**David Vogel** (0:02)
Hallo zusammen, ich bin David Vogel. Diesen Dienstag, am 21 April, nehmen wir im Bernhardtheater in Zürich vor Publikum eine Folge von NZZ Geopolitik auf.
Mein Gast ist der langjährige NAAWS-Korrespondent Richard C. Schneider. Komm doch auch, ich würde mich freuen, wenn wir uns mal persönlich kennenlernen, statt nur über die Kopfhörer. Bis am 21 April im Bernhardtheater in Zürich. Und jetzt kommt Malen mit einer neuen Folge von NZZ Geopolitik.
**Marlen Oehler** (0:40)
Wie freut sich US-Präsident Trump, dass er seinem Volk endlich mal wieder eine frohe Botschaft verkünden kann. Und das erst noch an Oster.
**SPEAKER_3** (0:50)
Happy Easter, we had a great Easter.
**Marlen Oehler** (0:52)
This is one of our better Easters, I think, in a lot of different ways.
**SPEAKER_3** (0:56)
I can say militarily, it's been one of the best.
**Marlen Oehler** (0:58)
Bei einer Pressekonferenz im Weissen Haus an Ostermontag erzählt Trump mit sichtlichem Stolz, detailliert und minutenlang von der mutigen und spektakulären Rettungsaktion des in Iran abgeschossenen, dann verschollenen amerikanischen Piloten. So weit, so gut. Wirklich interessant wird es aber jetzt. Als Pete Hexeth, der amerikanische Verteidigungs- jetzt sogenannte Kriegsminister, ans Mikrofon tritt.
Schnell wird klar, für ihn ist das, was sich an diesem Osterwochenende ereignet hat, weit mehr als eine spektakuläre Militäraktion. Für ihn ist es ein wahres Wunder, durch Gottes Hand. Alles ohne Zufall. Der Kampfflieger sei an einem Freitag, an Karfreitag, abgeschossen worden. Das ist der Tag, an dem Jesus gekreuzigt wurde.
Der Pilot habe sich den ganzen Samstag in einer Höhle, einer Spalte, versteckt nach dem Abschuss. Das erinnerte ihn an das Felsengrab, in dem Jesus begraben war. Und dann sei der Pilot ausgerechnet am Ostersonntag gerettet worden. An dem Tag also, an dem die Christen die Auferstehung Jesu feiern.
Ein wiedergeborener Pilot, sagt der Verteidigungsminister. Gott ist gut. Also höre ich da richtig, der amerikanische Verteidigungsminister vergleicht die Rettung eines US-Piloten an Ostern tatsächlich mit der Auferstehung Christi? Herr Hochgeschwender.
**Michael Hochgeschwender** (2:58)
Ja, das macht er in der Tat. Das wäre jetzt auch nicht völlig ungewöhnlich für bestimmte Formen des amerikanischen Protestantismus, in denen gewissermaßen die biblische Geschichte des Alten und Neuen Testamentes permanent sich wiederholt und auch in der Gegenwart vergegenwärtigt wird. Bei Hexlis ist besonders auffällig, dass sich das ganz stark mit Kriegsrhetorik verbindet und birgt natürlich die Gefahr in sich, dass damit bestehende politische Konflikte religiös aufgeladen und zusätzlich verschärft werden.
**Marlen Oehler** (3:31)
Das ist NZZ Geopolitik, das grosse Ganze Verstehen. Mein Name ist Marlen Oehler. Die amerikanische Regierung hantiert im Iran-Krieg mit religiösen Narrativen und biblischen Prophezeiungen, um damit den Krieg zu legitimieren. Doch wenn Geopolitik auf radikale Theologie trifft, kann das ein Brandbeschleuniger sein, sagt mein heutiger Gast Michael Hochgeschwender. Er ist Professor für Nordamerikanische Kulturgeschichte an der Universität in München und katholischer Theologe. Guten Tag, Herr Hochgeschwender. Ich grüsse Sie nach München.
