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Wie viel KI hält unser Staat aus?

Der KI-Podcast

September 1, 2026

Widersprüche, Klagen, Einsprüche: Bürgerinnen und Bürger rüsten mit KI auf, die Ämter kommen nicht hinterher. Bringt das unseren Staat zum Einsturz - oder endlich in Bewegung?
Speakers: Gregor Schmalzried, Marie Kilg, Magdalena Binard

Topics: Science

**Gregor Schmalzried** (0:06)
Marie, ich möchte dir von Carsten erzählen. Carsten ist einer unserer Hörer. Und Carsten hat uns schon vor eine Weile her, ich glaube über ein halbes Jahr mal eine E-Mail geschrieben, die ich wirklich damals schon sehr faszinierend fand. Und jetzt haben wir herausgefunden, wir bauen eine komplette Folge um diese E-Mail.

**Marie Kilg** (0:26)
Okay, das war mir nicht klar. Aber ich glaube, es wird eine spannende Folge. Aber was hat Carsten damit zu tun?

**Gregor Schmalzried** (0:32)
Carsten ist Geschäftsführer in einem mittelständischen Unternehmen. Und er hat uns geschrieben, dass er KI benutzt hat, um eine Förderung vom Jobcenter zu bekommen, für eine neue Mitarbeiterin, die bei ihnen angefangen hat. Also er sagt, da gibt es so einen Online-Fragebogen, da gibt es mehrere Textfelder, die muss man, schreibt er, möglichst intelligent befüllen.
Also, warum nicht hier mal die KI dafür einsetzen? Und er hat nicht nur erst die KI gefragt, hey, was soll ich da eingeben? Er hat auch die KI gefragt, was könnte die Dame vom Amt für mögliche Einwender haben, gegen diese Förderung, warum das keinen Sinn macht? Und hat das dann entsprechend in seinen Antrag miteinfließen lassen. Das Ergebnis davon, er bekam, sagt er, die höchste Förderung, die die gute Frau in ihren 15 Jahren im Job jemals genehmigt hat. Das ist Carstens Ergebnis.

**Marie Kilg** (1:29)
Weil KI ihm quasi dieses Formular ausgefüllt hat. Oder ihm gesagt hat, was er in die Felder schreiben soll.

**Gregor Schmalzried** (1:34)
Weil er die KI als quasi Amtsberaterin mit dabei hatte.

**Marie Kilg** (1:39)
Katsching!

**Gregor Schmalzried** (1:41)
Ja, und warum ist das das Thema unserer Folge? Weil da zwei Sachen drin stecken. Die erste Sache ist, gut für dich Carsten, gut für die Firma.

**Marie Kilg** (1:49)
Glückwunsch.

**Gregor Schmalzried** (1:50)
Die zweite Sache ist, Moment mal, was, wenn das jetzt jeder macht?
Also was, wenn auf einmal jede Kommunikation mit dem Amt, jedes Mal, wenn wir irgendein rechtliches Problem haben, jedes Mal, wenn wir irgendwas gerne doch anders sehen wollen bei einer Zugreise, bei einem gerichtlichen Verfahren, wenn wir auf einmal die KI einfach für uns diese Kommunikation übernehmen lassen. Weil gerade ist es ja noch so, dass die Frau vom Amt offensichtlich sehr beeindruckt war von diesem Ergebnis. Aber wenn das bald alle machen, kommt ihr denn überhaupt noch hinterher?

**Marie Kilg** (2:27)
Sie können ja auch nicht jedes Mal die Höchstsammel dann geben. Genau. Wir gucken uns heute also an, wie KI so eigentlich einem absurden Wettrüsten in der Verwaltung sorgt.
Ob KI mir hilft, mehr von der Bürokratie zu bekommen, ob ich mehr aus dem Staat rausholen kann als Bürgerin. Und aber dann auch, was heißt das für dieses ganze System? Bringt das das System an seine Grenzen? Oder kann KI uns irgendwie helfen, eine neue digitale Utopie mit einem funktionierenden Staat zu bauen?

**Gregor Schmalzried** (2:57)
Und kurzer Hinweis, ich glaube, wir schaffen das das Wort Verwaltung nicht in den Titel für diese Folge zu packen. Also gibt es Leute, die sagen, sie finden, mein Gott, Bürokratie und Verwaltung ist jetzt nicht so spannend. In der Vorbereitung, ich fand kaum eine Folge so spannend wie diese. Also das ist so ein interessantes Thema. Und ich freue mich sehr, mit dir darüber zu sprechen. In dieser besonders bürokratisch anspruchsvollen Folge von Der KI-Podcast. Ich bin Gregor Schmalzried und ich bin Marie Kilg.
Marie, fangen wir doch mal an mit einem Bericht, der das Problem, über das es heute gehen soll, schon mal identifiziert hat. Es ist nämlich eine sehr frische Reportage im Economist, also dem wichtigen britischen Wirtschaftsmagazin.
Und die haben einen Titel, der hat es in sich. Er ist auf den britischen Staat bezogen, nicht auf unseren. Aber der heißt How AI is Breaking the British State. Also die gehen gleich ganz groß rein und sagen, wir haben eine Krise, wir haben eine KI-Krise im britischen Staat. Warum? Weil der Rückstau bei britischen Arbeitsgerichten zum Beispiel. Der ist innerhalb eines Jahres um 55% gewachsen, wegen KI-generierter Klagen. Die Nachfrage nach einstweiligen Verfügung ist um das hundertfache gestiegen. Wer heute klagt, wartet vier Jahre auf eine Verhandlung und das Ganze wird nur noch schlimmer. Also das einzige, was stärker steigt als die Aktienkurse von Nvidia und Co.
sind quasi die Menge an Papierstapeln in britischen Behörden, britischen Gerichten und so weiter. Früher oder später, so steht es da drin, so vermuten die Kollegen vom Economist das, muss dieses Ding zusammenbrechen.

**Marie Kilg** (4:36)
Krass, ja und ich habe auch ähnliche Zahlen aus Deutschland gefunden. Also die kommen aus verschiedenen Behörden in verschiedenen Bundesländern.
In Deutschland insgesamt soll es 2025 eine halbe Million mehr Bürgergeldwidersprüche zum Beispiel gegeben haben als im Jahr davor. Und das ist 2025 Dieses Jahr haben wir auch krasse Zahlen. Wir haben vom Jobcenter Hamburg 30 Prozent mehr Widersprüche. Die Sozialgerichte in Baden-Württemberg haben neulich berichtet, dass sie von KI-Schriftsetzen regelrecht geflutet wurden. Andrea Nahles hat auch neulich in einem Interview gesagt, dass auf jeden Fall diese ganzen Widersprüche mehr werden. Und sie führt es auch auf KI zurück. Natürlich weiß man es nicht in jedem Fall. Also dass die Zahlen steigen, kann ja theoretisch unterschiedliche Gründe haben.

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