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Aufstand gegen das Rentenpaket (Update)

Was jetzt?

August 5, 2026

Die Ministerpräsidenten von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen (allesamt CDU) fordern, die sogenannte Rente mit 63 beizubehalten. Inzwischen unterstützen auch vier Ministerpräsidenten der SPD die Forderung.
Speakers: Mounia Meiborg, Kolja Rudzio, Christoph Heinemann, Martin Gruber

Topics: News

**Mounia Meiborg** (0:04)
Wird sie abgeschafft oder doch nicht? Die Rente mit 63 ist gerade das Thema unter Ministerpräsidenten. Und auch hier bei uns bei Was jetzt? Außerdem geht es hier im Update um einen Drohnenvorfall am Leipziger Flughafen und um die rechtsextreme Terrorgruppe Letzte Verteidigungswelle. Heute ist Mittwoch, der 5 August. Ich bin Mounia Meiborg und der Redaktionsschluss war 16 Uhr.
Ein Gesamtkunstwerk, so hat Arbeitsministerin Bärbel Baas Ende Juni die Liste mit 33 Punkten beschrieben, mit denen die Bundesregierung die Rente reformieren will. Die Botschaft war klar, daran soll jetzt bitte, bitte keiner mehr rumwerkeln. Tja, einige Ministerpräsidenten wollen an diesem Gesamtkunstwerk offenbar trotzdem nochmal Hand anlegen. Es geht um einen Punkt, die Abschaffung der sogenannten Rente mit 63
Drei CDU-Ministerpräsidenten aus Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen, die wollen das nicht. Also sie wollen die Rente mit 63 behalten. Sie sagen, die Perspektive Ostdeutschlands müsse stärker berücksichtigt werden. Mittlerweile fordern auch vier SPD-Ministerpräsidenten, dass die abschlagsfreie Rente bleibt.
Warum ist ihnen dieser Punkt so wichtig? Das bespreche ich jetzt mit Kolja Rudzio aus dem Wirtschaftsressort der Zeit. Grüß dich, Kolja.

**Kolja Rudzio** (1:31)
Hallo, Mounia.

**Mounia Meiborg** (1:32)
Erklär uns doch nochmal kurz, wer darf bisher früher in Rente gehen, ohne dass ihm was von der Rente abgezogen wird?

**Kolja Rudzio** (1:39)
Ja, die Voraussetzung ist, dass man 45 Versicherungsjahre vorweisen kann. Also 45 Jahre, in denen Beiträge gezahlt wurden, entweder, wenn man gearbeitet hat. Erziehungszeiten werden auch angerechnet. In bestimmten Fällen auch kurzfristige Zeiten von Arbeitslosigkeit. Und dann kann man früher in Rente gehen, nicht mit 63 Das gab es ganz am Anfang. Mittlerweile ist das ein bisschen schrittweise hochgegangen. Aber man kann zwei Jahre früher als regulär in Rente gehen, ohne dass man Abschläge bei der Rente in Kauf nehmen muss. Das ist der entscheidende Punkt.

**Mounia Meiborg** (2:09)
Ja, und wie viele Leute machen das?

**Kolja Rudzio** (2:12)
Es sind jedes Jahr etwa eine Viertelmillion. Etwa je nach Bundesland so ein Viertel bis zu ein Drittel derjenigen, die eine Altersrente neu beziehen, nehmen dieses Modell der Frühverrentung.

**Mounia Meiborg** (2:26)
Und weiß man auch, wer das ist? Also es grassiert ja in der Politik immer dieses Bild von den hart arbeitenden, körperlich arbeitenden Menschen. Ist das auch so?

**Kolja Rudzio** (2:37)
Das ist tatsächlich nicht so. Ich habe auch mit Studien und die zeigen, es ist ganz klar, die Leute, die in besonders belastenden Berufen sind, hart körperlich arbeiten, die halten gar nicht so lange durch. Die haben selten solche langen Erwerbsverläufe. Und im Gegenteil, es sind eher Leute in weniger belasteten Berufen, auch eher Leute, die eher ganz gute Renten haben, weil sie eben so einen langen, stabilen Erwerbsverlauf haben.
Eher gut Verdiener als die ganz armen Schlucker, sage ich jetzt mal. Das ist tatsächlich die faktische Wirkung dieser Frührente.

**Mounia Meiborg** (3:08)
Jetzt haben wir die Debatte losgetreten. Drei ostdeutsche Ministerpräsidenten profitieren im Osten tatsächlich mehr Menschen von dieser abschlagsfreien Frührente als im Westen?

**Kolja Rudzio** (3:18)
Tendenziell schon ein bisschen. Es ist nicht ein riesen Unterschied, aber sind in den östlichen Ländern eher so etwa 30, etwas über 30 Prozent derjenigen, die eine Altersrente neu beziehen, die dieses Modell tatsächlich nutzen können. Im Westen gibt es das auch in einigen Bundesländern, Bayern, Baden-Württemberg, aber in einigen sind es auch eher so 20, 25 Prozent. Also leichter Unterschied, ein bisschen mehr im Osten, aber von den absoluten Zahlen sind die große Masse dann doch wiederum Westrennen, damit es immer so viel mehr gibt.

**Mounia Meiborg** (3:51)
Aber dieser Unterschied zwischen Ost und West, der wird ja schon zum Thema aufgemacht, oder? Warum heißt es dann, man müsste diese ostdeutsche Realität oder diese Lebensverläufe stärker berücksichtigen?

**Kolja Rudzio** (4:05)
Ich glaube, es ist ein größeres Thema im Osten, zum Teil weil die gesetzliche Rente eine größere Runde spielt. Die Leute im Osten haben weniger, nicht gar nicht, aber weniger große betriebliche Altersvorsorge, weniger private Rente, weniger Vermögen. Die gesetzliche Rente ist einfach noch ein wichtigerer Baustein für die Altersvorsorge im Osten. Deswegen ist es, glaube ich, ein größeres Thema. Und wir haben natürlich auch eine ältere Bevölkerung. Insofern, glaube ich, ist es bei den Wählern noch mal ein größeres Thema, was ist mit der Rente.
Aber wie gesagt, es ist ja, du hast es auch erwähnt, im Westen gibt es auch Leute, die sich gegen die Abschaffung wehren. Also es ist nicht ein reines Ostthema. Da stehen sich jetzt auch Wahlen an. Deswegen ist es da jetzt auch noch mal besonders akut.

**Mounia Meiborg** (4:48)
Ein Ziel der Rentenreform ist es ja, Geld zu sparen. Wie wichtig sind jetzt in diesem Gesamtpaket, in dieser Gesamtrentenreform die Einsparungen durch das Ende der Rente mit 63?

**Kolja Rudzio** (5:00)
Das ist schon ein nennenswerter Betrag, mit dem es geht. Das sind so etwa 10 Milliarden Euro im Jahr, die das in den Start kostet.

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