Ich muss gleich noch ein Beispiel bringen, Herr Hochgeschwender, es editiert mich derart. Im Pentagon am 25 März, vier Wochen nach Beginn des Iran-Kriegs, erhebt Pete Hexeth seine Stimme zu einem Gebet. Almighty God, who trains our hands for war and our fingers for battle. Er bittet Gott darum, den US-Truppen überwältigende Gewalt gegen jene zu gewähren, die keine Gnade verdienen.
Und erschliess mit den Worten, wir bitten dies mit fester Zuversicht im allmächtigen Namen Jesu Christi, den König über alle Könige.
Die anwesenden Militärs, Generäle und zivilen Mitarbeiter mit den Händen zum Teil in Gebetshaltung die nicken und sagen Amen. Ganz ehrlich, das klingt doch nicht nach Inside Pentagon. Da scheint man mitten in eine Predigt, wenn auch einer martialischen.
**Michael Hochgeschwender** (5:06)
Ja, in der Tat. Hexseth hat eine stark predigthafte Neigung. Das war schon, als er bei Fox News als Kommentator unterwegs war. Das ist völlig unabhängig von seinem jeweiligen Beruf. Er inszeniert sich stark als gläubiger Christ, und zwar als gläubiger Christ, einer ganz bestimmten Richtung innerhalb des amerikanischen Protestantismus.
Deswegen spricht er auch nicht wirklich alle an. Und selbst im Bereich des klassischen Evangelikalismus werden diese Positionen nicht geteilt. Wichtig daran ist, dass es sich um eine Art Kriegsreligiosität handelt. Ich halte den Vergleich mit den Kreuzzügen für problematisch, weil die Kreuzzüge eben auch nach eigenem Verständnis kein Heiliger Krieg waren.
**Marlen Oehler** (5:48)
Und doch hat Pete Hexseth mit seinen Tätowierungen, also auf der Brust sties dieses Jerusalem-Kreuz, auf dem Arm diesen Spruch, Deus Vult erstellt sich zumindest in die Tradition der Kreuzritter vielleicht auch fälschlicherweise.
**Michael Hochgeschwender** (6:02)
Also in einer imaginierten Tradition. Also das ist ja tatsächlich eine imaginierte Tradition, in der er sich da hineinstellt. Da ist eine bestimmte romantisierte Vorstellung vom Rittertum mit dabei, das es in dieser Form ja nie gegeben hat. Dann natürlich das Jerusalem-Kreuz und das Deus Vult referieren eindeutig auf den Kreuzzugsmythos, denn wir wissen heute, dass das Wort Deus Vult vermutlich bei der berühmten Predigt Papst Urban II gar nicht gefallen ist. Aber das ist auch wieder in der Imagination der Kreuzzüge das, was hervorsticht. Wir handeln im Auftrag Gottes. Hier wird wirklich bewusst versucht, eine Rhetorik des Heiligen Krieges aufzubauen. Und das steht eben für diese eher pfinkstchristliche Ausrichtung innerhalb des amerikanischen Protestantismus, die auch ganz stark in der Überzeugung lebt, dass wir uns in einer Welt von Wundern bewegen. Das heißt, wir sind in einer Endzeit, in der es andauernd Wunder und Zeichen Gottes gibt. Deswegen auch diese Vorstellung. Alles ist letztlich in der biblischen Geschichte schon rausgesagt. Und das wird nun auf die USA als die auserwählte Nation Gottes bezogen. Das hat es früher auch schon gegeben. Aber in dieser Radikalität und auch in dieser absoluten Ausschließlichkeit, nur wir sind die Rechtgläubigen. Nur wir sind diejenigen, die Recht haben können, die anderen sind prinzipiell im Unrecht, sie stehen für das Böse. Das ist jetzt wirklich etwas, was in dieser ganz radikalisierten Form neu ist. Hexeth hat auch eine sehr problematische Beziehung zu einem protestantischen Pastor namens Doug Wilson, der ein ausgesprochener Vertreter eines weißen, christlichen Nationalismus ist. Und das kommt also hier jetzt alles zusammen. Man befindet sich im Krieg, da neigt man sowieso zu einer übersteigerten Rhetorik. Und dann lädt man diesen Krieg religiös auf. Und genau das ist es, was Hexeth hier macht.
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