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**Azadê Peşmen** (0:05)
Absurd. So nennt Kremelsprecher Dimitri Peskov die Maßnahmen, die Deutschland gegen Russland angekündigt hat. Gleichzeitig will Russland die verbliebenen Goethe-Institute schließen. Den aktuellen Stand der deutsch-russischen Beziehungen beleuchten wir gleich. Heute ist Donnerstag, der 3 September. Zeit also in den Herbst vorauszuschauen. Das tun wir mit den aktuellen Wachstumsprognosen der Wirtschaftsinstitute. Warum die Grund für Optimismus sind, dazu gleich mehr.
Ich bin Azadê Peşmen, Sie hören das Update von Was jetzt? Und Redaktionsschluss war 16 Uhr.
Die deutsch-russischen Beziehungen sind in dieser Woche an einem neuen Tiefpunkt angelangt. Am Dienstag hat die Bundesregierung Russland klar als Verantwortlichen für den gescheiterten Anschlagsversuch am Leipziger Flughafen benannt. Mittlerweile wurden zwei Verdächtige festgenommen. Ein Russe mit lettischer Staatsangehörigkeit und ein Belarusse mit russischem Pass. Außenminister Johann Wadephul hatte außerdem angekündigt, das russische Generalkonsulat in Bonn und das russische Haus in Berlin zu schließen. Darauf hat Russland nun reagiert. Die verbliebenen drei Goethe-Institute in Russland müssen dicht machen.
Michael Thumann ist außenpolitischer Korrespondent der Zeit und sondiert die deutsch-russischen Beziehungen. Hallo Michael.
**Michael Thumann** (1:23)
Hallo Azadê.
**Azadê Peşmen** (1:24)
Mich hat das schon überrascht, dass die Goethe-Institute überhaupt noch offen waren in Russland. Die deutsch-russischen Beziehungen waren ja auch vor Leipzig nicht besonders gut. Unter welchen Bedingungen haben sie bis zuletzt gearbeitet?
**Michael Thumann** (1:38)
Unter sehr eingeschränkten Möglichkeiten. Das Goethe-Institut war ja mal das größte Institut, das größte Regionalinstitut von allen Goethe-Instituten in der Welt. Die sind jetzt mächtig zusammengeschrumpft. Es waren überhaupt nur noch sehr wenige aus Deutschland entsandte Mitarbeiter in Russland tätig.
Und dieses Schrumpfen hatte auch damit zu tun, dass Russland schon zuvor sehr viele Goethe-Mitarbeiter ausgewiesen hatte.
Sie arbeiteten in einem kleinen Institut Lenin-Garatsky Prospekt in Moskau, wo noch Seminarraum und eine kleine Bibliothek und ein Filmvorführungsraum waren. Und da waren aber bis zuletzt immer noch Veranstaltungen, aber nichts im Vergleich zu den großen Projekten, die das Goethe-Institut seit den 1990er Jahren in Russland veranstaltet hatte.
**Azadê Peşmen** (2:35)
Wir bekommen hier in Deutschland natürlich Putins Sicht zu den Vorgängen mit. Wie sieht es die russische Bevölkerung eigentlich? Gehen die mit der Präsidentenmeinung mit?
**Michael Thumann** (2:45)
Wenn man die Leute erst mal so fragt, dann antworten die in der Regel das, was sie gerade im Propagandafernsehen gehört haben. Damit ist man immer auf der sicheren Seite.
Und das klingt dann natürlich nicht so gut, was Deutschland angeht, als dann der Bundeskanzler gerne mal als Faschist bezeichnet und überhaupt, wir helfen den Faschisten und so weiter. So, das ist die Propaganda. Wenn man dann aber ein bisschen stehen bleibt und bohrt, dann merke ich als Deutscher in Moskau und auch in der Provinz immer wieder, dass die Leute nach wie vor Deutschland recht offen gegenüberstehen. Man ist natürlich vorsichtig gegenüber Korrespondenten und will nicht zitiert werden. Aber man hat eigentlich dann so im tiefsten Inneren nichts gegen Deutschland. Und deshalb, ich will nicht alle Hoffnung aufgeben, dass alles vorbei sei mit den deutsch-russischen Beziehungen.
**Azadê Peşmen** (3:37)
Das passt ja auch so ein bisschen zu der letzten Äußerung von Dimitri Peskov, dem russischen Präsidial-Sprecher, der will zumindest die Beziehungen zu Deutschland vorerst nicht weiter einschränken. Das hat er heute im russischen Staatsfernsehen gesagt.
Trotzdem, die Reaktion der Bundesregierung war schon als Ansage an Russland zu verstehen. Kommt diese Botschaft bei Putin eigentlich an?
**Michael Thumann** (4:02)
Ja, das glaube ich schon, weil bei anderen Vorfällen in der Vergangenheit hat sich Putin eigentlich nicht selbst geäußert. Oder wenn, dann nur in anderen Zusammenhängen hier ist er aber tatsächlich dann am Tag, nachdem die Bundesregierung das verkündet hat, wo die Mikrofone getreten und hat gesagt, das war ein schwerer Fehler.
Und hat auch Gegenmaßnahmen angekündigt. Deshalb, wir wissen auch noch nicht, ob das jetzt mit der Schließung des Goethe-Instituts die letzte Antwort war. Möchte ich mal bezweifeln. Insoweit die Botschaft kommt an, inwieweit er jetzt daraus Schlüsse zieht und sagt, oha, dann lasse ich das mal lieber mit den hybriden Angriffen. Da habe ich auch wieder große Zweifel dran. Aber gehört hat er das wohl, sonst hätte er sich selber nicht geäußert.
**Azadê Peşmen** (4:47)
Vielen Dank dir, Michael.
**Michael Thumann** (4:48)
Sehr gern, Azadê. Danke dir.
**Azadê Peşmen** (4:51)
Eine Zahl, die ausnahmsweise Maloptimismus verbreitet. Um 1,4 Prozent soll die deutsche Wirtschaft laut der Prognose des Münchner ifo Instituts im laufenden Jahr wachsen.
Das ist der höchste Wert seit langem. Seit drei Jahren stagniert die deutsche Wirtschaft. Mark Schieritz ist stellvertretender Ressortleiter Politik bei der Zeit und ordnet diesen positiven Ausblick für uns ein.
**Mark Schieritz** (5:14)
Das zeigt eben, dass die deutsche Wirtschaft den Krieg im Iran und den dadurch ausgelösten ökonomischen Schock deutlich besser verkraftet hat, als man das bislang vermutet hatte.
Das liegt unter anderem daran, dass dadurch, dass der Handel im Nahen Osten zu Malinken gekommen ist, Unternehmen offensichtlich teilweise in Europa mehr von deutschen Industrieunternehmen zu stellen und die Waren nicht mehr aus Asien beziehen. Das ist einer dieser Effekte. Aber ganz allgemein sieht man doch auch, dass die Programme der Regierung, also das Sondervermögen, die höheren Verteidigungsausgaben stützend wirken. Und es zeigt am Ende, dass wir vielleicht an einem Punkt sind, wo diese jahrelange Stagnation, die sich in Deutschland breit gemacht hatte, vielleicht doch langsam zu Ende geht und langsam und vorsichtig sich so etwas wie einen Aufschwung abzeichnet. Wie stark und nachhaltig der ist, das wird man noch sehen. Aber es ist in jedem Fall eine unerwartete und definitiv auch eine gute Nachricht.
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