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TALK: Was ist eigentlich mit Imelda Marcos' Schuhen passiert?

International

August 8, 2026

Die nach der Flucht zurückgelassenen Schuhe machten die frühere First Lady der Philippinen weltweit berühmt. Ein Teil von ihnen ist heute in einem Museum. Die einst aus dem Amt gejagte Marcos-Familie ist inzwischen wieder an der Macht und streitet sich mit einer anderen mächtigen Familie.
Speakers: Martin Aldrovandi

Topics: News

**SPEAKER_1** (0:01)
SRF-Audio In der Sendung International schauen wir jetzt auf Asien, genauer gesagt auf die Philippinen. Vor rund 40 Jahren ist dort Familie Marcos mit dem Helikopter vom Präsidentenpalast in Manila geflüchtet. Zwei Jahrzehnte lang hat er Ferdinand Marcos vorher die Philippinen mit härter Hanger regiert und geblündert. Mit seiner Familie hat er in Saus und Braus gelebt. Die Schulsammlung seiner Frau Imelda war weltweit berühmt berüchtigt.
Heute dominieren in den Philippinen wieder zwei mächtige Familienclans, die sich gegenseitig bekämpfen und das ganze Land ausspalten. Unser Südostasiekorrespondent Martin Aldrovandi war in den Philippinen unterwegs. Martin, erzähl uns schnell etwas von deiner Reise. Als erstes nimmt es mich natürlich ganz spontan die Schuhe von Imelda und der Familie Marcos. Heute eigentlich noch ein Thema.

**Martin Aldrovandi** (0:53)
Ja, die sind durchaus noch ein Thema. Man kann auch einen Teil der Schuhe anschauen. Was mich überrascht hat, man weiss eigentlich nicht genau, wie viele es sind. Es wurde immer von 3'000 Paaren gesprochen. Später hatten es nur 1000 Paare, aber das sind immer noch sehr viele. Es gibt mehrere hundert Paare, die sind ausgestellt in einem Schuhmuseum bei Manila. Die kann man auch anschauen und die bin ich natürlich. Da gibt es wirklich alles von Stöckelschuhen bis Stifel, alle möglichen Fabrikaten, Farben, alles schön sortiert. Auch verschiedene Marken. Ich habe auch Schweizer Marken dort gesehen und sogar ein Schuhe-Telefon, das sie mir gesagt haben. Das hat sie auch gehört, also ein Telefon in Schuhform.
Was mich immer ein wenig überrascht, ist, dass das Image der Imelda Marcos gar nicht mal so schlecht ist. Das kommt natürlich auch, wenn man fragt, auch wenn man wirklich denkt, das war ja eine sehr korrupte Regierung, muss man sagen. Diktatur eigentlich.
Ihr Mann Ferdinand hat das Land diktatorisch regiert, hat auch Kritiker folteren lassen, die Leute wurden ermordet, dann hat man Milliarden Gelder abgezügelt, während die eigene Bevölkerung in Armut gelebt hat. Und dann, Mitte der 80er-Jahre, musste die Familie dann flüchten wegen der Revolution, und zwar per Helikopter vom Präsidentenpalast. Und jetzt aber, also in ein paar Jahren, ist Ferdinand Bong-Bong Marcos Junior, das ist der Sohn des früheren Diktators und der Ex-First Lady. Der ist jetzt Präsident.

**SPEAKER_1** (2:18)
Und diese Tatsache stört die Leute nicht?

**Martin Aldrovandi** (2:21)
Ja und nein. Es ist recht kompliziert. Es gibt verschiedene Gründe. Es gibt eine gewisse Geschichtsvergessenheit. Viele Leute interessieren das nicht mehr. Oder, weil die Philippinen eine junge Bevölkerung haben, viele Leute waren dann noch gar nicht auf der Welt. Und dann gibt es auch viele Leute, die einfach keine Zeit haben, sich mit den Details der Politik zu beschäftigen, weil sie einfach im Alltag so ausgelastet sind, sich selber, ihre Familie zu ernähren, also darunter zu bringen. Und dann das Comeback von Marcos ist auch gelungen, weil sie mit einem anderen Clan zusammengearbeitet haben. Jetzt wird es ein bisschen kompliziert. Das ist der Tuterte-Clan. Das ist der Vorgängerpräsident. Und dann haben sie mit der Tochter des Ex-Präsidenten zusammenkandidiert, konnten die dritte Kandidatin ausstechen und haben dann die Wahlen geschafft.
Und dann kurz danach, nach den Wahlen, ist die Allianz wieder auseinandergefallen und seitdem bekämpfen sich die beiden Familien. Also wirklich mit harten Bandagen. Rodrigo Tuterte, der Ex-Präsident, ist nach Den Haag ausgeliefert worden von seinem Nachfolger an den Internationalen Strafgerichtshof. Und gegen seine Tochter, also gegen seine eigene Vizepräsidentin sozusagen, läuft derzeit ein Amtsenthebungsverfahren.

**SPEAKER_1** (3:31)
Also man merkt schon, wenn man dir zulässt, selbst du hast Mühe, alles im Überblick zu halten. Wie schwierig ist es denn überhaupt, diesen Überblick zu behalten?

**Martin Aldrovandi** (3:39)
Ja, es ist wahnsinnig kompliziert und es ist noch viel komplizierter, als ich es jetzt erklärt habe. Das war jetzt wirklich nur eine einfache Zusammenfassung.
Was noch dazukommt, und das hat sehr viele Leute überrascht, die Vizepräsidentin, die Sarah Tuterte vom Tuterte Clan, die hat ja auch noch den Präsident Marcos, also ihren eigenen Präsidenten, mit dem Tod bedroht, öffentlich. Und auch seine Ehefrau und sein Cousin in einer Online-Pressekonferenz. Das ist dann viral gegangen. Die sind jetzt wirklich sehr, sehr tief zerstritten. Und ein Politologe hat mir wirklich gesagt, es sei eine Seifenoper, also eine Art Netflix-Serie mit Intrigen und Verraten, die irgendwie alle gegen alle vorgehen. Leider ist es eben real und für das Land natürlich schlimm, weil das Ganze spaltet die Philippinen natürlich tief.

**SPEAKER_1** (4:21)
Gibt es keine Alternative zu diesen Familienclans?

**Martin Aldrovandi** (4:24)
Also es gibt, und jetzt wird es noch schlimmer, es gibt noch weitere Familienclans, die über eine Politik mitmischen. Die sind dann auch häufig lokal und regional verankert, richtigen Dynastien. Und trotzdem gibt es Leute, die versuchen, gegen diese anzutreten. Ich habe mit einer Politikerin geredet, die das zweimal probiert hat, zweimal gescheitert ist, in ihrem Fall gegen den Duterte-Clan. Und sie hat mir etwas erzählt, wie schwierig das ist. Mal natürlich finanziell ist sie als unabhängige Politikerin viel schlechter aufgestellt. Dann haben die Clans nicht nur mehr Geld, sondern die haben natürlich riesige Wahlkampagnen, die haben freiwillige Helferinnen und Helfer, die das nachher auszahlen können. Oder Geschenke direkt für die Wähler später. Oder weil die eben auch die verschiedenen Regierungen kontrolliert, könnte der Wähler dann auch unterstützen, versprechen, dass sie später ein Amt bekommen. Das ist alles sehr, sehr schwierig für Leute, die das Ganze sauber und unabhängig machen möchten.

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