Topics: News
**SPEAKER_1** (0:01)
SRF-Audio Der Krieg im Iran beschäftigt uns schon seit Monaten. Das Ende ist nach wie vor nicht in Sicht. Im Gegenteil, fast täglich liest oder gehört man von neuen Drehungen zwischen den USA und dem iranischen Regime. Was in diesem Zusammenhang häufig untergeht, die über 90 Millionen Menschen, die im Iran leben. Die haben im letzten halben Jahr sehr viel durchgemacht. Anfangsjahr gab es Proteste gegen die Regierung, die brutal niedergeschlagen wurden. Darauf aber der Krieg mit den USA, das Internet ist blockiert worden und die Wirtschaft ist komplett zusammengebrochen. In der Sendung International geht es diese Woche um die Frauen und Männer im Iran. Nur, wie berichten wir aus einem Land, das dermassen stark überwacht wird? Darüber reden wir mit dem SRF-NAUST-Korrespondent Thomas Gutersohn. Thomas, kommt man als Journalist oder Journalistin überhaupt einfach so in Iran?
**Thomas Gutersohn** (0:56)
Es ist sehr schwierig tatsächlich. Es gibt etwa diese Anlässe, die der Iran Journalisten reinlässt. Das ist z.B. bei nationalen Wahlen der Fall, wo man bei diesen Wahlen dabei sein kann. Oder zuletzt beim Begräbnis vom früheren obersten Führer, Ayatollah Ali Khamenei.
Im Juli hat die Regierung die Journalisten reinlässt. Aber das sind regelmässig sehr durchtaktete Anlässe, bei denen Journalisten in Bussen vom einen Ort zum anderen geführt werden, wo man vor allem Fotos machen kann. Wo man mit ausgewählten Leuten, natürlich regierungskonformen Leuten, reden kann und dort ist es extrem schwierig sich auf eigene Faust loszumachen und frei mit Leuten zu reden, wo man denkt, das könnte etwas spannendes sein oder ich könnte allenfalls etwas kritisch sagen. Und wenn man das wünscht, dann hat man auch immer einen sogenannten Meinder, also einen Überwacher dabei vom Staat. Das ist eine Person, die an sich zu ihrer Sicherheit, also zu ihrer Sicherheit da ist, aber auch klar jemand, der mitlässt und der den Leuten zeigt, hey, du kannst dir nicht alles sagen hier und wenn, wenn du etwas Kritisches sagst, dann kommst du Probleme über, wo sich die Leute selber zurücknehmen würden und selber auch bewusst sein, da kann ich nicht alles sagen, was ich will. Also es ist schwierig, frei in diesem Land zu arbeiten als Journalist und das eben ein ehrliches Anlassen. Es ist möglich, aber sonst eigentlich nicht.
**SPEAKER_1** (2:17)
Und du, hast du für uns als International ein Journalisten-Visum bekommen?
**Thomas Gutersohn** (2:22)
Für das International habe ich kein bekommen. Ich habe letztes Jahr ein Visum bekommen, das war recht überraschend im Juni, aber dann ging der Zwölftagekrieg los, wo sich Israel und Iran gegenseitig mit Raketen beschossen haben und die Leute in Teheran mussten aus ihren Häusern flüchten, also die Kontakte, die wir hatten, waren sicher mit anderen Beschäftigten, als mir jetzt Fragen zu beantworten. Und es war eine sehr gefährliche Situation, zumal nach dem Zwölftagekrieg war eine gewisse Angst bei der Regierung, bei der Sicherheitskräfte von Spionen. Es gab massenhafte Verhaftungen. Auch Ausländer, die Ferien im Iran gemacht haben. Es gab einen recht bekannten Fall von einem deutsch-französischen Velofahrer, der auf einer Welttour war mit seinem Velo. Er war in dieser Zeit im Iran und wurde auch verhaftet. Das Auffällige an ihm war, dass er viele SIM-Karten für sein Handy, ausländische SIM-Karten dabei hatte und viel Cash.
Das ist eine typische Situation, die ich auch im Iran umreisen würde. Im Iran kann man nicht einfach so ein Bankomat Geld abheben. Man hat immer relativ grosse Geldsummen bei sich dabei, um Hotels und Mitarbeiter zu zahlen. Und man hat auch immer andere SIM-Karten dabei. Man weiss noch nie, in welcher Region welche SIM-Karten am besten funktioniert. Manchmal hat man auch ausländische dabei.
Das wäre so eine typische Situation, an der ich an dieser Stelle wahrscheinlich auch gefangen worden wäre. In dieser Zeit mussten wir dann sagen, dass das zu gefährlich ist. Ich kann in dieser Zeit nicht in Iran reisen. Dann mussten wir das Visum vergehen lassen. Insofern war es für mich später auch nicht möglich, in Iran reinzureichen. Es gibt immer so Zeitpunkte, wo es möglich ist, wenn es sich in Iran offen zeigt, wenn es z.B. mehr auf Verhandlungen steht, wenn er zeigen möchte, wir seien doch ein normales Land, dann lassen sie Enderjournalisten rein. Aber jetzt im Moment mit der ständigen Kriegsgefahr, mit dem ständigen Hin und Her, mit der amerikanischen Führung, mit dem amerikanischen Präsident, mit dem Trump, wo man auch nicht genau weiss, wann die nächste Angriffswahl wieder kommt, ob es einen Krieg gibt, ob es keinen Krieg gibt, ist es sehr, sehr schwierig, diesen sog. richtigen Moment herauszufischen. Insofern war es seit letztem Jahr praktisch unmöglich, ein Journalistenwesen zu bekommen.
**SPEAKER_1** (4:52)
Also das ist eine ganz grosse Herausforderung. Thomas Gutersohn, wie hast du mit den Leuten, die deine Sendung vorkommen, kommuniziert?
**Thomas Gutersohn** (5:00)
Ja, ich konnte nicht mit ihnen persönlich reden, sondern habe hauptsächlich digital mit ihnen gesprochen, über Sprache und Textnachrichten. Und dort haben wir auch sehr viel müssen vorsichtig sein, um sie nicht in Gefahr zu bringen. Also wir haben ihre Namen geändert und haben auch ihre Beschreibung von diesen Personen. Einige Eltern, einige Jüngere, aber ich kann natürlich nicht sagen, ja, die Ärztin von diesem Dorf oder der Ingenieur von diesem Quartier, man kann es nicht zu fest einengen, weil man dann auch über einen Beruf nicht drauf kommen kann, wer das sein könnte, der mit uns geredet hat.
4 more minutes of transcript below
Thousands of transcripts fetched by people building searchable podcast archives
Try it now — copy, paste, done:
curl -H "x-api-key: pt_demo" \
https://spoken.md/transcripts/1000651996090
Works with Claude, ChatGPT, Cursor, and any agent that makes HTTP calls.
From $0.10 per transcript. No subscription. Credits never expire. Prices exclude VAT, added at checkout for EU customers. Not what you expected? Email us within 14 days with 20 or fewer credits used and we refund the pack in full.
Using your own key:
curl -H "x-api-key: YOUR_KEY" \
https://spoken.md/transcripts/YOUR_EPISODE_ID