Topics: News
**Moses Fendel** (0:04)
Von Anfang an hat vieles dafür gesprochen. Offiziell aussprechen wollte es aber bisher niemand. Doch jetzt die Wende. Für den Drohnenvorfall am Leipziger Flughafen vor knapp einem Monat ist Russland verantwortlich, sagt die Bundesregierung. Unser erstes Thema hier im Update von Was jetzt? Außerdem sprechen wir über das Urteil in einem der bekanntesten Mordfälle der Musikgeschichte.
Moses Fendel hier, es ist immer noch Dienstag, der 1 September und der Redaktionsschluss für dieses Update war um 16 Uhr.
**SPEAKER_2** (0:32)
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**Moses Fendel** (0:54)
Alle Infos auf greenplanetenergy.de Fast einen Monat ist es her, dass am Leipziger Flughafen eine Drohne gefunden wurde, die mit Sprengstoff bestückt gewesen war. Der Flughafen gilt als Drehkreuz für Waffentieferungen an die Ukraine. Deshalb erschien es von Anfang an plausibel, dass Russland hinter diesem Angriff steckt.
Trotzdem hat sich die Bundesregierung lange Zeit gelassen, eindeutig einen Verantwortlichen zu benennen. Bundesinnenminister Dobrindt von der CSU hat lieber ominös von fremden Mächten gesprochen. Doch ab heute dürfte es vorbei sein mit der Zurückhaltung. Nach Zeitinformationen will die Bundesregierung Russland offiziell für den Vorfall verantwortlich machen. Innenminister Dobrindt und Außenminister Johann Wadephul von der CDU haben eine gemeinsame Pressekonferenz angekündigt. Die geht aber erst los, wenn diese, was jetzt folge, schon erschienen ist.
Holger Stark ist stellvertretender Chefredakteur der Zeit und leitet unser Investigativressort. Zu seinen Spezialgebieten gehören die Innere Sicherheit, Geheimdienste und Terrorismus. Und damit ist er genau der richtige Mann für dieses Gespräch hier. Hallo, Holger.
**Holger Stark** (1:52)
Hallo, Moses.
**Moses Fendel** (1:53)
Warum hat die Bundesregierung so lange gewartet mit dieser klaren Zuschreibung?
**Holger Stark** (1:57)
Weil es ganz einfach Wochen gedauert hat, bis die Ermittler so weit waren. Das ist natürlich ein wahnsinnig ernsthafter Akt, einen anderen Staat zu beschuldigen, einen Anschlag in Deutschland durchzuführen. Das kann man nicht mal mit ein paar Indizien oder Vermutungen tun. Und deswegen wusste die Bundesregierung zwar relativ früh, dass die Spuren nach Russland führen, wollte das aber erst erhärtet haben und hat die Ermittler machen lassen. Jetzt sind die Indizien so weit zusammengekommen, dass das Kanzleramt, dass das Innenministerium das Gefühl hatten. Jetzt muss man einmal sagen, was wirklich dahinter gesteckt hat.
**Moses Fendel** (2:25)
Woher wissen die denn jetzt so genau zweifelsfrei, dass es die Russen waren?
**Holger Stark** (2:29)
Zweifelsfrei wissen wir es immer noch nicht, weiß Mann es immer noch nicht. Aber es gab einen nachrichtlich-dienstlichen Hinweis, also einen Geheimdienst Hinweis auf Leute, die zum russischen Nachrichtendienst zählen, jedenfalls damit in Verbindung gebracht werden. So ist das Wording, also offensichtlich russische Geheimdienstler, die in diesem Plan involviert gewesen sind. Und das ist was anderes als diese Low-Level-Agenten, über die wir in der Vergangenheit oft geredet haben, also irgendwelche rekrutierten Kleinkriminellen oder so, die gegen ein bisschen Geld eine Sabotage durchgeführt haben. Wenn es wirklich so ist, dass ein russischer Staatsdiener, ein Staatsbediensteter an diesem Anschlag beteiligt gewesen ist, dann ist es so gravierend, dass man sagen kann, da steckt Russland dahinter.
**Moses Fendel** (3:08)
Und welche konkreten Schritte oder Maßnahmen folgen jetzt daraus?
**Holger Stark** (3:11)
Naja, weil es ebenso offenkundig direkt nach Russland führt, muss auch Russland dafür, wie der Bundeskanzler sagt, einen Preis zahlen. Und der wird nach allem, was wir bislang hören, wohl darin bestehen, dass beispielsweise ein russisches Generalkonsulat geschlossen wird. Das war bislang im Gespräch, dass verschiedene Diplomaten ausgewiesen werden, dass es aber auch ein bisschen ökonomische und persönliche Sanktionen noch geben wird. Es werden andere europäische Staaten sich mit Deutschland solidarisieren. Das darf auf der einen Seite nicht zu leicht sein, also nur die Ausweisung von ein paar Diplomaten. Das würde quasi so eher weggelächelt.
Aber die Bundesregierung wollte auch verhindern, dass es zu sehr eskalatorisch wirkt, dass dann die Russen wieder zurückschlagen und es sich noch weiter aufschaukelt, weil die Situation schon so angespannt ist.
**Moses Fendel** (3:51)
Was denkst du, Holger, wie weit könnte das denn weiter eskalieren? Zwischenzeitlich war ja auch von Artikel 4 und sogar von Artikel 5, also dem NATO-Bündnisfall, die Rede.
**Holger Stark** (3:58)
Darüber hat die Bundesregierung lange nachgedacht und sich dagegen entschieden. Also es wird nicht dieser sogenannte Konsultationsartikel 4, dass andere NATO-Staaten zusammen getrommelt werden und man darüber redet, was jetzt passieren muss. Das wird nicht passieren.
Aber die Bundesregierung geht schon davon aus, dass die Russen nicht nur einmal so eine Geschichte jetzt geplant haben und dann die Füße stillhalten, sondern dass es davon mehr geben wird, dass also weitere Anschläge bevorstehen. Und auch deswegen will man die Situation nicht weiter anheizen, nicht weiter aufschaukeln, sondern den Russen ein klares Stopp beziehen und nicht weiter als Botschaft senden, aber nicht seinerseits noch Öl ins Feuer gießen.
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