**Simon Fazer** (0:04)
In Deutschland wird geklagt und gejammert, dass sich die Balken biegen.
**Thomas Hacker** (0:08)
Da wird schon viel hier mehr Katjare, die biegen zu.
**Joachim Päuer** (0:11)
Die meisten Leute sehen wirklich nur das Negative.
**Simon Fazer** (0:13)
Aber es liegt ja auch viele Magen. Dauerverspätungen und Zugausfälle bei der Deutschen Bahn werden zum Symbol für Staatsversagen.
**SPEAKER_4** (0:21)
Wir bitten um Entschuldigung.
**Simon Fazer** (0:22)
Brücken stürzen ein oder müssen gesprengt werden. Aber gibt es wirklich nur zu motzen?
**Marvin Hacker** (0:30)
Vielleicht manchmal ein klein bisschen runterdrehen und vielleicht auch mal ein paar positive Aspekte bringen.
**Simon Fazer** (0:37)
Was ist mit jenen, die an Deutschlands Autobahnen von morgen bauen? Alle fahren drüber.
**Andreas Siemens** (0:41)
Und kein Interesse jetzt. Du weisst aber ganz genau, ich habe eineinhalb Jahre lang meines Lebens jeden Tag Schweiss, Blut und Tränen darin vergeudet, hier zu arbeiten, dass das hier funktioniert.
**Simon Fazer** (0:52)
Wie ergeht es denen, die dafür sorgen, dass die Züge fahren, über die alle schimpfen?
**SPEAKER_7** (0:57)
Wir müssen jetzt einfach gucken, mit dem, was wir aktuell haben, dass der Laden irgendwie am Laufen bleibt.
**Simon Fazer** (1:05)
Und eins ist klar.
**René Bäselt** (1:07)
Alle, die in diesen Berufen arbeiten, reissen sich den Arsch auf.
**Simon Fazer** (1:11)
Nicht meckern, machen. Deutschlandretter, eine Reise zu Menschen, die das Land am Laufen halten. Das ist International. Mein Name Simon Fazer.
Morgens um 6 Uhr. Höchstleistung in der Backstube im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg.
**Marvin Hacker** (1:31)
Halb eins bin ich aufgestanden.
**Simon Fazer** (1:34)
Schritten, also Brötchen, sind im Steinhofen aus den 70er-Jahren. Dessen Wärme mischt sich mit der Rekordhitze der Juni-Sommertage. Marc schiebt Brote in den Ofen, Marvin schneidet Bienenstich, die Reste bekommen bestimmt besonders glückliche Schweine. Toni hantiert am Kneter, Tanja macht Fettgebackenes und Katja Hacker holt durch die offene Tür das warme Gebäck direkt in den Laden.
Hacker ist eine der letzten Handwerksbäckereien aus der DDR-Zeit und mit ihren alten hellblauen Kacheln ein wahres Bijou.
**Heinz Oswald** (2:08)
Und das mit der Glasur ist auch super, hast du genau die richtige Süße.
**Simon Fazer** (2:11)
Marvin Hacker ist 31, die Backstube hat er vor drei Jahren von seinem Vater übernommen.
**Marvin Hacker** (2:16)
Wir sind hier mit einer der letzten Ostbäckereien in Berlin, die es ja so gibt.
Da ist es noch mal wichtiger und auch schöner, die Aufgabe, das zu machen. Die Rezepte, die von meinem Opa, von meinem Vater sind, einfach so weiterzutragen. Das ist dann so ein bisschen auch unser Auftrag in der Gesellschaft.
**Simon Fazer** (2:38)
In Deutschland zeigt sich die Misere der Handwerker ganz besonders bei den Bäckereien. Viele schliessen, Hacker aber bleibt und hält ein Stück Kiezkultur aufrecht.
Das Bäckergeschäft ist härter, als es Brötchen je sein dürfen, hohe Energie- und Rohstoffpreise und viele deutsche Kunden, die für Essen wenig zahlen wollen. In dieser Bäckerei wächst die Nachfrage, die Kundinnen sind fordernd. Wehe, ihr Lieblingsteil, etwa die Kranzstange, fehlt.
**Marvin Hacker** (3:06)
Dann irgendwann war die halt dann schon mal vormittags verkauft und die Leute waren dann wirklich am Nachmittag manchmal schon richtig wütend, dass sie halt einfach keine mehr bekommen haben und sind dann auch schon richtig die Verkäufer dann nachher angegangen, so warum wir jetzt nicht einfach davon mehr produzieren und so. Das ist echt so ein bisschen Wahnsinn einfach.
**Simon Fazer** (3:26)
Inzwischen hilft Vater Thomas Hacker im Laden.
**Thomas Hacker** (3:28)
Dann macht ihr einen schönen Tag, geniesst die Zeit.
**Simon Fazer** (3:31)
Der Meister, wie alle ehrfürchtig sagen, kann aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr am Steinhofen stehen.
**Thomas Hacker** (3:37)
Warte mal, ich kicke mal.
**Simon Fazer** (3:38)
Thomas hat noch zu DDR-Zeiten mit seinem Vater hier gebacken.
**Thomas Hacker** (3:43)
In der DDR war es unheimlich wichtig, dass die Versorgung der Bevölkerung immer gewährleistet sein musste. Also gerade mit Grundnahrungsmitteln. Schrüppe, Brot, Mayarine und Marmelade oder so. Das musste halt immer da sein.
Und da haben die so was hier zum Kleine Bäckerei halt toleriert.
**Simon Fazer** (4:01)
Direkt nach der Wende sah es schlecht aus. Als später das baufällige Haus saniert wurde, Baulärm dafür keine Kunden, war da schon der Gedanke ans Aufhören.
**Marvin Hacker** (4:11)
Haben wir uns auch rausgekämpft.
**Thomas Hacker** (4:12)
Dann haben wir uns auch rausgekämpft, ja klar.
**Simon Fazer** (4:16)
Aber das wichtigste Erfolgsrezept?
**Thomas Hacker** (4:19)
Erstmal ist es ein Glücksfall, dass mein Sohn das halt weitermacht in der Backstube. Das ist halt wirklich fast wie ein Sechser im Lotto.
**Marvin Hacker** (4:27)
Und ich glaube auch, Nachfolge ist das grosse Thema, was ja so Bäckereien bestimmt. Findet man Nachfolger oder halt nicht.
**Simon Fazer** (4:36)
Und ein echter Game-Changer, sagt Marvin, Vater Thomas mit Berliner Schnauze, erzählt meiste Geschichten in den sozialen Medien, die Leute seien begeistert.
**Thomas Hacker** (4:47)
Ja, die sagen, wir haben dich auf Instagram gesehen, und jetzt wollen wir das probieren. Die finden es toll, dass es so etwas gibt, und dass wir überlebt haben und das immer weitermachen und so. Die finden es toll.
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