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SRF Audio.
**Franco Bartel** (0:08)
Wir werden diese Gegend grundlegend sanieren. Das sagte Giorgia Meloni vor drei Jahren in einer heruntergekommenen Vorstadt Neapels. Ein grosses Versprechen.
Meloni versteht sich auf klare, prägnante Botschaften.
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Ich bin Giorgia.
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Ich bin eine Frau.
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Ich bin eine Mutter. Ich bin Italienerin. Ich bin Christianin. Ihr könnt mich nicht auslösen.
**Franco Bartel** (0:34)
Ich bin Giorgia. Frau, Mutter, Italienerin, Christin. Keiner nimmt mir das weg. Das ihr oft gehörtes Statement. Seit vier Jahren ist sie nun Ministerpräsidentin Italiens. Und in diesen Tagen knackt sie den Rekord. Noch nie in der Geschichte der Republik Italien hat eine Regierung so lange durchgehalten. Die Rechtspopulistin Meloni trat im Herbst 2022 mit grossen Ankündigungen an. Sie beschwore den Orgoglio Italiano, den italienischen Stolz. Sie stand ein für Null Toleranz gegenüber Kriminellen und für die Einrichtung von Asyllagern in Albanien. Oder Italienerinnen und Italiener sollten wieder mehr Bambini, also mehr Kinder, haben. Was hat sie tatsächlich erreicht? Antworten geben Italienerinnen und Italiener an vier ganz unterschiedlichen Standorten und aus gegensätzlichen Perspektiven.
International, mein Name Franco Bartel.
Das historische Zentrum Neapels liegt bereits hinter uns und wir nähern uns dem Aussenquartiers Campia. Ein Viertel mit einem zwielichtigen, gar üblen Ruf. Die Türen der U-Bahn schnappen auf und jenseits des Bahnsteigs wartet schon die Polizei. Sechs Beamte mit Schlagstöcken beobachten, wer ankommt und wer abfährt. Campia, viel Beton, wenig Grün, hohe Kriminalität. Die Trabantenstadt nördlich von Neapel entstand ab den 1960er Jahren. Heute wohnen hier etwa 50'000 Leute. Noch vor kurzem bekämpften sich verfeindete Mafia-Clans auf den Strassen. Giorgia Meloni hatte versprochen, die heruntergekommenen Peripherien der Grossstädte zu sanieren und vor allem für mehr Sicherheit zu sorgen.
Emanuele Cerullo steht an Tresen, einer Bar, nur wenige Meter vom U-Bahnhof entfernt. Cerullo wuchs ins Campia auf, ging hier zur Schule und blieb dieser Vorstadt stets treu. Bei einer Tasse Espresso beginnt er zu erzählen.
Er ist 33, Lehrer, bisher ohne feste Stelle. Er hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Ohne feste Arbeit findet man schwerlich eine Wohnung. Darum lebt er weiter bei seiner Mutter. Nach dem Kaffee führt Emanuele Cerullo durch sein Quartier. Er stoppt vor einem Metallzaun. Hinter dem wuchern Unkraut und wilde Sträucher. Eine Brache an zentraler Stelle. Hier hätte die Stadtverwaltung eigentlich ein Freilufttheater bauen wollen.
Das Theater nach griechischem Vorbild wurde allerdings nie fertiggestellt. Kein Wunder, es war eine Vielplanung.
Man hört den Leuten hier nicht zu. Dieses Theater geht an den realen Bedürfnissen der Leute vorbei. Genauso wie ein Park, den man aufwändig angelegt hat und der leer ist.
Die Leute flüchten lieber in die klimatisierten Shoppingzentren. Denn längst nicht alle können sich eine Klimaanlage leisten, während die Konsumtempel ihr Publikum grosszügig kühlen. Hat Giorgia Meloni ihr Versprechen, in den Vorstädten für mehr Sicherheit zu sorgen, eingehalten? Während dieses Regen Meloni in Scampia nicht viel geändert wurde. In Scampia hat sich nicht viel verändert, bilanziert Emanuele Ccerullo nüchtern.
Nur wenige Kilometer entfernt in Caivano geschah vor drei Jahren ein schlimmes Verbrechen. Eine Bande Minderjähriger vergewaltigte zwei Mädchen im Alter von 10 und 12 Jahren. Italien war schockiert. Meloni nahm es zum Anlass, per Dekret, also im Schnellverfahren, neue Gesetze einzuführen. Weitere Delikte, härtere Strafen, schärfere Sanktionen, auch für Minderjährige. Und Eltern, die nicht dafür schauen, dass ihre Kinder zur Schule gehen, droht das Gefängnis. Von all dem hält Emanuele Cerullo nur wenig.
Eine Gesellschaft, die unterdrückt ist eine Gesellschaft, die nicht wächst, sagt der Lehrer. Man dürfe nicht nur strafen, man müsse auch erziehen. Viele Experten sagen, es brauche mehr Prävention. Man müsse den Jungen Chancen bieten, sonst überlasse man die nächste Generation der Gamorra, der lokalen Mafia. Cerullo erzählt, wie er sich als Jugendlicher entscheiden musste, zwischen Kriminalität und einem ehrlichen Leben.
Es war eine große Kraft von Willen, von meiner Seite, den Willen, diese Lebensweise zu verbreiten. Er habe sich zu Hause verbarrikadiert und Bücher gelesen. Er habe viel Willenskraft gebraucht, um den kriminellen Banden zu widerstehen, die in Scampia um Nachwuchs buhlen. Cerullo las nicht nur, er begann auch zu schreiben, etwa seinen Gedichtband Il Ventre di Scampia, Der Bauch von Scampia. Bald publizierte er einen Roman. Braucht es diese Willenskraft auch heute noch, um nicht auf die schiefe Bahn zu geraten? Ja, leider sei das noch immer so.
Was für Scampia gilt, lässt sich auf viele andere Peripherien Italiens übertragen. Trotz einer Flut an neuen Dekreten hinterlässt Melonis Politik im Alltag der Vorstädte kaum Spuren. Ein Schicksal, das sie mit Premierministern teilt, die vorher im Amt waren. In Neapel regieren seit vielen Jahren schon linke Bürgermeister. Sie liessen von der Stadt erbaute und vermietete Bürgermeister aus. Sie haben sich von den Bürgermeistern in die Städte gegründet. Sie liessen von der Stadt erbaute und vermietete Wohnungen verlottern und verfallen. In Skampia kam es vor zwei Jahren zu einem Einsturz. Drei Bewohner starben, erschlagen von Trümmern einer städtischen Sozialsiedlung.
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