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TALK: Kaum Privates, keine Skandale – wie schafft Meloni das?

International

August 29, 2026

Es ist ungewohnt für Italiens Politik: Über Giorgia Melonis Privatleben ist nur sehr wenig bekannt und sie selbst ist in keinerlei Skandale verwickelt. Italienkorrespondent Franco Battel erklärt, wie Meloni sich der Aufmerksamkeit der Boulevardmedien zu entziehen vermag.
Speakers: Franco Battel

Topics: News

**SPEAKER_1** (0:01)
SRF-Audio Giorgia Meloni bricht den Rekord. Noch nie hat ein italienischer Regierungschef so lange am Stück regiert wie sie jetzt. Also in diesen Tagen, genauer gesagt am 4 September, überholt Giorgia Meloni Silvio Berlusconi, der ja bis jetzt den Rekord gehalten hat. Die rechtskonservative oder rechtspopulistische Politikerin bleibt die dominierende Kraft in Italien.
Aber wer ist sie eigentlich? Und wenn Sie jetzt denken, das wissen wir doch alle längstens, das stimmt so nicht ganz. Weil vieles an Giorgia Meloni ist eben gar nicht so bekannt, wie man meint. Und über das reden wir jetzt mit unserem Italienkorrespondent Franco Battel, der eine Internationalsendung gemacht hat zu diesem Rekord von Giorgia Meloni. Franco, weiss man eigentlich, wo und wie diese Giorgia Meloni wohnt? Also schaust du hier bei ihr Zuhause die Paparazzi vor den Haus durch?

**Franco Battel** (1:00)
Nein, das ist nicht so. Dazu muss man wissen, in Italien ist der Sitz der Regierung nicht auch gleichzeitig die Wohnung des Premierministers. Das ist also anders als z.B. in Paris, wo der Präsident im Elysee-Palast wohnt, oder im Wieser Haus, wo der US-Präsident auch im Wieser Haus wohnt. Also in Italien wohnt der Premier nicht im Regierungspalast im Palazzo Chigi.
Man weiss zwar, dass Meloni in einer grossen Villa irgendwo in einem Römer-Aussenkwartier wohnt, aber es gibt keine Fotos von ihr vom Haus oder z.B. von diesem grossen Swimmingpool, den es dort gibt. Meloni leitet also viel Wert auf die Privatsphäre und würde sie auch von den meisten grossen italienischen Zeitungen oder TV-Stationen eingehalten.

**SPEAKER_1** (1:50)
Scheint interessant, die aktuell wahrscheinlich prominenteste Frau von Italien kann ihren Wohnsitz tatsächlich geheim halten. Woher kommt sie?

**Franco Battel** (2:00)
Meloni ist tatsächlich Römerin, sie kam auf die Welt und sie hat Rom eigentlich auch nie verlassen. Sie hat immer hier in Rom gewohnt.
Man weiss, sie kommt nicht aus dem vornehmen Rom, also nicht aus dem teuren historischen Stadtzentrum und auch nicht aus einem der vornehmen Quartiere, wie Parioli oder Prati, sondern sie stammt aus einem eher bescheidenen Quartier, ein bisschen südlich vom Zentrum, nämlich aus der Garbatella. Dort wuchs sie bei ihrer Mutter auf, der Vater verlor die Familie. Bleiben ist Meloni aus dieser Zeit vor allem die Sprache von dort. Man hört bei Meloni, auch wenn sie hochitalienisch spricht, immer noch ganz klar ihren Römerdialekt heraus. Ihren Römerdialekt ist fast so etwas wie ein Margenzeichen. Sie spricht, so hat man den Eindruck, oder sie vermittelt den Eindruck, die Sprache der einfachen Leute zu sprechen.

