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Wie die Ukraine Russland lahmlegen will. Mit Sabine Adler (2/2)

RONZHEIMER.

July 26, 2026

Mit weitreichenden Drohnenangriffen versucht die Ukraine, Russlands Militärproduktion und Infrastruktur lahmzulegen. Gleichzeitig fehlen Flugabwehr, Soldaten und eine klare Perspektive für viele Kämpfer an der Front.
Speakers: Sabine Adler, Paul Ronzheimer
**Sabine Adler** (0:01)
Das ist jetzt alles auf dem Konto von Mikhailo Fedorov. Jetzt würde man ja sagen, der Mann hat eigentlich keinen Fehler gemacht. Der hat vielleicht den ganz einen einzigen Fehler gemacht, der keiner ist natürlich. Er war zu erfolgreich. Zu beliebt.
Zu beliebt. Und das ist wirklich ein echter Charaktermangel des ukrainischen Präsidenten, dass er es einfach offenbar nicht aushält, wenn irgendjemand neben ihm auch Erfolg hat. Anstatt dass er sich freut, dass er ein tolles Team hat, dass alle wirklich zusammenarbeiten und gemeinsam sozusagen stark sind, muss immer nur eine Sonne strahlen und das ist die von Silenz G.

**Paul Ronzheimer** (0:45)
Gestern haben wir über die Situation in Russland gesprochen, darüber, wie Putin unter Druck gerät oder auch nicht unter Druck gerät, wie die wirtschaftliche Lage ist und wie die Situation dort sich, ja, immer wie die Situation, immer weiter schwierig wird für Russland. Aber dennoch, sagt Sabine Adler vom Deutschlandfunk, Osteuropa-Korrespondente, seit vielen Jahren, sie sieht momentan keine Anzeichen dafür, dass es in irgendeine Verhandlungsrichtung geht, weil und sie verweist darauf, die russische Armee um so brutaler Kiev angreift. Ich habe es selbst erlebt. Ich komme ja gerade aus der Ukraine und ich möchte heute mit Sabine weiter sprechen darüber, wie die Ukraine eigentlich dasteht, auch politisch, welche Probleme es für Zelenski gibt und wie das Ganze sich in diesem Jahr weiterentwickelt. Ich freue mich Sabine, dass du wieder da bist.

**Sabine Adler** (1:35)
Hallo Paul, ich freue mich, dass wir wieder miteinander sprechen und das richtig aufdröseln können.

**Paul Ronzheimer** (1:43)
Absolut, ich mich auch. Wir haben die letzte Folge, Folge 1, mit dir damit beendet, dass Kiew große Probleme hat aufgrund fehlender Flugabwehr. Also, dass man dort kein Rezept gefunden hat. Ich habe es erlebt. Auch in diesen Tagen haben wir hier auch schon mal drüber gesprochen.
Wie und was sagen deine Quellen, wie schwierig wird das für die Ukrainer in den nächsten Wochen und Monaten? Denn wir haben ja in letzter Zeit eher den Blick darauf gerichtet, dass die Ukrainer erfolgreich sind mit ihren Drohnenangriffen auf Russland.
Und dann gibt es immer mal wieder Nachrichten, oh, wieder ein Angriff auf Kiew. Tatsächlich gab es hunderte Tote, so viele wie seit Beginn des russischen Angriffskriegs nicht mehr. Aber dennoch ist das Narrativ irgendwie ein anderes. Und ich frage mich, ob wir da eigentlich das ganze Bild zeigen, denn die Probleme für die Ukrainer in der Verteidigung sind eben auch immens. Wie schaust du darauf? Was sagen dir die Leute, mit denen du in der Ukraine sprichst?

**Sabine Adler** (2:41)
Die sind zum Teil wirklich verzweifelt, weil sie genau wissen, dass der Vorrat an Raketen und Überscheiraketen auf russischer Seite riesengroß ist. Und Russland hat einfach die Kapazität, immer weiter zu produzieren. Große Stückzahlen und immer größere Stückzahlen. Und das ist ja das Neue. Raketen sind häufig eingesetzt worden, aber jetzt nicht Dutzende. Und jetzt sind es Dutzende Raketen, die zum Teil bei den Angriffen eingesetzt werden. Und man nutze also wirklich schamlos einfach aus, dass die Patriot-Munition für die Patriots-Systeme einfach nicht nachkommt.
Und es viel zu lange dauert, da jetzt eine Alternative zu etablieren. Also auf der einen Seite gibt es eben auch die deutschen Irris-T-Systeme. Das sind wichtige Systeme, aber die sind eben für diese Hüberschreiraketen nicht richtig. Also da reicht es nicht. Und ehe dann tatsächlich diese Lizenzproduktion, die Donald Trump ja immerhin zugesagt hat und die offenbar auch auf den Weg gebracht wird in den USA, ehe das mal greift, das dauert. Und ich fand das schon ganz, ganz wichtig. Und wahrscheinlich eben ist es auch das, was ich von ukrainischen Ansprechpartnern gehört habe.
Das war eine große Erleichterung zu hören, dass Donald Trump überhaupt das zugesagt hat und dann die ersten Mitteilungen von den Unternehmen kamen. Ja, wir sind damit einverstanden und ja, das kriegen wir hin, das machen wir. Trotzdem wissen alle, dass es mindestens ein Jahr dauert. Das ist sowas, was sich wirklich etabliert hat. Und in der Zwischenzeit auch, das ist ja eigentlich eine gute Entwicklung, Europa mit dieser Absicht, eigene Raketen zu bauen. Das ist ein Riesenfortschritt schon mal, aber wie alles in Europa dauert es eben auch immer ewig lang.
Und die Verständigung darauf heißt auch noch nicht, dass das morgen da ist. Also das Ganze ist eine, finde ich, wirklich gruselige Vorstellung zu wissen, dass mindestens ein Jahr Russland die Ukraine dermaßen tyrannisieren kann. Und das ist wirklich eine beängstigende Aussicht für die Menschen, gerade in den Großstädten. Und auf die hat es ja die Kriegsführung abgesehen.

**Paul Ronzheimer** (5:24)
Aber tatsächlich ist es ja so, du hast diese Lizenzproduktion angesprochen, Zelenski sagt oder hofft, dass man in diesem Jahr anfängt, aber das würde dann noch Monate, vielleicht ein Jahr dauern.
Und Stand jetzt bekommt man eben keine Patriot-Abwehr-Raketen. Wir haben in einer Folge mit Matthias Gebauer darüber gesprochen, dass bestimmte europäische Länder, Griechenland zum Beispiel, nicht bereit sind, ihre Raketen zu geben, auch andere nicht. Das heißt, man weiß ja, dass die Lage nicht besser wird. Und wir stellen uns vor, da gibt es Herbst wieder und dann gibt es Winter und diese Kälte des letzten Jahres. Die Bilder haben wir alle noch vor Augen. Also, welche Strategie hörst du, erfährt man da? Also, ich habe bei den Gesprächen, die ich geführt habe in der Ukraine mit Politikern und auch mit Experten, ich habe dort persönlich keine Strategie erkennen können. Also, die Verzweiflung, was das angeht, war relativ groß.

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