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**Hannah Grünewald** (0:03)
Vielleicht hören sie uns auf dem Weg nach Hause oder sie liegen schon am See. Vielleicht stehen sie auch in der Küche und kochen oder sie sind immer noch auf der Arbeit. Egal wo, schön, dass sie dabei sind. Hier ist Was jetzt? Der Nachrichten Podcast der Zeit am 11 August. Wir haben ein volles Programm heute dabei. Wir schauen nach dem Erdbeben nach Kolumbien. Wir schauen nach Russland, wo die Oppositionspartei Jabloko von der Parlamentswahl ausgeschlossen wurde.
Wir schauen nach Syrien, wo der Ex-Machthaber Bashar al-Assad heute zum Tode verurteilt wurde. Und weil es intern Streit gibt, schauen wir auch auf die SPD. Legen wir also los. Ich bin Hannah Grünewald und der Redaktionsschluss war 16 Uhr.
Erst vor knapp einem Monat hat die Erde in Venezuela gebebt. Dabei sind über 6 Menschen gestorben.
Und jetzt gab es auch im Nachbarland in Kolumbien ein schweres Erdbeben. Am Montagmorgen Ortszeit wurde ein Beben mit der Stärke 7,4 im Nordwesten des Landes gemessen. Es ist das schwerste Erdbeben in Kolumbien seit Jahrzehnten. Über 160 Tote wurden bereits gemeldet, über 600 Verletzte gezählt und mindestens 2 Menschen werden noch vermisst. Die kolumbianische Regierung hat den Notstand ausgerufen. Fabian Grieger hat jahrelang in Kolumbien gelebt und berichtet immer wieder aus der Region. Ich habe ihn gefragt, was bisher über das Ausmaß der Zerstörung in Kolumbien bekannt ist.
**Fabian Grieger** (1:25)
Die Informationen und Zahlen, die wir bisher haben, kommen hauptsächlich aus den großen Städten und gut angebundenen Regionen des Landes. Wo wir fast gar nichts wissen, ist aus der Region Choco im Nordwesten des Landes. Eine der ärmsten Regionen, die stark von Regenwald bedeckt ist, wo viele Gemeinden gar nicht an das Straßennetz angeschlossen sind, wo es keine gute Internetinfrastruktur gibt, jetzt gerade noch mal viele Dinge kaputt sind, sodass es eigentlich kaum Informationen gibt, kaum Möglichkeiten, in Kontakt zu treten mit den Leuten vor Ort, zu erfahren, auch von Angehörigen, ob sie am Leben sind, wie die Lage wirklich ist. Das macht Hilfe sehr, sehr schwierig. Dazu kommt, dass es dort wenig Gesundheitsinfrastruktur gibt, kaum Krankenhäuser, dazu noch Schäden an dem, was es bisher gibt. Das verschlimmert die Lage. Und so sind die Leute vor allem auf sich selbst angewiesen, sich erst mal selbst zu helfen, die Verletzten zu versorgen, selbst in den Trümmern zu suchen, zu versuchen, sich irgendwie Zugang zu verschaffen unter den Trümmern zu den Leuten, die dort noch begraben sind gerade.
Und das sehen wir auch in anderen Teilen des Landes, dass viele Leute erst mal selbst versuchen, über Sammelstellen Spenden zu sammeln und in die Region zu schicken, bevor dann auch die staatliche Hilfe und internationale Hilfe eintritt.
**Hannah Grünewald** (2:35)
Es klingt fast unwirklich. Eine Oppositionspartei in Russland positioniert sich gegen Wladimir Putin und seinen Krieg in der Ukraine und wird trotzdem zur Parlamentswahl im September zugelassen.
Für wenige Wochen war das die große Hoffnung. Nun hat Russlands oberstes Gericht, die liberale Oppositionspartei Jabloko, wegen angeblicher Verstöße gegen die russische Wahlgesetzgebung von der Wahl ausgeschlossen. Michael Thumann sitzt zwar gerade am Flughafen, aber ich kann die drängendsten Fragen mit ihm besprechen. Grüß dich, Michael.
**Michael Thumann** (3:07)
Hallo, liebe Hannah.
**Hannah Grünewald** (3:08)
Michael, du bist ja der Profi. Aber mit so einem leihenhaften Blick hätte ich gesagt, eine Partei, die sich offen gegen Putins Angriffskrieg in der Ukraine einsetzt, niemals darf dir bei den Wahlen antreten. Warum war sie denn ursprünglich überhaupt für die Wahl zugelassen? Erklär mir das mal.
**Michael Thumann** (3:24)
Jabloko hat einfach als eine Partei, die natürlich Opposition ist, eine gewisse Funktion im System Putin, mit der kann der Kreml alles Mögliche testen.
Und dass die Partei bisher zugelassen war, hatte damit zu tun, dass man testen konnte, wie die Antikriegsstimmung im Lande ist, wenn sich die Partei ausgesprochen hatte gegen den Krieg, hatte dann zwar nicht genauer gesagt, wie sie dagegen war, aber sie war sozusagen dafür, dass es aufhören soll. Und damit konnte dann der Kreml sehen, wie viele Leute denn eigentlich für so einen Kurs sind. Und diesen Test hat man jetzt abgeschlossen.
**Hannah Grünewald** (4:09)
Und wie hat das Gericht die Entscheidung begründet?
**Michael Thumann** (4:12)
Völlig absurde Begründung.
Zum Beispiel, dass Jabloko durch das Ausland finanziert worden sei, dass sie entsprechend gegen Wahlgesetze verstoßen hätten. Und es geht dabei um irgendwelche Kleckerbeträge von etwas mehr als 100 Euro umgerechnet. Also lächerlich, aber dafür sind die Gesetze ja so gummihaft in Russland angelegt, dass man die halt in jeder Situation, wenn es nötig ist, gegen den entsprechenden Delinquente wenden kann.
**Hannah Grünewald** (4:40)
Du hast ja eben angedeutet, dass es so als Stimmungstest verstanden wurde. Was glaubst du denn, wird dieses Verbot jetzt auch nochmal Proteste und Reaktionen auslösen?
**Michael Thumann** (4:52)
Ja, der Test ist beendet. Man weiß jetzt, wir kennen natürlich nicht die Zahlen genau, aber man weiß im Kreml jetzt ungefähr, wie viele Leute wohl so dagegen sind und so eine Partei wählen würden.
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