**SPEAKER_1** (2:55)
Was weiss man dann eigentlich über das Privatleben dieser Frau?

**Franco Battel** (3:00)
Man weiss, dass sie nie verheiratet war und man weiss, dass sie ein Kind hat, nämlich eine Tochter. Aber man sieht diese Tochter nie. Das Kind wird völlig abgeschirmt von den Medien. Oder wenn es dann trotzdem mal eine Foto ihrer Tochter gibt, dann wird das Gesicht ihrer Tochter unkenntlich gemacht. Also vollkommen zu Recht wird die Privatsphäre von diesem Kind und auch von Giorgia Meloni gewahrt. Ob Meloni aktuell in einer Beziehung lebt, darüber spricht Meloni nicht. Sie tritt immer, aber alles, was sonst andere Politikerinnen und Politiker sich mit Partnern zeigen, alleine auf.
Ihr Privatleben ist also ein ganz seltenes Thema. Das ist ganz anders als etwa beim Silvio Berlusconi, der sein Privatleben ja nur allzu öffentlich zelebriert hat und wo man Details erfahren hat, die man eigentlich lieber gar nicht gewusst hätte.

**SPEAKER_1** (3:51)
Hast du Meloni als Journalist mal persönlich getroffen oder interviewen können?

**Franco Battel** (3:57)
Nein, das ist schwierig. Ein Interview bei Giorgia Meloni zu bekommen, ist wirklich schwierig. Aber ich habe sie natürlich bei öffentlichen Anlässen erlebt. Zum Beispiel, als sie ihrem Regierungssitz in Rom, eben in dem Palazzo Gigi, die damalige Bundespräsidentin Viola Amherd empfangen hat. Dort waren auch Schweizer Journalistinnen und Journalisten dabei.
Exklusive Interviews gibt Meloni nur sehr selten. Wenn sie solche Interviews gibt, dann nur grossen italienischen oder internationalen Medien. Sonst aber kommuniziert Meloni v.a. über die sogenannten Socials. Sie posten einen Text, eine Foto oder ein Video. Mehrheitlich kommuniziert sie auf diese Weise, ich würde sagen auf eine Art Einbahnstrasse. Italienische Journalistinnen und Journalisten kritisieren darum und sagen, Meloni sei der direkte Kontakt zu den Medienschaffenden. Unter dem Strich bleibt der Eindruck, im Umgang mit den Medien ist Meloni sicher nicht besonders souverän, eher ängstlich. Kritische Fragen weicht sie aus.

**SPEAKER_1** (5:01)
Giorgia Meloni hat schon als junge Frau begonnen, politisieren zu können. Damals bei den italienischen Postfaschisten. Merkt man das auch heute noch, dass sie ganz am rechten Rand politisiert hat?

**Franco Battel** (5:14)
Meloni ist als junge Frau tatsächlich in einer postfaschistischen Partei beigetreten im Movimento Sociale Italiano. Im Logo der heutigen Partei von Meloni bei Fratelli d'Italia sieht man noch immer in Miniatur das Logo des Postfaschismus in Italien, nämlich die Tri-Colore-Flamme.
Giorgia Meloni hat sich wahrscheinlich auch darum nie als Anti-Faschistin bezeichnet. Aber Meloni hat unterdessen die Zeit unter dem Diktator Mussolini ausdrücklich kritisiert und vor allem die Judenverfolgung und den Holocaust. Und ihre Unterstützung z.B. für die Ukraine begründen Meloni damit, dass sie der Ukraine helfen will, ihre demokratische Ordnung zu verteidigen. Ich würde Meloni heute als rechtskonservativ bezeichnen und in gewissen Bereichen, v.a. bei der Migrationspolitik, auch als rechtspopulistisch. Aber sie hat ganz klare postfaschistische Vergangenheit und bei einzelnen Exponenten ihrer Partei, würde ich sogar heute noch sagen, bei denen ist der Postfaschismus immer noch wichtig und dominant. Das sind Leute, die heute noch den Ex-Diktator Mussolini verherrlichen.

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