Topics: News
**Philip Moser** (0:04)
Guten Morgen. Vor 180 Jahren hat erstmals ein Arzt einen Patienten unter Narkose operiert. Seit einer ganzen Weile also ist die Narkose eine medizinische Erfolgsgeschichte.
Da war ich doch wirklich überrascht, als ich in der Vorbereitung für heute gelernt habe. So richtig wissen wir eigentlich nicht, wie eine Vollnarkose funktioniert.
Schauen wir in ein paar Minuten drauf. Hier ist Was jetzt? Der Nachrichtenpodcast der Zeit am Sonntag, den 23 August. Kurz vor den Landtagswahlen sind die Umfragewerte der AfD so hoch wie nie. Wer wählt sie und warum? Das ist gleich unser erstes Thema. Mein Name ist Philip Moser und hier sind erstmal die Kurznachrichten.
**Christina Felschen** (0:42)
Ich bin Christina Felschen. Guten Morgen.
Bundeskanzler Friedrich Merz ist zurück aus der Sommerpause. Sein erster Termin gestern ein Besuch im Waldbrandgebiet in Hürtgenwald. Zu spät, sagen Kritiker aus der Opposition und auch Demonstrierende vor Ort, die seine Rede mit Pfiffen und Buhrufen begleiteten.
**Friedrich Merz** (1:01)
Und dann habe ich gesagt, so schnell wie möglich komme ich gern, um mir das anzuschauen, was hier passiert ist, aber auch anzuschauen, was wir hier gemeinsam daraus lernen können.
**Christina Felschen** (1:11)
Merz sagte, er habe mit den Einsatzkräften einen Besuch erst nach den Löscharbeiten vereinbart, um nicht im Weg zu stehen. Das Feuer in Hürtgenwald brannte eine Woche lang. Am Donnerstag wurde es endgültig gelöscht. Es handelte sich um den größten Waldbrand in Nordrhein-Westfalen seit Beginn der Aufzeichnungen. Merz führte das Feuer auf die Erderwärmung zurück und kündigte eine Kabinettssitzung zum Klimawandel an.
Nach der Eskalation im Zollstreit zwischen den USA und Kanada, hat Kanadas Regierungschef Mark Carney Gegenzölle auf Stahl, Milchprodukte und Elektrogeräte aus den USA angekündigt. Sie sollen in zwei Wochen in Kraft treten. Seit gestern erheben die USA 50 Prozent Zoll auf einige Waren aus Kanada. Auch auf solche, die eigentlich unter das von US-Präsident Donald Trump ausgehandelte Freihandelsabkommen fallen. Die Nachbarländer gaben sich gegenseitig die Schuld am Scheitern der Verhandlungen. Trump begründete seine Zollpläne erst mit dem Rauch von kanadischen Waldbränden, der über die Grenze gekommen sei, dann mit einem Boykott von US-Alkohol in Kanada als Reaktion auf frühere US-Zölle.
Redaktionsschluss für diesen Podcast ist 5 Uhr.
**Philip Moser** (2:25)
Über 40 Prozent in Sachsen-Anhalt, um die 35 in Mecklenburg-Vorpommern bundesweit 28 Prozent. Die AfD tritt immer radikaler auf, aber sie findet immer mehr Zustimmung, zumindest laut den Umfragen. In zwei Wochen wird sie ziemlich sicher als stärkste Fraktion in den Magdeburger Landtag einziehen. Wer sind die AfD-Unterstützer und was bewegt sie? Sasan Abdi-Herrle leitet die Redaktionsleitung von zeit.de, ist promovierter Politikwissenschaftler und hat sich die Studienlage genau angeschaut. Hi Sasan!
**Sasan Abdi-Herrle** (2:56)
Hallo Philip!
**Philip Moser** (2:57)
Früher, da hat es ja mal geheißen, AfD-Wähler, das sind Protestwähler. Die wollen es den anderen Parteien einfach mal richtig zeigen. Gibt es die noch?
**Sasan Abdi-Herrle** (3:05)
Die gab es mal im größeren Anteil, am Anfang vor allen Dingen. Und über die Zeit ist das aber verloren gegangen, beziehungsweise zumindest kleiner geworden, wesentlich kleiner geworden.
Die AfD ist heute viel mehr normalisiert und etabliert in breiten Teilen der Gesellschaft und das besonders natürlich im Osten, aber auch der Westen holt auf. Es ist also eigentlich keine Protestwahl, weil selten nur noch eine Protestwahl und viel häufiger einfach die normale und teilweise jetzt ja auch eingeübte Wahlentscheidung.
**Philip Moser** (3:36)
Aber kann man die AfD-Wählerschaft noch irgendwie kategorisieren? Welche Typen von Wählerinnen und Wählern kann man da ausmachen?
**Sasan Abdi-Herrle** (3:43)
Ja, das versucht die Forschung immer mal wieder. Und da gibt es eine interessante Studie, die an der FU Berlin gemacht wurde und die die Wählerschaft der AfD in drei Typen unterteilt. Da mehrerstens die konservativen Hardliner, die etwa so 67 Prozent ausmachen. Und für die ist Migration das alles entscheidende Thema. Sie wollen sie einfach maximal begrenzen und orten alles andere diesem Thema und diesem Ziel unter.
Und da sind die radikal rechten Autoritären. Das ist eigentlich so ein bisschen das Wählerbild, was man klischeehalber früher zumindest immer hatte. Das sind eher die tatsächlich rechtsaußen Wähler mit etwa 20 Prozent vertreten in dieser Wählerschaft. Und für sie ist auch Migration natürlich sehr wichtig. Aber darüber hinaus stimmen sie auch häufiger autoritären und antisemitischen Positionen zu. Und als dritten Wählertyp sieht diese Studie die tatsächlich moderat konservativen. Das sind also gemäßigte Leute, etwa 13 Prozent in der Wählerschaft der AfD.
Sie vertreten eben moderate Positionen und finden auch andere Themen relevant, also zum Beispiel die Wirtschaft oder die Außenpolitik.
**Philip Moser** (4:48)
Jetzt ist allen drei Typen von Wählern in Abstufungen Migration wichtig.
Wenn wir mal auf die Zahlen schauen. Die Zahl der Asylanträge, die ist stark runtergegangen. Davon hat sich doch eigentlich die Union, aber nicht nur die Union, versprochen, dass das die Zustimmung zur AfD senkt.
**Sasan Abdi-Herrle** (5:05)
Das ist kein reines sachpolitisches Thema mehr, sondern eher ein Metathema, in dem alles zusammenkommt, was diese drei AfD-Wählertypen umtreibt, nämlich sowas wie die Angst vor Kontrolle und Statusverlust, vor der eigenen Zukunft, aber auch vor der Zukunft des Landes, vor dem in Anführungsstrichen Fremden, vor kultureller Veränderung und, naja, bei manchen auch Rassismus. Und all das kommt eben zusammen beim Thema Migration. Und da spielt es dann gar keine Rolle mehr, dass die Zahlen runterkommen und dass die anderen Parteien sich natürlich auch verändert haben, in ihrer Haltung zu dem Thema. Daraus folgt allerdings auch die doch ziemlich folgenschwere Feststellung, dass die anderen Parteien kaum etwas machen können in dem Bereich, was das Thema für die AfD-Wählerschaft befrieden würde.
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