**Andrea Christen** (0:04)
Ich wurde gejagt von sehr schlechten Menschen. Jetzt bin ich der Jäger. Das ist viel besser.
**Donald Trump** (0:10)
Ich wurde von sehr schlechten Leuten gejagt. Jetzt bin ich der Jäger. Es ist viel besser, wenn du der Jäger bist.
**Andrea Christen** (0:15)
Das erklärte Donald Trump im Mai. Der US-Präsident ist in seiner zweiten Amtszeit getrieben vom Wunsch nach Vergeltung. Trump, der sich selbst im Visier politischer Strafverfolgung wänt, richtet die Justiz nun gegen jene, die er als seine Feinde ansieht. Das ist international, dazu wie Trump das Justizministerium zur Waffe macht, wie er die Schutzmauer zwischen dem Weissen Haus und der Justiz eingerissen hat, dazu wie er Anhänger begnadigt und wie in den USA der Rechtsstaat bröckelt. Ich bin USA-Korrespondent Andrea Christen.
14 März 2025, Washington DC. Pam Bondi tritt ans Mikrofon. Die US-Justizministerin, ernannt von Präsident Trump, der noch keine zwei Monate im Amt ist. Willkommen im Justizdepartement, sagt Bondi. Als Justizministerin ist sie auch die höchste Staatsanwältin im Land, also die Chefanklägerin. Im Publikum Trump-Loyalisten, auch Todd Blanch und Emil Bovee, Trumps Anwälte, die ihn vor Gericht verteidigten. Jetzt besetzen sie führende Positionen des Justizdepartements. Draussen, an der Fassade über der US-Flacke, ein riesiges Banner. Es zeigt Trumps Gesicht.
Wir alle arbeiten für den grössten Präsidenten in der Geschichte unseres Landes. Wir sind so stolz darauf, unter der Anleitung von Donald Trump zu arbeiten.
Bondis Stimme geht unter, als sie den 47 Präsidenten ankündigt. Trump übernimmt.
**Donald Trump** (2:12)
Well, thank you very much.
**Letitia James** (2:19)
Er ist der erste Präsident, der strafrechtlich angeklagt und verurteilt wurde.
**Andrea Christen** (2:23)
Die Bundespolizei FBI durchsuchte seinen Wohnsitz in Florida. Das war nach seiner ersten Amtszeit. Nun kontrolliert er das Justizministerium, das zwei der Anklagen gegen ihn erwirkte. Präsidenten treten selten hier auf. Sie waren Distanz. Das Justizministerium sollte bis jetzt ohne politischen Druck entscheiden, wer angeklagt wird und wer nicht.
Nicht so unter Trump.
Er präsentiert sich und seine Anhänger als politisch verfolgt. Von Präsident Joe Bidens Justizministerium.
**Andrew Weissmann** (3:02)
Unsere Vorgänger haben dieses Ministerium in ein Ministerium des Unrechts verwandelt. Ich erkläre, diese Tage sind vorbei und kommen niemals zurück.
Als oberster Strafverfolger des Landes fordere ich die lückenlose und vollständige Rechenschaft für das Unrecht und die Missbräuche, die stattgefunden haben.
**Donald Trump** (3:21)
I will insist upon and demand full and complete accountability for the wrongs and abuses that have occurred.
**Andrea Christen** (3:28)
Trump will eine Abrechnung, auch mit dem Justizministerium.
Mr. Wiseman, hi. Thank you for taking the time.
**Greg Nunziata** (3:40)
No problem.
**Andrea Christen** (3:41)
Andrew Wiseman erscheint zum Interview auf dem Bildschirm.
68 Jahre alt, Brille, hohe Stirn, lichtes Haar. I appreciate it.
**Greg Nunziata** (3:51)
No problem.
**Andrea Christen** (3:52)
Für jemanden, den die New York Times einst als Pitbull bezeichnete, ist er sehr freundlich.
Bis 2019 war Wiseman einer der ranghöchsten Bundesstaatsanwälte. Heute ist er Rechtsprofessor an der New York University und ausgesprochener Trump-Kritiker. Das Justizministerium hatte in Trumps erster Amtszeit noch eine gewisse Unabhängigkeit und untersuchte den Versuch Russlands, die Präsidentschaftswahl von 2016 zu beeinflussen und ob Trumps Wahlkampfteam darin verwickelt war. Wiseman hatte eine führende Rolle bei den Ermittlungen, die Trump als Hexenjagd abtut. Bundesstaatsanwälte wie ihn bezeichnet Trump als Abschaum.
**Andrew Weissmann** (4:33)
The very first time years ago that the president mentioned me by name, das erste Mal vor Jahren, als der Präsident mich namentlich nannte, war das sicherlich erschütternd. Ich dachte, wie findet der Präsident die Zeit, überhaupt zu wissen, wer ich bin?
**Andrea Christen** (4:51)
In der zweiten Amtszeit gehen Trumps Loyalisten weiter. Sie säubern das Justizministerium, sagt Wiseman.
**Andrew Weissmann** (4:58)
We're seeing people being fired with no cause.
**Andrew Weissmann** (5:03)
Wir sehen, wie Mitarbeitende des Justizministeriums grundlos entlassen werden.
Alle, die etwa mit den Fällen zum 6 Januar zu tun hatten, als Trump-Anhänger das Kapitol in Washington stürmten. Oder Mitarbeitende, die mit dem Sonderermittler zusammenarbeiteten, der Trump anklagte. Ich kann das nicht genug betonen. Eine normale Regierung tut so etwas nicht.
**Andrew Weissmann** (5:27)
That does not happen in any normal administration.
**Andrea Christen** (5:32)
Andere würden aus freien Stücken gehen.
**Andrew Weissmann** (5:34)
Because they cannot stomach what they're being asked to do.
**Andrea Christen** (5:37)
Weil sie nicht mittragen könnten, was von ihnen verlangt werde. Beispiel Minneapolis. Anfang Jahre schoss dort ein Beamter der Migrationspolizei ICE eine Frau in ihrem Auto. Das Justizministerium verhinderte eine Untersuchung, forderte aber Ermittlungen gegen die Witwe der Getöteten.
Aus Protest kam es zu einer Welle von Rücktritten. Diese Staatsanwälte gehören zu den tausenden Mitarbeitenden, die das DOJ, das Department of Justice, verlassen haben. Es ist eine riesige Bundesstrafverfolgungsbehörde mit Büros im ganzen Land. Der Exodus von erfahrenen Juristinnen und Juristen schwäche die Behörde, sagt Weissman.
And?
**Andrew Weissmann** (6:17)
It is completely demoralizing for people who are there.
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