Psychiater Dr. Michael Bohne - Wie können wir innere Blockaden lösen? artwork

Psychiater Dr. Michael Bohne - Wie können wir innere Blockaden lösen?

Hotel Matze

July 22, 2026

Michael ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Sachbuchautor und Begründer der Prozess- und Embodimentfokussierten Psychologie (PEP).
Speakers: Michael Bohne, Matze Hielscher
**Michael Bohne** (0:05)
Wir hören immer, du musst gut sein, du musst es wollen, du musst gut sein. Und das ist aber eigentlich ein riesiger Faktor, weil wenn ich gut sein will, was passiert dann? Ich hab noch keinen Ton gespielt, ich hab noch kein Wort gesagt und ich bin schon gestresst. Die Summe der Menschen, die uns Scheiße findet, bleibt immer gleich groß. Das heißt, du performst jetzt hier irgendwie super, brillant, toll, klasse. Da gibt es einige, die sagen, ja, geiler Typ, oder? Super. Andere sagen, bisschen arrogant, Narzisst. Erkenntnis theoretisch sagt das ja nicht was über mich aus, sondern über dich, wie du mich wahrnimmst. Der redet viel zu schnell. Ja, erst mal stimmt es, ich rede schnell, aber auf die Idee, dass du vielleicht zu langsam denkst, bist du noch nicht gekommen.
Atmen, klopfen, einhals Gefühl denken. Und neugierig sein, was passiert und was auch spannend ist, mal gucken, wie sich die einzelnen Punkte anfühlen. Es gibt nämlich Leute, die sagen, boah, der Punkt, der ist ja super, da löst sich richtig was. Und dann Schlüsselbeinklopfen.
Aufhören mit Klopfen und so. Nochmal in das Material denken, gucken, wo es jetzt ist.

**Matze Hielscher** (1:02)
Das ist wirklich witzig. Ist mir ein bisschen mehr egal.

**Michael Bohne** (1:06)
Und deswegen sage ich, Erkenntnis ist, genau, Erkenntnis ist erfahrungsabhängig.
Man kann Leichtigkeit zuversichtlich und Humor gar nicht ernst genug nehmen. Also nicht nur im Psythe habe ich so, ich würde sogar noch viel weitergehen, sogar auch gesellschaftlich, weil das ein totaler Gamechanger sein kann. Todernst ist es übrigens gemeint.

**Matze Hielscher** (1:28)
Willkommen im Hotel Matze. Warum fühlen wir uns in manchen Momenten plötzlich so klein? Warum wissen wir oft ganz genau, was eigentlich gut für uns wäre, kommen aber nicht raus aus den alten Mustern. Und heutiger Gast ist Dr. Michael Bohne. Er ist Psychiater, Psychotherapeut und Modellentwickler.
Mit ihm spreche ich über Selbstwert, über den Körper, über Blockaden und auch über ADHS. Michael hat vielen, vielen Menschen geholfen, ihre Blockaden zu verstehen und auch aufzulösen. Und hier zeigt er, wie das Ganze geht und wie er es auch hinbekommt. Ich habe das Ganze mal wieder für eine kleine Therapiestunde für mich selbst genutzt. Ich hoffe, das war okay. Wenn ihr die Folge mit Dr. Gunther Schmidt mochtet, dann seid ihr hier auf jeden Fall genau richtig. Ich wünsche euch viel Vergnügen im Hotel Matze mit Dr. Michael Bohne.

**Michael Bohne** (2:19)
Es gibt wahnsinnig viele Menschen mit einem extrem schnellen Nervensystem, mit einem extrem kreativen Nervensystem und einem Nervensystem, was eine hohe Variabilität hat, was den Aufmerksamkeitsfokus angeht. Die können entweder alles gleichzeitig wahrnehmen.
In dem Moment machen, sind die aber nicht gut, wenn die eine Sache ganz konkret machen sollen. Also Kartoffelschälen zum Beispiel machen sie dann...

**Matze Hielscher** (2:41)
Ist das dann ADHS schon?

**Michael Bohne** (2:42)
Nee, das ADHS ist... Also ich sag mal so, wenn man von ADHS spricht, würde ich sagen, dann ist es eine Art Umwelterkrankung oder Umweltbelastung oder Störung. Erstmal gibt es Menschen, die haben schnelles Nervensystem, ein sehr kreatives, eins, was variabel ist im Aufmerksamkeitsfokus. Also entweder alles gleichzeitig wahrnehmen oder dann, wenn sie was intrinsisch interessiert, extremer Aufmerksamkeitsfokus auf eine Sache. Und das nicht nur 10 Minuten oder eine Stunde oder zwei Stunden, sondern auch fünf, acht, zehn, zwölf, 14 Stunden. Das eine Buch, was ich geschrieben habe, das Bette Klauffenbuch, habe ich an einem Tag geschrieben. Morgens hingesetzt und nachts um zwei aufgestanden, dann sage ich, fertig. Ich war noch nicht fertig, musste noch nachgearbeitet. Wieso einen Teig mache ich, dass dann immer so nachgearbeitet werden? Aber im Grunde war das dann fertig und ich war komplett im Thrill dann.
Wenn man so ein Nervensystem hat, hat man eine gewisse Freude auch am Risiko und am Sensation Seeking.
Das sind ja alles keine Krankheiten. Wenn wir menschheitsgeschichtlich niemals Leute mit Lust an Risiko und Sensation Seeking hätten, dann wären wir auf unserer Scholle geblieben und hätten auch nichts Neues entdeckt. Wenn man sich Innovationsmanagement anguckt, erfolgreiche Menschen haben Risiko-Affinität. Und wenn ich Angst habe, primär, ob das auch okay ist, ja, jeder Mensch ist okay. Aber wenn ich erstmal Bedenken habe und Angst, ja, dann gehe ich nicht in neue Felder und in neue Welten. Das heißt, erstmal ist das ein Nervensystem, was so ist, wie es ist. Das kann man doch gar nicht bewerten. Und wenn ich in ein Habitat komme mit so einem Nervensystem, wo ich das Leben und ausleben kann oder vielleicht sogar noch unterstützt werde, dann ist es ein Segen. Wenn ich aber in einem Habitat lebe, wo die Umwelt eigentlich dagegen arbeitet, dann ist es eine nicht artgerechte Haltung. Und dann kann es keinen Spaß mehr machen, zur Belastung werden, zur Störung werden, zur Erkrankung werden, zur Behinderung werden und zu schwerem Leid führen.

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