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Afghanistan fünf Jahre unter den Taliban

Was jetzt?

August 15, 2026

Fünf Jahre nach der Machtübernahme der Taliban hat sich die Sicherheitslage in Afghanistan zwar verbessert, allerdings bleibt die humanitäre Situation schwierig. Die Bewohner des Landes leiden unter Unterernährung, Dürren und Überschwemmungen.
Speakers: Erica Zingher, Susanne Hehr, Sven Stockram, Wolfgang Bauer, Maike Rademaker

Topics: News

**Erica Zingher** (0:04)
Wenn wir hier im Was jetzt? Podcast über weltpolitische Jubiläen sprechen, dann haben die in den meisten Fällen keinen freudigen Anlass. Leider trifft das auch auf den heutigen zu. An diesem Samstag, dem 15 August, blicken wir auf fünf Jahre Taliban-Herschaft in Afghanistan. Wie geht es den Menschen seitdem?
Außerdem ein Blick in den Hafen von Köln. Da sinkt und sinkt und sinkt der Pegel des Rheins. Der Fluss könnte so niedrig werden, dass er faktisch zweigeteilt wäre. Wie Hafenbetreiber und Unternehmen damit umgehen, erfahren sie auch hier. Ich bin Erica Zingher. Guten Morgen. Wir hören uns gleich wieder. Erst mal gibt es die neuesten Nachrichten.

**Susanne Hehr** (0:41)
Ich bin Susanne Hehr. Guten Morgen.
US-Präsident Donald Trump will die Straße von Hormuz zum US-Territorium machen. Bei einem Auftritt im Bundesstaat New York hat er gesagt, dass er die Hormuzstraße zum Territorium der Vereinigten Staaten erklären werde, sobald der Iran besiegt sei. Und das sei bald. Wie ernst Trump das ganze meint, ist nicht klar. Öffentlich verkündete Annexionspläne gehören zu Trumps Außenpolitik. Er hat in Bezug auf Venezuela, Kuba und Grönland auch schon Ähnliches gesagt. Trump hat in letzter Zeit immer wieder erklärt, dass die USA die wichtige Meerenge kontrollieren. Der Iran wiederum sagt, einen Großteil der Straße von Hormuz unter seine Kontrolle gebracht zu haben.
In weiten Teilen Deutschlands wird es heute noch einmal ein sehr heißer Tag. Abgesehen vom Nordwesten, da ist es deutlich kühler, gibt es laut deutschem Wetterdienst an vielen Orten hohe Temperaturen von 30 bis 38 Grad. Dann naht ein Wetterumschwung mit Schauern und Gewittern. Vereinzelt soll es auch Sturmböen, Hagel und Starkregen geben. Bis dahin bleibt die Waldbrandgefahr wegen der anhaltenden Trockenheit allerdings groß. Im Hürtgenwald in der Eifel kämpfen im Moment hunderte Feuerwehrleute gegen einen bestehenden, großen Waldbrand. Die Feuerwehr stellt sich dort auf einen tagelangen Einsatz ein. Der Waldbrand ist nach Einschätzung der Landesregierung wohl der größte in der Geschichte von Nordrhein-Westfalen. Redaktionsschluss für diesen Podcast ist 5 Uhr.

**Sven Stockram** (2:18)
War jemand in Ihrer Familie in der NSDAP, der Uropa, vielleicht ein Nazi? Ich bin Sven Stockram, Leiter des Wissenschaftsressorts der ZEIT. Wir haben Millionen von Akten der NSDAP-Mitgliederkartei erstmals einfach durchsuchbar gemacht. Es ist die Chance, sich der Wahrheit über die eigene Familie zu stellen, ohne falsche Scham und ohne zu relativieren. Probieren Sie unser Recherchetool aus mit einem ZEIT-Digital-Abo unter z.de.

**Erica Zingher** (2:52)
Heute, vor fünf Jahren, haben die Taliban die Herrschaft in Afghanistan an sich gerissen. Die Hauptstadt Kabul ist damals praktisch kampflos erobert worden. Und viele von uns erinnern sich wahrscheinlich noch an diese dramatischen Bilder vom Flughafen. Verzweifelte Menschen, die noch irgendwie versucht haben, rauszukommen und sich dafür sogar an ein startendes Flugzeug geklammert haben. Seitdem beschneiden die Taliban systematisch Rechte von Frauen und Mädchen. Die humanitäre Lage im Land ist schlecht. Es herrscht Hunger und Armut. Und trotzdem hört man hier bei uns erstaunlich wenig aus Afghanistan. Das Land ist aus dem Blickfeld verschwunden. Wie ist die Lage also heute?
Zeitreporter Wolfgang Bauer kennt das Land ziemlich gut. Er hat immer wieder von dort berichtet, ist nach dem Fall Kabul sogar zurückgekehrt nach Afghanistan und hat darüber ein Buch geschrieben. Er kann mir also mehr sagen. Hallo Wolfgang.

**Wolfgang Bauer** (3:40)
Hi Erika.

**Erica Zingher** (3:42)
Ja, wie würdest du das Leben der Afghanen heute beschreiben? Was sind ihre großen Sorgen?

**Wolfgang Bauer** (3:47)
Ja, die großen Sorgen sind die, wie sie schon immer waren. Die drehen sich vor allem um die Ernte.
Wie wird die nächste Ernte ausfallen? Bestimmt den gesamten Jahresrhythmus. Das Klima wird immer mieser, immer weniger Regen und immer weniger Schnee fällt in den Bergen. Dieses Jahr ist zwar die Ernte relativ gut ausgefallen, aber obwohl sie relativ gut ausgefallen ist, gehen Experten davon aus, dass den meisten Familien zwischen Oktober und Dezember die Vorräte ausgehen, weshalb sie nächsten Frühjahr im Winter wieder auf Nahrungsmittel helfen, angewiesen sein werden, diese aber nicht bekommen, weil die Weltgemeinschaft immer weniger gibt.

**Erica Zingher** (4:25)
Menschen suchen ja gerade unter autoritären Regimen oft nach Schlupflöchern, um sich dann trotzdem irgendwie Freiräume zu schaffen oder eben um irgendwie durchzukommen. Wie ist das denn in Afghanistan? Wie gehen die Menschen dort mit der Herrschaft der Taliban um?

**Wolfgang Bauer** (4:41)
Also nochmal muss man differenzieren zwischen Dorf und Stadt. Afghanistan ist nicht nur ein Vielvölkerland, sondern ist ein Land der Dörfer und ein Land der Städte, ganz extrem.
Für die Menschen auf den Dörfern hat sich jetzt das Leben nicht so viel verändert durch die Taliban. Das war schon immer konservativ. Verändert hat sich das Leben der Menschen in den Städten, ja vor allem der Frauen in den Städten. Viele sind geflohen, weil sie sich bedroht fühlten, weil sie nicht länger auch psychisch damit umgehen konnten mit der verhinderten Lage. Die, die geblieben sind, die haben sich angepasst. Die haben das Glück im Privaten gesucht, so wie ich sie kenne. Ich kenne Musiker, die keine Musik mehr machen. Ich kenne viele Journalisten, die nicht mehr Journalisten sind, sondern sich mit anderen Jobs über Wasser halten. Also die meisten, die ich kenne, haben resigniert.

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