Stimmen aus dem Iran: Vom Aufbruch in die Verzweiflung artwork

Stimmen aus dem Iran: Vom Aufbruch in die Verzweiflung

International

August 19, 2026

Anfang Jahr protestierten Hunderttausende im Iran für Freiheit. US-Präsident Donald Trump versprach Unterstützung, brachte aber Zerstörung – einen Krieg zwischen dem Iran und den USA. Gefangen zwischen dem eigenen Regime und den US-Angriffen verhallen die iranischen Rufe nach Freiheit im Nichts.
Speakers: Thomas Guttersohn

Topics: News

**SPEAKER_1** (0:01)
SRF-Audio Begleitet wird, dass der US-Präsident immer wieder wieder wiederholt, die USA hätten die stärkste Armee der Welt. Doch selbst diese kann manchmal so hart getroffen werden, dass sie nicht mehr aufrecht stehen kann.

**Thomas Guttersohn** (0:22)
Das waren die Worte des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Khamenei elf Tage vor seinem Tod am 28 Februar, als die USA und Israel den Iran angriffen.

**SPEAKER_3** (0:32)
A short time ago, the United States military began major combat operations in Iran.

**Thomas Guttersohn** (0:39)
US-Präsident Donald Trump informierte damals über den Einsatz und nannte die iranische Führung eine bösartige Gruppe von grausamen Menschen.
Zwischen diesen beiden Positionen gefangen stand das iranische Volk.
Sie wünsche sich weder den Erhalt des Regimes noch den Zerfall ihres Landes, sagte die 62-jährige Mahdab per Sprachnachricht aus dem Iran. Das war Anfang Jahr, was darauf folgte, war damals noch kaum absehbar.
Da waren die Proteste und deren Niederschlagung im Januar, der Krieg und die Zerstörung in den Monaten darauf. Dazu kamen eine Internetsperre, die Blockade der Strasse von Hormus und die ohnehin schon grossen wirtschaftlichen Probleme im Land. Wie haben die Menschen im Iran das letzte halbe Jahr erlebt? Vom Aufbruch in die Verzweiflung, ein halbes Jahr Einstimmen aus dem Iran. International. Mein Name ist Thomas Guttersohn. Die Iranerinnen und Iraner haben viel durchgemacht in diesem halben Jahr. Ich stand mit einigen von ihnen über diese Zeit in Kontakt. Wann immer möglich, schickten sie über Vertrauenspersonen im Ausland Sprach- und Textnachrichten und teilten ihre Sicht der Dinge. Ihre Namen wurden aus Sicherheitsgründen geändert, denn schon allein der Kontakt mit einem ausländischen Journalisten könnte sie in Gefahr bringen. Kapitel 1– Die Proteste Staatliche Repression ist keineswegs neu im Iran. Sie hat aber seit dem Zwölf-Tage-Krieg von letztem Jahr deutlich zugenommen. Der Iran verzeichnete letztes Jahr 2.159 Hinrichtungen, so viele wie seit dem ersten Golfkrieg in den 1980er Jahren nicht mehr. Zudem belastete die immer schlechter laufende Wirtschaft die Bevölkerung zunehmend. Die iranische Währung brach innerhalb eines Jahres um 96 Prozent ein und im letzten November kam noch ein ganz anderes Problem dazu. Eine Dürre.

**SPEAKER_4** (2:42)
Wenn es nicht regnet, müssen wir in Teheran, in Azermah, die Girolande machen.

**Thomas Guttersohn** (2:48)
Irans Präsident Massoud Peseshkian warnte damals die Bevölkerung, dass das Wasser in der Hauptstadt Teheran rationiert werden müsse. Andernfalls sehe er sich gezwungen, ganze Quartiere zu evakuieren.
Seine Botschaft legte die grassierende Misswirtschaft im Iran offen, doch von Schuld eingeständnis keine Spur. Der Staat war offensichtlich nicht einmal in der Lage, die Grundbedürfnisse der Bevölkerung zu decken, während die Repression zunahm und die Wirtschaft immer weiter einbrach. Das führte Anfang dieses Jahres zu mehr und mehr Unmut in der Bevölkerung. Zuerst waren es die Händler und Ladenbesitzer, die einflussreichen Basadi, die als Protest ihre Läden schlossen, wie der 30-jährige Mohamed aus der Stadt Yesd.

