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TALK: Insel Gotland: Was bedeutet die Rückkehr der Militärs?

International

August 15, 2026

Nach dem Kalten Krieg zog das neutrale Schweden seine Truppen ab. Mit dem Nato-Beitritt vor zwei Jahren erfolgte eine grosse Wende. Für "International" hat SRF-Nordeuropakorrespondent Bruno Kaufmann Gotland besucht und erzählt über seine Begegnungen und einen Flashback in die 1980-er Jahre.
Speakers: Bruno Kaufmann

Topics: News

**SPEAKER_1** (0:01)
SRF-Audio Gotland.

**SPEAKER_2** (0:05)
Vielleicht habt ihr diesen Namen früher mal in einem Ferienprospekt begegnet. Gotland ist eine Insel, hat eine Größe vom Kanton Bad und wohnen hier auf der Fläche etwa gleich viele Leute wie in der Stadt Biel.
Gotland gehört zu Schweden und war vor allem lange etwas, nämlich ein beliebter Ferienort für Schwedinnen und Schweden. Tausende sind jedes Jahr auf diese Insel gereist. Es ist die grösste Insel in der Ostsee. Und wenn man Gotland auf der Karte sucht, liegt es etwa in der Mitte zwischen Schweden und den baltischen Staaten. Seit Jahrhunderten spiegelt das Leben auf Gotland, also die politischen Entwicklungen rund um die Ostsee. Und da läuft im Moment ja wieder sehr viel. Bruno Kaufmann ist Nordeuropa-Korrespondent für SRF. Er ist jetzt im Sommer wieder einmal auf Gotland gereist, um den Puls zu fühlen, und zwar für die SRF-Sendung International. Bruno, was ist bei dieser Reise aufgefallen?

**Bruno Kaufmann** (0:55)
Ich bin gerade zweimal hergefahren, einmal im Juni eine Woche und dann noch einmal im Juli aus, um ein bisschen die Unterschiede zu spüren, zwischen dem Alltag auf Gotland, wo noch die Schule stattfindet, und auf der anderen Seite dann den Sommer betrieben mit allen Touristen. Aber was mir aufgefallen ist, man muss ja mit der Fähre drei Stunden vom Festland vom Schwedischen nach Gotland fahren, schon im Hafen. Dann in Wiesbiet habe ich einfach gemerkt, da ist eine andere Stimmung, da gibt es ganz viele, nicht einfach Jachten und Fähren von Passagieren, sondern auch viele militärische Fahrzeuge. Es gab französische Frigate, deutsche. Und dann auch auf dem Land, da gibt es ganz viele Leute in Uniformen. Das ist schon etwas Neues, das ich so noch nie erlebt habe.

**SPEAKER_2** (1:38)
Ist es auch etwas Neues für die Insel, die an einem strategisch wichtigen Ort liegt?

**Bruno Kaufmann** (1:43)
Ich würde schon sagen, ja.
Es ist wirklich eine grosse Veränderung. Vor drei, vier Jahren war ich das letzte Mal auf Reportagen, auf Gotland. Erstens habe ich damals fast nichts gesehen, das etwas Militärisches erinnerte. Es gab zwar schon Aufbauarbeiten für Stützpunkte, für Kasernen, aber Schweden war damals noch ein neutraler Staat. Vor zwei Jahren ist mir der NATO beigetreten.
Er ist jetzt eigentlich in einem sehr strategischen Ort gar nicht so weit weg. Etwa 300 km vor der russischen Exklave Kaliningrad. Dort hat man in den letzten Jahren massiv aufgerüstet. Man kann sagen, der Eindruck ist wirklich von einem Rückzugsgebiet, einer Art Friedensinsel, ist mir jetzt wirklich zu einem NATO-Stützpunkt geworden.

**SPEAKER_2** (2:33)
Du bist ja nicht nur in der Hauptstadt Weissburg gewesen, sondern du bist auch quer über die Insel gereist. Also bist du dort auf dem Land aus? Ist da etwas zu spüren von der Militarisierung, die du beschrieben hast?

**Bruno Kaufmann** (2:44)
Ja, ich würde schon sagen, ich bin zu Fuss unterwegs gewesen, mit dem Velo tagelang, auch wirklich vor Ort unterwegs gewesen, habe Bus genommen, bin aber auch mit Leuten vor Ort herumgefahren, die mir Sachen gezeigt haben, auch mit Militärs, die mir Sachen gezeigt haben, die man sonst nicht sehen würde. Und ich würde sagen, die Veränderungen sind schon massiv. Also z.B. südlich von Wiesbü ist ein riesiges Naturschutzgebiet, wo ich eben noch gewandert bin vor wenigen Jahren. Das ist jetzt ein abgesperrter Stützpunkt, das ist auch ein Schiesplatz, dort fahren die Panzer herum. Und wir haben es dann auch Überlandsstrassen gezeigt, mitten in die Inseln, wo Militärs schauen, wie sie sie im Konfliktfall oder im Übungsfall für Flugzeuge brauchen können. Also eine riesige Schneise in den Wäldern, um eben landen zu können. Wir kennen das ein bisschen von der Schweiz, wo man das bei Autobahnen auch geübt hat. Und vor allem an der Ostküste gibt es dann auch ganz viele Radar-Anlagen und Überwachungsanlagen. Das sind Einrichtungen, um auch gegen Osten, gegen Russland zu schauen, was passiert.

**SPEAKER_2** (3:49)
Jetzt ist eben Gotland eigentlich eine beliebte Ferieninsel noch. Was bleibt vom friedlichen und lieblichen Gotland, wenn so viel Militär dort ist und wenn so viel in die Aufrüstung investiert wird?

**Bruno Kaufmann** (4:00)
Ja, das fragen viele Besucherinnen und Besucher, aber auch Leute, die dort wohnen. In den letzten Jahrzehnten hat man sich gewohnt, dass Gotland eine Art Destination ist, in der man sich trifft, in der man sich erholen kann, wo man weit weg ist von allen Problemen. Ich würde sagen, es ist nicht einmal in der Wirklichkeit vor Ort ein solcher Riesenunterschied, aber die Erzählung um Gotland, wie man Gotland selber sieht, das sogenannte Narrativ, hat sich wirklich verändert. Von Tag auf Nacht, auch in der Berichterstattung, gehört man sehr wenig von diesem idyllischen Feriengebiet und sehr stark von der militärischen Rolle.
Gerade auch der NATO-Beitritt von dem neutralen Schweden hat natürlich für viele Schwedinnen und Schwede und Gotländer auch dazu geführt, dass sie jetzt auch zu Recht etwas Angst haben, dass in einem Konfliktfall eine Insel wie Gotland vielleicht eines der ersten Ziele wäre, das direkt betroffen wäre. Und das sorgt natürlich für viel Unruhe.

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