**SPEAKER_1** (0:01)
SRF AUDIO In der Sendung International gehen wir ja meistens in ein Ferienland. Erfahren aus diesem Land irgendetwas und in der heutigen Sendung International gehen wir nicht weit geografisch, sondern zu unseren Nachbarn auf Deutschland. Simone Fatzer, die für uns in Berlin ist, hat die neuste Sendung International gemacht und da geht es um Deutschlandretterinnen und Retter. Ganz nach dem Motto Machen und nicht motzen.
Simone Fatzer, vor was muss man Deutschland retten?
**Simone Fatzer** (0:34)
Vor dem Untergang hat man manchmal das Gefühl. Das ist ja mit dem Nogenzwinkern gemeint. Aber die Ausgangslage ist an sich eine ernste, wo man heran schaut und heran hört, wird viel heruntergemacht, kritisiert, gejammert.
Mir geht das Negative manchmal auf den Wecker. Ich habe gemerkt, das geht auch anderen so. Ich war nicht Happy-Freude-Eierkuchenin. Oh, dass es gerade schwierig ist. Die deutsche Wirtschaft wächst nicht. Die legendären deutschen Autoverkaufs sind nicht mehr gut. Zehntausende Stellen werden abgebaut. Jetzt geht wieder voll weh. Es ist wirklich schwierig.
Aber man muss wirklich ausschliesslich liegen. Dort habe ich quasi angesetzt. Jetzt schaue ich mal. Auch dort, wo es nicht läuft, läuft es ja. Es gibt immer Leute, die arbeiten an den Problemen. Und zu diesen Leuten wollte ich.
**SPEAKER_1** (1:17)
Also du bist der Herr, der es besonders schlecht läuft. Nimm ihn an zur deutschen Bahn.
**Simone Fatzer** (1:22)
Ja, selbstverständlich siehst du sogar aus. Sie hat einfach ihren Ruf. Und das auch zu Recht. Es läuft wirklich chaotisch. Und das ist so ein wichtiger grosser Betrieb im Alltag der Deutschen, wenn die nicht funktionieren. Diese Bahn hat man schon fast das Gefühl, der Staat versäge ich alle für die Reihen. Die Augen, das Stichwort DB kommt. Ich bin wirklich sehr viel unterwegs mit der Bahn und erlebe auch viel. Ich plane immer so zwei, drei Stunden die Buffer ein. Und wenn ich auf dem Péron warte und es kommt mal wieder ein Zug nicht, dann stehen da immer auch Angestellte, die in dem Zug, der nicht kommt, anfangen müssen zu arbeiten. Und da ist es auch ein bisschen zu zwanzig. Ja, aber den Job, den sie haben, das ist also ziemlich happig. Dieser Dienstplan ist häufig einfach für die Füchse. Und ein anderes Beispiel Infrastruktur. Jetzt fallen Brücken zusammen.
Eine Brücke ist zusammengefallen, dann werden Brücken gesperrt. Einfach weil ewig nichts gemacht wurde und es stürzt die ganze Region ins Verkehrskal. Und auch dort hat es ja Leute, die bauen Strassen, die brauen mit den Händen die Zukunft Deutschlands. Und dann war ich noch bei einem Becken, da gehen besonders viele in Deutschland, die sind sehr unter Druck. Und da war ich so bei einem Schnüsel-Handwerksbecken, so mit einem 60er-, 70er-Jahrenterieur.
Und der läuft einfach super. Und der macht noch nach dem DDR-Rezept Schrippen, also das sagen Berliner den Mützchen. Und seine neueste Kreation übrigens Rüblikuchen.
**SPEAKER_1** (2:39)
Also wie ein Apfelkuchen, nur mit Rübeln?
**Simone Fatzer** (2:42)
Ja, nein, ich glaube, ich konnte ihn alleine nicht probieren. Es ist ein Saisonding. Ich glaube, es orientiert sich schon tatsächlich ein wenig an unseren Rübletorten. Und lustig finde ich einfach, das finde ich schön in Deutschland auch, die Deutschen sagen ja Karotten, Möhren oder Wurzeln. Niemand sagt Rübeli, aber der Kuchen heisst Rübelkuchen.
**SPEAKER_1** (2:59)
Rübelkuchen. Was war dir besonders wichtig bei deinen Reportagen?
**Simone Fatzer** (3:03)
Ganz an die Basis zu gehen. Also wirklich zu denen, die unspektakulär ihren Job machen, Tag itag aus. Wie arbeiten die, wie schauen die auf die Stimmung, zieht das die mit runter, was motiviert sie. Also Straßenbau, da hatte ich wirklich Glück, dass das Unternehmen gesagt hat, ja wir zeigen gerne, wie das läuft. Und das ist ja nicht selbstverständlich, die nehmen sich Zeit, haben Aufwand, die wissen nicht so genau, was die Schweizer Journalistin eigentlich will.
Und dann haben mich da nicht einfach irgendeinen PR-Mensch in das Schleppdoll bekommen, sondern ich konnte wirklich mit dem Polier mit auf einer riesigen Autobahn-Bau-Stelle, auf der A3. Und bei der Bahn auch gleich, ich wollte mit einem Zugbegleiter mit, und da hat die Deutsche Bahn abgeblockt. Dann bin ich halt bei der Regionalbahn mit und habe aber einen Gewerkschafter gefunden, der in der Fernzeugschaft der Deutschen Bahn arbeitet. Und der hat also ziemlich freie Schnalzen. Und beim Beck bin ich halt in der Bachstube gestanden. Aber ich gebe zuerst ab den Sechsen.
**SPEAKER_1** (3:55)
Gut. Wie ist denn grundsätzlich die Stimmung der Basis, die du erlebt hast?
**Simone Fatzer** (3:59)
Mein Eindruck hat sich bestätigt, das finden alle, dass zu viel geklagt wird. Und die, die in solchen Service-Berufen arbeiten, bekommen das einfach voll ab. Und es kommt noch etwas dazu, was ich gar nicht gedacht habe. Seit Corona sind viele Leute ziemlich aggressiv getroffen. So dünn, dick, kurze Zündschnur. Dann erzähle ich mir also die Strassenbauer z.B., die krampfen bei 40 Grad. Das waren 40 Grad, als ich dort auf der Autobahn war.
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