Topics: News
**Azadê Peşmen** (0:05)
Verschärfte Einreisekontrollen, einen höheren Druck auf die russische Schattenflotte, mehr Sanktionen.
Das ist nur ein Teil des Maßnahmenpakets, das Innenminister Alexander Dobrindt von der CSU gestern angekündigt hat, um gegen Russland vorzugehen. Wie effektiv die Maßnahmen sind, das besprechen wir hier bei Was jetzt? dem Nachrichtenpodcast der Zeit. Außerdem, welchen Einfluss hat künstliche Intelligenz auf ihr Gehalt? Dazu gleich mehr. Heute ist Mittwoch, der 2 September. Ich bin Azadê Peşmen und hier geht es weiter mit den Nachrichten.
**Christina Felschen** (0:39)
Ich bin Christina Fälschen. Guten Morgen. Gestern hat die Bundesregierung Russland offiziell für den Anschlagsversuch am Leipziger Flughafen verantwortlich gemacht und Maßnahmen angekündigt. Die EU und die NATO haben Deutschland daraufhin ihre Solidarität zugesichert. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schrieb auf X, dass die Europäische Union trotz solcher Vorfälle geeint bleibe. Die EU-Außenbeauftragte Kaya Callas sagte, dass Russland immer stärker provoziere, das sehe man auch in anderen Ländern. Die Frage sei, wie man Russland ausreichend abschrecken kann, sodass es nicht noch einen Schritt weitergeht. Morgen trifft Bundesaußenminister Johann Wadephul seine EU-Kollegen, um sie über die Lage zu informieren. Dabei könnte es auch um eine mögliche europäische Reaktion auf den Anschlagsversuch gehen.
NATO-Generalsekretär Mark Rutte versicherte, dass das Verteidigungsbündnis seine Mitglieder gegen jegliche Bedrohungen verteidigen werde. Das Russland hinter dem Angriff in Leipzig stecke, sei eindeutig bewiesen, schrieb er. Viele europäische Staats- und Regierungschefs meldeten sich auch einzeln zu Wort und stellten sich hinter die Bundesregierung.
Auch in Deutschland fiel die Reaktion auf die Maßnahmen positiv aus. Sachsens Innenminister Armin Schuster sprach von russischem Staatsterrorismus, den man bekämpfen müsse. Die Grünen schreiben, dass sie es gut finden, dass die Bundesregierung Stellung bezieht, allerdings sei damit zu lange gewartet worden. Der gescheiterte Anschlag auf ein Frachtflugzeug am Leipziger Flughafen ist inzwischen knapp einen Monat her. Russlands Präsident Vladimir Putin sprach gestern von haltlosen Anschuldigungen und kündigte Gegenmaßnahmen an.
Auf ein Umspannwerk in der Nähe des Kohlekraftwerks Jenschwalde in Brandenburg ist gestern ein Anschlag verübt worden. Landesinnenminister Jan Reetman sprach von versuchter Sabotage. Unbekannte hätten leitfähiges Material in das Werk geschossen und Kurzschlüsse ausgelöst. Ziel sei wohl ein großflächiger Stromausfall gewesen. Das sei aber nicht gelungen, auch weil es Ersatzleitungen gab. Inzwischen wurden mehrere Sprengvorrichtungen gefunden. Wer dahintersteckt, ist noch nicht bekannt. Das Landeskriminalamt ermittelt in der Sache.
Redaktionsschluss für diesen Podcast ist 5 Uhr.
**Azadê Peşmen** (2:54)
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Entscheiden Sie selbst. Werden Sie jetzt Teil der Energiewende. Alle Infos auf greenplanetenergy.de Russland sei für den Anschlagsversuch am Leipziger Flughafen am 4 August verantwortlich. Das hat Innenminister Alexander Dobrindt gestern bei einer Pressekonferenz erklärt und es mit polizeilichen Ermittlungen, Tatmuster und nachrichtendienstlichen Erkenntnissen begründet.
Außenminister Johann Wadephul hat im Anschluss einige Maßnahmen angekündigt.