**SPEAKER_1** (3:33)
Die Lage ist wirklich ernst. Die Inflation lastet schwer auf der Bevölkerung. Meine Kunden können sich kaum noch Gemüse oder Früchte leisten. Ich bleibe auf der Ware sitzen.
Mir bleibt nichts anderes übrig, als meinen Laden zu schliessen. Für die nächsten Tage sind grosse Demonstrationen angesagt. Mal sehen, was da passiert.

**Thomas Guttersohn** (4:03)
Dem Protest der Händler schlossen sich Anfang Januar immer mehr Menschen an.
In allen größeren Städten gingen Hunderttausende auf die Strasse. Sie riefen Tod dem Diktator. In Isfahan nahm Demonstrierende das Gebäude des staatlichen Drangfunks ein. Das weckte bei vielen Hoffnung auf einen baldigen Sturz des Regimes, auch bei Sourouj, einem Unternehmer aus Teheran.

**SPEAKER_4** (4:30)
Ich denke, dass die Verbrechen neu begonnen sind und sich weiterentwickelt haben.

**SPEAKER_1** (4:38)
Diese Proteste haben gerade erst begonnen und werden sich ausweiten. Ich bin sicher, wir stehen vor einem Umbruch. Es wird zu grundlegenden Veränderungen im Iran führen.
Aber ich hoffe, dass diese Veränderungen nicht von Krieg oder von aussen beeinflusst werden, sondern dass wir das aus eigener Kraft erreichen.

**Thomas Guttersohn** (5:01)
Doch die Proteste waren schon damals keine rein inneriranische Angelegenheit mehr. Aus dem Ausland rief Reza Pahlavi, der Sohn des letzten Shahs, über soziale Medien und Portale der iranischen Diaspora, zu Großkundgebungen am Wochenende vom 8 und 9 Januar auf.
Er habe die Proteste der Ladenbesitzer verfolgt und bewundere deren Widerstand, sagt Pahlavi, untermalt von heroischer Musik. Er betont, eine grosse Menschenmenge könne die Sicherheitskräfte zum Rückzug zwingen und diese würden sich über kurz oder lang den Protestierenden anschliessen.

**SPEAKER_5** (5:43)
Die Verwaltung der Gesellschaft erlaubt, dass die Nieren zurückkehren und die Möglichkeit des Riesens auf deine Seite erhöhen.

**Thomas Guttersohn** (5:49)
Das Gegenteil traf ein.
Mit eiserner Faust gingen die iranischen Ordnungskräfte gegen die Demonstrierenden vor. Handyaufnahmen zeigen, wie Militärlastwagen in die Menge fahren und wie regierungsnahe Milizen die Protestteilnehmer regelrecht abschießen. Wie viele Menschen dabei ums Leben kamen, ist umstritten. Die Regierung spricht von 3'000 Opfern, die UNO von 5'000. Das Time-Magazin beziffert die Zahl unter Berufung auf zwei anonyme Quellen aus dem iranischen Gesundheitsministerium, sogar auf etwa 30'000 Menschen. Das Internet wurde blockiert, um regierungsfeindliche Versammlungen zu unterbinden.

13 more minutes of transcript below

Thousands of transcripts fetched by people building searchable podcast archives

Feed this to your agent

Try it now — copy, paste, done:

curl -H "x-api-key: pt_demo" \
  https://spoken.md/transcripts/1000651996090

Works with Claude, ChatGPT, Cursor, and any agent that makes HTTP calls.

From $0.10 per transcript. No subscription. Credits never expire. Prices exclude VAT, added at checkout for EU customers. Not what you expected? Email us within 14 days with 20 or fewer credits used and we refund the pack in full.

Using your own key:

curl -H "x-api-key: YOUR_KEY" \
  https://spoken.md/transcripts/YOUR_EPISODE_ID