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Wie stoppt man Radikalisierung?

Was jetzt?

July 28, 2026

Nach seinem mutmaßlich islamistischen Anschlag auf den Christopher Street Day mit einer Toten und zahlreichen Verletzten in Berlin am Samstag, wurde Abdul B. am Sonntag in Berlin Spandau von der Polizei bei dem Versuch, ihn festzunehmen, erschossen.
Speakers: Hannah Grünewald, Mathias Peer, Özgür Özvatan, Kai Kupferschmidt, Mira Schrems
**Hannah Grünewald** (0:03)
Es ist der 28 Juli, der letzte Dienstag in diesem Monat, der nicht zwangsläufig besonders ruhig oder leicht war. Wir hier bei Was jetzt? dem Nachrichtenpodcast der Zeit begleiten sie jeden Tag durch diese wilde Welt und ich hoffe, das hilft zumindest ein bisschen. Wir sprechen heute, drei Tage nach dem Anschlag auf den CSD über die Frage, wie man Menschen deradikalisieren kann. Also was man tun kann, damit jemand nicht zum Täter wird. Und dann schauen wir noch auf den Ebola-Ausbruch im Kongo. Forschende aus aller Welt suchen gerade nach einem Mittel gegen das Virus und es könnte Hoffnung geben. Ich bin Hannah Grünewald und jetzt kommen hier zunächst die Nachrichten.

**Mathias Peer** (0:41)
Ich bin Mathias Peer. Guten Morgen.
Nach dem mutmaßlich islamistischen Anschlag beim CSD in Berlin fordert Bundesinnenminister Alexander Dobrindt eine Präventivhaft für sogenannte Gefährder. Außerdem dürften die betroffenen Personen nicht nach Jugendstrafrecht behandelt werden, sagte er in den Tagesthemen der ARD.
Der mutmaßliche Attentäter von Berlin war mehrfach vorbestraft und galt offenbar als hochrisiko Person. Trotzdem konnte er sich frei bewegen. Dobrindt sagt, es wäre sinnvoll gewesen, ihn in Haft zu nehmen. Insgesamt stuft das Bundeskriminalamt derzeit 410 Menschen als religiös motivierte Gefährder ein, fast ausschließlich Islamisten.
In Frankreich kämpft die Feuerwehr weiter gegen die Waldbrände an der Atlantikküste bei Bordeaux. Mehr als 2500 Feuerwehrleute und 1500 Soldaten sind im Einsatz. Dazu gibt es Hilfe aus Deutschland, ein Transportflugzeug und zwei Hubschrauber sollen beim Kampf gegen das Feuer helfen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lobte am Abend die bemerkenswerte Arbeit zum Schutz der Zivilbevölkerung. Den kleineren der beiden Brände haben die Einsatzkräfte inzwischen unter Kontrolle. Der größere macht ihnen aber weiter zu schaffen. Seit Mittwoch mussten schon mehr als 220 Menschen in Sicherheit gebracht werden. Redaktionsschluss für diesen Podcast ist 5 Uhr.
Der Kinotipp The In-Wide Hi, kommt rein.

**Özgür Özvatan** (2:10)
Schuhe aus? Es ist mir scheißegal, ob du die Schuhe ausziehst.

**Kai Kupferschmidt** (2:13)
Nur ein Dinner mit den Nachbarn?

**Özgür Özvatan** (2:14)
Die neue Komödie mit Penelope Cruz, Edward Norton, Olivia Wilde und Seth Rogen.

**Mathias Peer** (2:19)
Hier kommt wirklich alles auf den Tisch.

**Hannah Grünewald** (2:21)
Wir fühlen uns sehr stark zu euch hingezogen.

**Mathias Peer** (2:25)
Nur um das klarzustellen.

**Hannah Grünewald** (2:26)
Du, du, sie und ich. Ja.

**Kai Kupferschmidt** (2:29)
Ich auch.

**Hannah Grünewald** (2:30)
Ja, du auch.

**Mathias Peer** (2:31)
The Invite.

**Kai Kupferschmidt** (2:32)
Witzig, emotional und wunderbar und vorhersehbar.

**Mathias Peer** (2:35)
Ab 30 Juli im Kino.

**Hannah Grünewald** (2:39)
Genau zweimal hat Abdul B an Gesprächen beim Berliner Verein Violence Prevention Network teilgenommen. Der Verein bietet Programme zur Deradikalisierung an. Und im Rahmen seiner Verurteilung im Mai war Abdul B verpflichtet worden, an genau so einem Deradikalisierungsprogramm teilzunehmen.
Gestern hätte sein dritter Termin stattfinden sollen. Dazu ist es nicht gekommen. Nach dem mutmaßlich islamistischen Anschlag auf den Christopher Street Day, bei dem eine Frau getötet worden ist und zahlreiche Menschen verletzt worden sind, hat die Polizei Abdul B bei dem Versuch, ihn festzunehmen, am Sonntag erschossen.
Dass Abdul B bei einer Deradikalisierungsstelle vorstellig geworden ist und trotzdem Attentäter wurde, das wirft viele Fragen auf. Einige davon möchte ich mit Özgür Özvatan besprechen. Er ist Politikwissenschaftler und Radikalisierungsforscher. Willkommen im Podcast, Herr Özvatan.

**Özgür Özvatan** (3:32)
Vielen Dank.

**Hannah Grünewald** (3:33)
Herr Özvatan, was sind Deradikalisierungsprogramme? Also was genau macht man, damit jemand nicht zu einem islamistischen Attentäter wird?

**Özgür Özvatan** (3:42)
Deradikalisierungsprogramme versuchen, Menschen von ihren radikalen Ansichten wieder in ein demokratisches Spektrum zurückzuholen. Es geht darüber, dass man Gespräche mit diesen Menschen führt, dass man sie versucht abzuholen, Vertrauen aufzubauen, weil kein Mensch wird sich vordiktieren lassen, wie er zu denken hat oder wie sie zu denken hat. Das heißt, man muss in diesen Gesprächen Vertrauen aufbauen.
Und die traditionelle Deradikalisierungsarbeit, die macht das in einer analogen Welt, die trifft die Menschen und hat dann halt alle paar Wochen ein Treffen und versucht dann peu à peu Vertrauen aufzubauen. Es gibt neuerdings seit einigen Jahren auch Onlineversionen davon, wo das eben in WhatsApp-Gruppen oder über andere Kanäle versucht wird, diese Menschen zu erreichen. Aber der Schlüssel hier ist immer Vertrauensaufbau. Und das ist ein Prozess, der dort länger.

**Hannah Grünewald** (4:26)
Und warum hat die Maßnahme im Fall von Abdul B nicht funktioniert?

**Özgür Özvatan** (4:30)
Ja, weil die Person war erst ganz am Anfang des Programms. Also da kann man Violence Prevention Network überhaupt keinen Vorwurf machen.
Es ist tatsächlich eher gut, dass sie geschafft haben, Kontakt zu der Person aufzubauen. Und nach meinem Kenntnisstand hatten sie aber erst zwei Treffen. Das ist viel zu wenig, um Vertrauen aufgebaut zu bekommen und eben die Person von etwaigen schrecklichen Attentaten abzuhalten.

**Hannah Grünewald** (4:53)
In Deutschland gibt es ja das Förderprogramm Demokratie Leben. Das unterstützt auch die Radikalisierungsprojekte. Jetzt plant die Bundesregierung da, Geld zu sparen für das nächste Jahr. Viele Projekte befürchten deshalb, dass sie vor dem Aus stehen.

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