**SPEAKER_3** (3:47)
Das russische Generalkonsulat in Bonn wird zum 18 September geschlossen.
Der Vertrag über das russische Haus in Berlin wird gekündigt. Wir werden in der Europäischen Union neue Listungen von Personen aus Russland im Kontext hybrider Angriffe vorschlagen.
**Azadê Peşmen** (4:04)
Die Pressekonferenz war mit knapp elf Minuten vergleichsweise kurz, bietet aber genug Material, um das Gesagte zu analysieren. Das tut jetzt Anna Sauerbrey. Sie ist stellvertretende Ressortleiterin Politik bei der ZEIT. Hallo, Anne.
**Anna Sauerbrey** (4:18)
Hallo.
**Azadê Peşmen** (4:18)
Dass Russland einen hybriden Krieg führt gegen Deutschland, das ist nichts Neues. Warum war der Vorfall in Leipzig ausschlaggebend für dieses gemeinsame Statement des Innenministers und des Außenministers?
**Anna Sauerbrey** (4:30)
Das stimmt. Wir sprechen und auch die Politik spricht schon seit einigen Jahren von einem hybriden Krieg oder auch von einer grauen Zone zwischen Frieden und Krieg, in dem sich Deutschland und Russland befinden. Aber dieser Anschlag in Leipzig vom 4 August hatte doch nochmal eine neue Qualität. Da wurde mit militärischen Mitteln, also mit Drohnen, mit hocheffektivem Sprengstoff, mit einer sehr professionellen Steuerung und professionellen Planung ein militärisches Ziel in Deutschland angegriffen. Der Leipziger Flughafen ist nämlich ein wichtiger Logistik-Hub für die Ukraine-Unterstützung. Da wird Munition drüber transportiert und anderes Material.
Und es hätten ja auch sehr leicht dabei Menschen getötet oder verletzt werden können. Es hätte eine riesige Explosion gegeben. Der Anschlag zielte auf die Flügel eines Antonov-Flugzeugs der Ukrainer. Da ist sehr viel Kerosin drin und hätte wirklich katastrophal enden können. Und ich glaube, deshalb musste Deutschland dieses Mal auf andere Weise reagieren.
**Azadê Peşmen** (5:36)
Wie beurteilst du diesen Auftritt insgesamt? War das rein symbolisch oder würdest du sagen, das sind effektive Maßnahmen, die tatsächlich auch etwas bewirken?
**Anna Sauerbrey** (5:46)
Also ich glaube, es ist vor allen Dingen ein diplomatischer und politischer Sprechakt gewesen. Also irgendetwas zwischen Sprechen und Handlungen.
Ich finde es trotzdem bedeutsam. In der Vergangenheit hat Deutschland auch schon vereinzelt hybride Angriffe und Hackerangriffe Russland zugeordnet, aber immer so ein bisschen leise. Dann hat man das der Sprecher des Auswärtigen Amtes, das in der Bundespressekonferenz gesagt oder man hat eine Mitteilung verschickt. Und jetzt stellen sich zwei Minister vor die Kamera und sagen es laut und nennen da noch einen Katalog von Gegenmaßnahmen. Und ich glaube vor allen Dingen in diesem gemeinsamen Auftreten liegt sozusagen die eigentlich nächste Stufe. Man könnte sagen, Deutschland hat so einen halben Gang hochgeschaltet. Was die Maßnahmen selbst betrifft, ist es ja auch sehr schwierig, dann noch was ganz Neues zu machen. Russland ist bereits eines der am stärksten sanktionierten Länder in der Welt. Um weitere Sanktionen zu erlassen, muss Deutschland sich ja auch mit den europäischen Partnern erst noch koordinieren. Das hat Wadephul jetzt angekündigt. Was ich mir aber vorstellen könnte, ist, dass man sich noch so ein bisschen spiel lässt. Denn wir sehen, dass Russland möglicherweise weiter eskaliert. Und dann muss man ja auch wieder reagieren können.
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