Topics: News
**Hannah Grünewald** (0:03)
Kleiner Freitag oder einfach nur Donnerstag, der 13 August. Wer in Geschichte aufgepasst hat, der weiß sogar noch mehr über diesen Tag. Heute vor 65 Jahren hat der Bau der Mauer begonnen. Damit es künftig noch mehr wissen, fordert die SED-Opferbeauftragte des Deutschen Bundestages, Evelyn Zupke, mehr Bildung über die DDR-Diktatur. Wir sprechen mit ihr. Außerdem sprechen wir über Eva Maria Michelmann.
Die deutsche Staatsbürgerin war über fünf Monate in Haft in Syrien. Und damit guten Morgen bei Was jetzt? dem Nachrichten-Podcast der Zeit. Ich bin Hannah Grünewald und hier kommen zunächst die Nachrichten.
**Lisa Pausch** (0:38)
Ich bin Lisa Pausch. Guten Morgen.
Der aktuelle Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo könnte der größte aller Zeiten werden. Davor warnt die Weltgesundheitsorganisation WHO. Die Epidemie breitet sich in Rekordgeschwindigkeit aus. Das sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Wenn das so weitergeht, könnten demnach mehr Menschen erkranken und sterben als bei dem großen Ebola-Ausbruch in Westafrika vor rund 10 Jahren. Damals starben mehr als 11 Menschen. Bei dem aktuellen Ausbruch gibt es laut WHO bisher mehr als 2 Tote. Noch immer sterben viele Menschen in ihren Gemeinden, ohne dass sie überhaupt auf Ebola-Kontaktlisten stehen. Die WHO geht davon aus, dass der Höhepunkt der Epidemie erst noch bevorsteht, laut optimistischen Schätzungen, in sechs Monaten.
In Berlin findet heute eine Gedenkveranstaltung zum Mauerbau vor 65 Jahren statt. Unter anderem Bundestagspräsidentin Julia Klöckner soll dafür an die Gedenkstätte in der Bernauer Straße kommen, ebenso Berlins regierender Bürgermeister Kai Wegener und Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Klöckner sagte im Vorfeld, dass die Freiheitsideen, die 1989 zum Fall der Mauer führten, in Gefahr seien. Weimer warnte gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vor positiven Zerrbildern, die ihm zufolge die AfD und die Linkspartei in Ostdeutschland von der DDR produzieren. Er schlägt vor, neue Straßen nach Menschen zu benennen, die durch die kommunistische Diktatur getötet wurden oder im Gefängnis saßen.
Wie kann man Menschen heute für DDR-Geschichte sensibilisieren? Um diese Frage geht es auch gleich im Gespräch. Redaktionsschluss für diesen Podcast ist 5 Uhr.
**Evelyn Zupke** (2:30)
Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.
**Hannah Grünewald** (2:32)
Das hatte der DDR-Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht noch Mitte Juni 1961 gesagt. Knapp zwei Monate später, am 13 August, beginnen dann aber Soldaten und Bautrupps die Grenze zwischen Ost- und West-Berlin mit Pflastersteinen und Betonfeilern zu blockieren. Die Mauer wird gebaut. Eine Grenze, die Deutschland auch physisch in ein Ost und West teilt. Ulbrichts Aussage ist eine der folgenreichsten politischen Lügen des 20 Jahrhunderts. Mindestens 140 Menschen sterben bei Fluchtversuchen oder anderen Zwischenfällen an der Mauer. Und erst am 9 November 1989 fällt die Mauer schließlich.
Knapp ein Jahr später endet dann auch die DDR.
Viele Menschen haben diese Zeit selbst miterlebt, andere so wie ich. Kennen sie nur aus Erzählungen, Geschichtsbüchern oder aus dem Schulunterricht. Und genau da, findet Evelyn Zupke, könnte noch mehr getan werden. Sie ist SED-Opferbeauftragte des Deutschen Bundestages. Sprechen wir also darüber. Schön, dass Sie im Podcast sind. Ich grüße Sie, Frau Zupke.
**Evelyn Zupke** (3:31)
Hallo, ich grüße Sie.
**Hannah Grünewald** (3:32)
Frau Zupke, was glauben Sie? Was habe ich nicht über die DDR im Schulunterricht gelernt?
**Evelyn Zupke** (3:38)
Natürlich ist das jetzt eine sehr provokative Frage. Was Sie genau gelernt haben, weiß ich natürlich nicht. Aber wenn ich Sie jetzt mit in die Erfahrungen, die ich bisher gemacht habe, mit reinnehme, dann höre ich natürlich ganz unterschiedliche Dinge. Und froh bin ich natürlich, wenn ich Schülerinnen und Schüler oder Erwachsene treffe, die in ihrer Schulzeit über DDR gelernt haben, die wissen, was die SED war, dass es ein Unrechtstaat war. Aber immer wieder erlebe ich natürlich auch, dass Menschen, die die Schule verlassen haben oder in der Schule sind, gar nichts über die DDR wissen. Dass sie nicht wissen, wer war Erich Honecker, dass sie nicht wissen, dass Deutschland geteilt gewesen ist oder dergleichen. Also das erleben wir natürlich auch immer wieder.
**Hannah Grünewald** (4:16)
Die DDR-Geschichte steht aber in allen Lehrplänen aller Bundesländer. Woran machen sie das denn genau fest, dass es da Aufholbedarf gibt?
**Evelyn Zupke** (4:25)
Zum Beispiel nur 32 Prozent der 14- bis 29-Jährigen konnten den 13 August 61 mit dem Mauerbau verbinden.
Es sagen noch 58 Prozent der gleichen Altersgruppe. Sie würden sehr gerne mehr über die Geschichte der deutschen Teilung erfahren. Und die meisten Menschen, das sagt eine repräsentative Forse-Umfrage aus Hessen, finden, dass es wichtig ist, dass junge Menschen heute etwas über die DDR-Geschichte und das Leben in der SED-Diktatur erfahren. Und das sind natürlich Zahlen, die auch für sich sprechen.
**Hannah Grünewald** (4:55)
Sie schlagen ja einen verpflichtenden Gedenkstättenbesuch vor. Was genau soll das bringen?
**Evelyn Zupke** (5:01)
Es gehört zur Unterrichtung über die DDR, über die SED-Diktatur, zur Aufklärung, zum Unterricht. Auch anschaulich ist dazu. Und dazu gehört, neben Zeitzeugengesprächen, das hören wir immer wieder, dass gerade Schülerinnen und Schüler auch sagen, das war eigentlich das Beste daran. Ein Gespräch mit einem Zeitzeugen. Da konnten wir wirklich persönlich nachvollziehen, was bedeutet das Leben in der Diktatur unter Umständen. Und genau das Gleiche erreichen natürlich Gedenkstätten noch mal in mehrfacher Form und bilden auch noch viel mehr ab als eine einzelne Zeitzeugengeschichte. Also es ist ja auch selbstverständlich, dass Schulklassen eine Gedenkstätte zur ersten deutschen Diktatur besuchen, was ich völlig richtig finde. Aber genauso selbstverständlich sollte es sein, dass diese Besuche auch in einer Gedenkstätte zur zweiten deutschen Diktatur stattfinden.
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