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Angriffe auf Wildberries: Der Ukrainekrieg kommt zu den Russen nach Hause

Was jetzt?

August 10, 2026

Nach den wiederholten ukrainischen Drohnenangriffen auf den russischen Onlinehändler Wildberries werden Auswirkungen auf die russische Wirtschaft sichtbar. Durch die Schäden sind Lieferungen unterbrochen, Händler und Betreiber von Abholstationen melden Umsatzeinbußen.
Speakers: Hanna Heim, Sophia Boddenberg, Maxim Kireev, Jana Hensel

Topics: News

**Hanna Heim** (0:04)
Guten Morgen und willkommen in der neuen Woche. Es ist Montag, der 10 August, 2026 und es ist der Welttag des Löwen. Hoffentlich sind jetzt alle wach.
Bei Was jetzt? dem Nachrichtenpodcast der Zeit befassen wir uns heute mit den Angriffen auf den russischen Online-Händler Wildberries und der Frage, wie die die russische Bevölkerung auf den Krieg in der Ukraine aufmerksam machen können. Außerdem fragt die Zeit diese Woche, ob die Bundesregierung die Rentenreform unterschätzt hat. Das nicht, sagt meine Kollegin und setzt ein dickes Aber dahinter. Was genau dieses Aber ist, auch damit beschäftigen wir uns gleich.
Mein Name ist Hanna Heim. Ich freue mich, dass Sie dabei sind. Und hier kommen erst mal die Kurznachrichten.

**Sophia Boddenberg** (0:58)
Ich bin Sophia Boddenberg. Guten Morgen.
In Westeuropa waren der Juni und der Juli so heiß wie noch nie seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen. Das teilte das EU-Klimabeobachtungsprogramm Copernicus mit. In Westeuropa lag die Durchschnittstemperatur in den beiden Monaten bei 21,62 Grad, also 2,79 Grad über dem Referenzwert. Außerdem waren Copernicus zur Folge die Weltmeere im Juli so aufgeheizt wie nie zuvor in dieser Jahreszeit, mit Ausnahme der Polargebiete. Ein Grund seien neben den Hitzewellen auch das Klimafenomen El Nino im tropischen Pazifik. Es wird sich in den kommenden Monaten voraussichtlich verstärken.
Wegen des andauernden Niedrigwassers warnen Binnenschiffer vor der Zweiteilung des Rheins. Der Wassermangel könnte die Transportroute bald im mittleren Flussabschnitt unterbrechen. Das sagte der Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt der Rheinischen Post. Die großen deutschen Flüsse haben wegen der anhaltenden Trockenheit an vielen Orten Niedrigwasser. Am Rhein wurden am Wochenende in NRW historische Tiefstände gemessen. Der Pegelstand von Kaub zwischen Koblenz und Mainz gilt als Referenzwert für die Rheinenschifffahrt.
Redaktionslos für diesen Podcast ist 5 Uhr.

**SPEAKER_3** (2:24)
Hallo, ich bin Monika Pilat und zuständig für unsere Nachrichten. Wir sorgen mit einem Team von 60 festen und freien Mitarbeitern dafür, dass sie rund um die Uhr bestens aktuell informiert sind über alles, was in der Welt und in Deutschland passiert. Egal, ob sie uns hören, lesen oder unsere Liveblogs verfolgen. Ihr Vertrauen ist dabei unser Ansporn. Mit ihrem Abonnement finanzieren sie unseren Journalismus. Alle Infos dazu finden sie auf www.zeitpunkt.de/abonnieren.

**Hanna Heim** (2:54)
Der Internethändler Wildberries ist so etwas wie das russische Amazon. Eine Plattform, auf der zehntausende Unternehmen ihre Waren verkaufen. In den vergangenen drei Wochen wurde dieses Wirtschaftskonzept aber massiv gestört. Ukrainische Drohnen haben Lagerhallen von Wildberries angegriffen. Mindestens 13 Menschen sind dabei umgekommen.
Mittlerweile machen sich die Angriffe auch wirtschaftlich bemerkbar. Denn tausende Waren wurden zerstört, kommen nicht mehr bei den Menschen an. Wildberries bittet öffentlich um Unterstützung und Marktforscher befürchten Insolvenzen.
Maxim Kireev ist der Russlandexperte derzeit und hat sich mit den Angriffen befasst. Hallo Maxim.

**Maxim Kireev** (3:35)
Hallo Hanna.

**Hanna Heim** (3:36)
Nach allem, was man weiß, bekommt die russische Bevölkerung bislang wenig mit von dem Krieg. Genau das will die ukrainische Regierung jetzt ändern.
Den Krieg will sie zu den Leuten nach Hause bringen, heißt es. Warum eigentlich?

**Maxim Kireev** (3:49)
Also nach allem, was man in den letzten Wochen gesehen hat, gibt es offenbar auch in der ukrainischen Regierung noch sowas wie Hoffnung, dass es in Russland eine Art innenpolitische Krise geben kann, wenn sich die Situation im Land weiter zuspitzt, wenn die Menschen quasi die wirtschaftlichen Probleme zu spüren bekommen. Das ist schon eine Taktik, die ganz gut sichtbar ist.

**Hanna Heim** (4:09)
Und funktioniert das denn, dass die Menschen das jetzt mehr spüren, weil keine Pakete mehr ausgeliefert werden?

**Maxim Kireev** (4:15)
Also vor allem spüren das jetzt die Menschen, die auf Wildberries Sachen verkauft haben. Also das sind meistens Mittelständler. Ich habe jetzt auch mit einem so einem Händler gesprochen für meinen Text. Und er sagt, dass Jahre seiner Arbeit jetzt dadurch vernichtet worden sind. Aber er war auch vorher nicht für den Krieg und war sehr kritisch Putin gegenüber eingestellt. Aber er sagte auch, dass er unter seinen Kollegen schon merkt, dass der Unmut sich auch gegen die eigene Regierung richtet, die das alles nicht verhindern kann, die keine Entschädigungen zahlt.
Die Menschen kommen ins Grübeln, das muss man schon sagen.

**Hanna Heim** (4:48)
Das ist ganz interessant, weil ich glaube, es ist jetzt das erste Mal, dass ich solche Stimmen wirklich von russischen Zivilistinnen höre, die ja auch dann deutschen Medien doch recht kritische Dinge über ihre Regierung sagen. Wie bewertest du das?

**Maxim Kireev** (5:02)
Also man sieht das auch an den Umfragen, dass in diesem Jahr die Kriegsmüdigkeit in Russland zunimmt. Es gibt immer weniger Menschen, die glauben, dass der Krieg erfolgreich läuft. Es gibt immer mehr Menschen, die sagen, dass Russland einen Waffenstillstand braucht. Allerdings muss man hier natürlich auch einschränkend sagen, es gibt wenig Möglichkeiten, dass die Leute ihren Unmut überhaupt äußern können. Also die meisten sind mürrisch, unterhalten sich untereinander, auch kritisch. Aber in der Öffentlichkeit ist davon bisher sehr wenig zu sehen, abseits vom Internet vielleicht.

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