einzelner Soldaten durch die russische Armee. Aber ja, die arbeiten sich halt sehr langsam vor unter sehr großen Verlusten. Und das merkt man an einzelnen Städten, also im Slowjeinskristallagum, einiges schlimmer geworden, weil dort jetzt auch die Logistik angegriffen wird. Man kann sich in Dombars sehr schwer nur noch fortbewegen mit Fahrzeugen.

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