**Christian Vormburg** (0:01)
SRF Audio 48,8 Grad Celsius, das ist zurzeit der Temperaturrekord für Europa.
Gemessen wurde er in Syrakus auf Sizilien. Vor zwei Jahren war die Düre so gross, dass die Bauern gezwungen waren, Tiere notzuschlachten und Zitronenbäume auszureissen. Sizilien gilt eigentlich als Kornkammer Italiens seit mehr als 2000 Jahren. Doch jetzt droht das Innere der Insel zur Wüste zu werden.
**Davide Faranda** (0:34)
Die Sahara dehnt sich mit dem Klimawandel immer weiter aus nach Norden. Auch wenn wir es nicht sehen, ist sie bereits in die südlichen Gebiete Europas eingezogen.
**Christian Vormburg** (0:47)
Wie gehen die Sizilianischen Bauern und Bauern um mit dieser Situation? Können sie sich anpassen? Und woher beziehen Länder wie die Schweiz in Zukunft im Winter Gemüse und Früchte, wenn die Trockenheit im Mittelmeerraum weiter zunimmt? Eine Kornkammer wird zur Steppe. International. Die Zukunft der Landwirtschaft auf Sizilien. Mein Name, Christian Vormburg.
Es ist absurd. Wir stehen in einer der heißesten Regionen Europas. Im Sommer wird es regelmässig über 40 Grad heiß hier in der Region von Katéna Nuova. Aber jetzt regnet es.
Der Bauer, Salvatore Passamonte, schaut über die saftig grünen Weizenfelder. Lange konnte er dieses Jahr mit dem Traktor gar nicht reinfahren, weil es so nass war. Es ist Anfang April und es regnet wie seit langem nicht mehr.
**Davide Faranda** (1:48)
Das sind die Nachteile des Klimawattels.
Nicht jedes Jahr gibt es eine Dürre. All diese Regen dieses Jahr, das ist genauso abnormal wie die Dürre.
**Christian Vormburg** (2:01)
Es sind die Extreme, die den Bauern zu schaffen machen. Denn vor zwei Jahren war es umgekehrt so trocken, dass Tankwagen das Trinkwasser in die Städte und Dörfer bringen mussten.
**Salvatore Passamonte** (2:12)
Das Wasser wurde in Autos verpackt und in die Städte und in die Städte gebracht. Für die Agrarindustrie war das nicht möglich.
**Christian Vormburg** (2:20)
Für die Landwirtschaft hingegen gab es kein Wasser. Der Weizen verdorhte auf dem Feld.
**Salvatore Passamonte** (2:26)
Es war ein großes Problem, weil ich alles Gras verloren habe.
**Christian Vormburg** (2:31)
Er verlor die ganze Ernte. Dabei galt Sizilien schon den Griechen und Römern als wichtige Kornkammer.
**Salvatore Passamonte** (2:37)
Für die Romaner und die Griechen war das sehr wichtig. Es war der Granaio von Roma.
**Christian Vormburg** (2:44)
Hier im Inselinneren brauchte es nie eine Bewässerung. Für eine reiche Ernte genügte der Winterregen.
Im Verlauf der letzten gut 100 Jahre aber ist die Erntemenge um zwei Drittel zurückgegangen. Das habe nicht nur mit dem Klimawandel zu tun, sagt Bauer Salvatore Passamonte, sondern auch mit dem stetig sinkenden Gewinn, den die Bauern mit dem Getreide machten. Neben Passamonte steht der Agronom Paolo Caruso von der Universität Catania und nickt. Weil Italien viel Pasta exportiere, habe das Land schon früher 30% des gesamten Getreides importieren müssen. Unterdessen aber sei der Importanteil auf 50% gestiegen. Jetzt kommt das Getreide für die italienische Pasta von der ganzen Welt.
**Davide Faranda** (3:35)
Aus Kanada, aus der Türkei, aus der Ukraine, den USA, Australien, kurz von fast überall her, wo Hartweizen produziert wird.
**Christian Vormburg** (3:48)
Für Ersatz ist also gesorgt. Problem gelöst? Nein, sagt Paolo Caruso, denn mit der Klimaerwärmung drohe ein weiterer Rückgang der Ackerfläche. 70 Prozent der Fläche Siziliens drohe, gemäss der Einschätzung des italienischen Forschungsrates zur Wüste zu werden.
Und einmal verwüstet sei der Boden für die Landwirtschaft verloren.
**Paolo Caruso** (4:11)
Das Problem ist, dass ein area, das sich desertiert, niemals wieder ideal für die Agrikultur wird.
**Christian Vormburg** (4:19)
Wie man den Weizenanbau resistenter machen kann gegen den Klimawandel, wollen Caruso und Bauer Passamonte auf einem anderen Feld zeigen.
**Salvatore Passamonte** (4:30)
Zuerst aber müssen sie es schaffen, das Auto zu wenden auf dem engen Feldweg.
**Christian Vormburg** (4:38)
Bauer Passamonte und Agronom Caruso kennen sich seit vielen Jahren.
Auf dem Weg zum nächsten Feld machen sie Witze über ihre Fahrkünste und schauen nach draußen in den Regen. Wir fahren an einer großen Solaranlage vorbei. Für viele Bauern lohnt es sich heute mehr, das Land für Strom zu verpachten, statt Getreide zu produzieren. Bauer Passamonte verdreht die Augen.
**Davide Faranda** (5:06)
Das Schlimme ist, dass die ausgerechnet die besten Ackerflächen auswählen für diese Anlagen. Es müssen die sein, die nach Süden ausgerichtet sind.
**Christian Vormburg** (5:15)
Etwa 38 Hektar neue Solarflächen seien derzeit projektiert, ergänzt Caruso. Damit könne man siebenmal mehr Strom produzieren, als die Insel heute selber verbrauchen.
Bauer Salvatore Passamonte geht voran durchs Weizenfeld, stoppt und kniet nieder.
**Salvatore Passamonte** (5:36)
Das hier ist praktisch noch in der Phase des Wachsens.
**Christian Vormburg** (5:41)
Die Pflanzen hier seien noch am Wachsen. Es handelt sich um eine alte, sizilianische Sorte.
**Salvatore Passamonte** (5:46)
Das ist die Sorte eines Großantikos, genannt in Sizilien, priziusa.
**Christian Vormburg** (5:52)
Eine wertvolle, eine kostbare Sorte, wie man schon früher gewusst habe.
**Salvatore Passamonte** (5:58)
Es kommt aus dem tollen Pane und der tollen Pasta.
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