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Im Zollstreit: Kommt nach dem Amerikasee das Amerikameer? (Update)

Was jetzt?

August 28, 2026

Kanada und die USA befinden sich in einem neuen Zollkrieg. Nachdem US-Präsident Donald Trump am Montag Zölle von 50 Prozent auf kanadische Autos, Kleinlaster und Stahl verhängte, zog Kanada nach. Welchem Land wird der Konflikt mehr schaden?
Speakers: Rieke Havertz, Imre Balzer, Tino Posselt, Heike Buchter

Topics: News

**Rieke Havertz** (0:04)
So, wenn du es denkst, wir haben einen Golf und wir haben einen Lake.

**Imre Balzer** (0:10)
Einen Golf hat er schon, jetzt auch einen See. Nun braucht er nur noch einen Ozean. US-Präsident Donald Trump hat den Lake Ontario, kurzerhand per Dekret in Lake America, umbenannt. Hintergrund ist der Zollstall zwischen den USA und Kanada. Ob als nächstes der Atlantik folgt und ob die EU Kanada helfen könnte? Klären wir in diesem Update von Was jetzt? dem Nachrichtenpodcast der Zeit am Freitag, den 28 August. Ich bin Imre Balzer. Redaktionsschluss für diese Folge war 16.3 Uhr.
Die fünf großen Seen im Norden der USA. Kennen sie vielleicht noch aus dem Englisch-Unterricht. Lake Superior, Lake Uran, Lake Michigan, Lake Erie und Lake Ontario. Das war einmal, denn seit dieser Woche heißt der Lake Ontario ganz offiziell Lake America.
US-Präsident Donald Trump hat das Pädikret verfügt. Es ist die neuste Wendung im Zollstreit zwischen Kanada und den USA. Diese kleine Umbenennungsgeste dürfte die Kanadier allerdings nicht so sehr treffen wie die Zölle, die die USA Anfang der Woche verhängt haben, nachdem das geplante Handelsabkommen zwischen beiden Ländern gescheitert ist. Erst haben die USA Zölle von 50 Prozent auf Autos und Stahl verhängt. Darauf haben die Kanadier dann mit 50 Prozent Zöllen auf Stahl, Aluminium, Möbel und Bekleidung reagiert.
Welche Wege wieder zurück zu einem Handelsfrieden führen könnten und welche Rolle die EU da spielt, darüber spreche ich jetzt mit Rieke Havertz, internationaler Korrespondentin bei der Zeit. Hallo Rieke.

**Rieke Havertz** (1:39)
Hallo Imre.

**Imre Balzer** (1:40)
Nochmal kurz zur Einordnung des Streits beider Länder. Donald Trump hat zuletzt über Kanada gesagt, wir brauchen sie nicht, sie brauchen uns. Stimmt das denn?

**Rieke Havertz** (1:48)
In Teilen stimmt das, wenn man darauf schaut, dass die US Volkswirtschaft zwölfmal größer ist als die Kanadische. Das heißt, tatsächlich sitzen die USA da wirtschaftlich am längeren Hebel. Gleichzeitig sind beide Wirtschaftsräume so eng miteinander verbunden. Und auch die USA brauchen Kanada. Zum Beispiel geht es vielen Amerikanerinnen und Amerikanern schlecht, weil die Mieten so hoch sind, die Kosten fürs Wohnen sehr, sehr hoch sind und ganz viel Holz, was für den Wohnungsbau gebraucht wird. Das kommt zum Beispiel aus Kanada.

**Imre Balzer** (2:16)
Die EU hat ja vor einem guten Jahr ein Handelsabkommen mit den USA geschlossen. Der Zollsatz für EU-Importe in die USA liegt seitdem bei 10 Prozent. Umgekehrt gibt es keine Zölle. Daran gab es auch Kritik. Glaubst du, der kanadische Premier Mark Carney hat da jetzt einen erfolgreicheren Weg gegen Trump gefunden, also durch maximale Härte?

**Rieke Havertz** (2:34)
Noch können wir das natürlich nicht sagen, weil sie mitten in diesem Streit sind. Was Mark Carney aber, glaube ich, getan hat, ist etwas, was viele bei ihm in Kanada gut finden, weil er gesagt hat, ein schlechter Deal, der Kanada dauerhaft abhängig macht, der ist viel gefährlicher als ein Handelsstreit, der zunächst Geld kostet. Und er hat ja nicht nur mit Zöllen geantwortet, auf Trumps Zölle, sondern hat gleichzeitig auch gesagt, seine Regierung wird die kanadische Wirtschaft unterstützen, weil er weiß, dass das schwierig wird für viele kanadische Unternehmen. Also er hat auch nach innen ein Signal gesendet, wir lassen euch nicht alleine. Und ich glaube, aus europäischer Sicht würden sich viele wünschen, dass es eben nicht immer nur ein, lass uns schnell einen Deal mit Trump finden, die ja immer unsicher sind, gibt, sondern auch mal jemanden, der sagt, so lassen wir uns nicht unterwerfen.

**Imre Balzer** (3:19)
Stichwort EU. Es wurde jetzt auch öfter schon mal gemunkelt, dass Kanada als Reaktion auf den Zollstreit mit den USA der EU beitreten könnte.
Ist da was dran?

**Rieke Havertz** (3:30)
Also dass Kanada tatsächlich der EU beitreten würde, das halten die meisten Experten für unrealistisch. Da gibt es ja sehr viele formale Hürden auch, aber darum geht es vielleicht gar nicht, sondern es geht darum, dass dieses Gespräch gerade geführt wird und das dann am Ende nicht stehen muss, dass Kanada tatsächlich Teil der EU wird, sondern dass sich da zwei sehr große Wirtschaftsräume begegnen, politisch, ökonomisch und sagen, wir wollen noch enger zusammenarbeiten und das damit auch ein Signal Richtung USA ist. Und es gibt ja schon sehr enge Zusammenarbeiten zwischen Europa und Kanada. Und wenn beide Seiten gewillt sind, das noch zu intensivieren, dann könnte das eben beiden Seiten auch helfen im weiteren Umgang mit Donald Trump.

**Imre Balzer** (4:09)
Wie sähe denn ein realistischer Weg aus, wie die USA und Kanada ihren Zollstreit beilegen könnten?

**Rieke Havertz** (4:15)
Ich glaube, das, was wir gerade besprochen haben, ist schon ein Weg, dass Kanada sagt, hey, wir diversifizieren. Wir sind nicht allein auf die USA angewiesen. Und das macht dann auch wiederum Druck Richtung USA. Und gleichzeitig gibt es ja auch auf US-Seite an der kanadischen Grenze sehr viele Bundesstaaten, die abhängig sind auch von diesem Handel zwischen Kanada und den USA, auch vom Tourismus, von diesen grenzüberschreitenden Alltäglichkeiten, die damit alle ins Stocken kommen, weil die Kanadier, die sind in überwältigender Mehrheit an der Seite ihres Premiers und sagen, wir haben keine Lust mehr auf diese USA. Und damit könnten natürlich auch diese Bundesstaaten, teilweise republikanisch regiert, Druck machen auf Donald Trump. Und vielleicht in dieser Kombination könnten dann die USA zurück an einen Verhandlungstisch gehen und nicht mehr Forderungen stellen, die Kanada überhaupt nicht akzeptieren kann. Und so könnte man vielleicht zu einem Kompromiss finden. Und dann sind ja auch noch die Zwischenwahlen im November. Da ist Wahlkampf in den USA. Auch das könnte den Druck erhöhen, auf Trump zu sagen, wir müssen mit unseren Nachbarn irgendeine Lösung finden.

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