Topics: News
**Fabian Scheler** (0:05)
Was ist denn eigentlich das Nasse da draußen und was macht es mit uns? Und damit Hallo und herzlich willkommen an diesem Mittwoch, dem 19 August bei Was jetzt? dem Nachrichten-Podcast der ZEIT. Wieder mal fordert jemand Neuwahlen für die Ukraine, doch dieses Mal kommt der Ruf aus der Ukraine selbst, von jemanden, der noch bis vor kurzem ein Minister war. Wie realistisch ist diese Forderung? Und warum sind Deutschlands Gasspeicher eigentlich so leer? Das erfahren wir gleich. Mein Name ist Fabian Scheler und der Redaktionsschluss für diesen Podcast ist 16 Uhr.
**SPEAKER_2** (0:45)
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**Fabian Scheler** (1:08)
Die Ukraine hat zuletzt im Jahr 2019 gewählt. Volodymyr Zelensky wurde damals Präsident und seit Russland 2022 sein Land überfallen hat, gilt in der Ukraine das Kriegsrecht. Das heißt, dass die Verfassung es seitdem nicht erlaubt, Wahlen abzuhalten. Zelensky selbst sagte immer wieder, gibt es keine Sicherheit, gibt es nichts. Doch er will das ändern.
**SPEAKER_2** (1:34)
Ich bin überzeugt, dass es nicht so ist. Demokratie kann nicht die Hände der Russen sein.
**Fabian Scheler** (1:42)
Die Demokratie darf nicht als russische Geisel gehalten werden. Das sagte Mychajlo Fedorow in einem neunminütigen Video, das er gestern veröffentlichte.
Fedorow war seit 2019 und bis Ende Juli unter Zelenski Minister, bis der ihn entlassen hat. Und jetzt fordert er also Neuwahlen für die Ukraine. Unsere Korrespondentin in Kyiv, Olivia Kortas, ist bei mir. Hallo Olivia.
**Olivia Kortas** (2:09)
Hi Fabian.
**Fabian Scheler** (2:10)
Und wir wollen darüber reden. Mychajlo Fedorow spricht nun von einer systemischen Regierungskrise und erfordert einen Weg, einen volldemokratischen Prozess auch im Krieg zu finden. Hat er mit dieser Systemkritik denn recht?
**Olivia Kortas** (2:23)
Klar, es gibt Wut gegen korrupte Eliten. Die Leute sind wütend, weil sie sich dann übergangen fühlen, wenn eben solche Korruption aufkommt. Aber eine Mehrheit der Menschen in der Ukraine ist derzeit nach wie vor Gegenwahlen. Und der Konsens ist auch nach wie vor, dass die Demokratie im Land funktioniert, dass die Leute auf die Straßen gehen können, dass sie gehört werden. Wichtig zu verstehen ist, dass das, was in der Ukraine gerade passiert, demokratisch ist. Wie du gerade gesagt hast, das ukrainische Gesetz sieht nicht vor, dass Wahlen stattfinden, solange ein Krieg herrscht. Was auch Sinn macht, weil wie schafft man es, dass auch jede Menschen wählen können, die eben kämpfen. Also es gibt Leute, die haben wochenlang, monatelang irgendwo aus, ohne Internet zu haben. Die können nicht einfach raus, um zu wählen. Und es gibt auch Leute, die sich vielleicht gerne aufstellen lassen würden, die an der Front sind, das Vertrauen der Leute genießen, aber die keine Wahlkampagne machen könnten. Das würde nicht funktionieren. Man kann keine Wahllokale einrichten, wenn ständig diese russischen Angriffe kommen. Auf Städte, auch im Hinterland. Also viele Menschen an einem Ort zu versammeln, damit die wählen können. Das ist allein schon gefährlich.
**Fabian Scheler** (3:27)
Fedorow war sehr beliebt. Das sah man auch an den Protesten gegen seine Absetzung als Verteidigungsminister. Das war vor ungefähr einem Monat. Du warst ja auch hier bei uns zu Gast und hast darüber gesprochen.
Was sind denn aber seine eigenen Ambitionen jetzt, wo er das verkündet hat?
**Olivia Kortas** (3:41)
Die Ansprache von Fedorow war vor allem sein erster Schritt in die Opposition zu Zelensky.
Er war eigentlich Zelensky immer treu, er war loyal. Jetzt hat er verstanden, dass er seinen alten Posten, den einzigen Posten, den er haben wollte, als Verteidigungsminister nämlich, nicht mehr wiederbekommen wird und hat sich eben entschlossen, jetzt sein eigenes politisches Projekt zu beginnen. Dazu wurde, glaube ich, auch ermuntert von seinen eigenen Beratern, von Leuten in seinem Umfeld, die halt auch die tausenden Menschen auf der Straße sahen, die sich eben dagegen wehren wollten, dass Fedorow abgesetzt wurde.
**Fabian Scheler** (4:15)
Zelensky selbst hat im vergangenen Dezember sich offen gezeigt für Neuwahlen. Du hast gerade schon sehr viele Gründe genannt, sehr viele gute Gründe genannt, warum es eher unwahrscheinlich, was sehr unwahrscheinlich ist, dass es überhaupt zu Neuwahlen kommt, mitten im Krieg. Das weiß ja eigentlich auch Fedorow. Und jetzt kommt das aber von ihm, also aus dem eigenen Land, aus dem eigenen Lager. Hat das also eine neue Qualität?
**Olivia Kortas** (4:36)
Zelenskys Kommunikation, die du gerade angesprochen hast, das ist vor allem politisch. Es ist ein Zeichen gewesen im Dezember 2025, als er eben dem Parlament den Auftrag gab, zu prüfen, wie denn eigentlich Wahlen möglich werden, ob sie möglich werden, während des Krieges. Das war eine Kommunikation auch an Donald Trump, der uns immer wieder eine Leute, die immer wieder andeuteten, die Ukraine sollte wählen.
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