**Philip Siefer** (0:11)
Ich hab mich ja gefragt, ob ich das jetzt lasse.
**Matze Hielscher** (0:13)
Mit dem Meditieren?
**Philip Siefer** (0:14)
Mit dem Ciao Grazie Bon Giorno, guten Tag, hallo ciao.
**Matze Hielscher** (0:17)
Warum?
**Philip Siefer** (0:19)
Weil sich so, ich bin irgendwie ernster geworden und ich bin nicht mehr so der Ciao Grazie Bon Giorno, guten Tag irgendwie. Also ich mag es immer noch Bon Giorno zu sagen, dann die Reaktion zu kriegen, aber ich merke auch, weißt du mir liegt eigentlich immer ein Witz auf den Lippen. Ich könnte immer, egal was passiert, ich könnte immer einen guten Witz reißen oder so einen auflockenden Kommentar machen oder so, die eben immer so ein bisschen ins Lustige heben, aber ich merke, ich habe eine Sehnsucht nach Tiefe und ich mach die immer kaputt, wenn ich das mache, weil ich quasi nicht mit dem, was mir ernst ist, dann so richtig landen kann, weil ich ja immer über was Witziges einsteige und dann sind die Leute immer so, ah das ist der Lustige. Ich bin der Lustige und crazy. Leute sagen lustig und crazy. Aber ich bin auch noch ganz, ich bin noch viel mehr.
Aber wenn ich mit Ciao Grazie, Bon giorno, guten Tag, dann kann das andere, hat dann nicht mehr so viel Platz.
**Matze Hielscher** (1:13)
Hast du das Gefühl, dass wenn du eine Seite zeigst, eine kurze Tür aufmachst, dass dann alle anderen Türen verschlossen bleiben?
**Philip Siefer** (1:25)
Für den Moment, also genau, ich glaube quasi das Risiko ist da. Ich schaffe es noch nicht, das so gleichzeitig zu halten. Weil ich mache das ja auch. Es ist ja wie so eine Kompensation oder so ein bisschen so, vielleicht bin ich unsicher. Also irgendeinen Grund gibt es ja, um dann mit was Lustigem einzusteigen. Dann ist man erst mal beliebt oder so. Da hat quasi niemand was gegen. Und es nimmt ja auch so ein bisschen Raum. Und es hat ja auch so ein bisschen was Machtvolles, wenn man quasi den Witz reißt und so. Dann hat man ja ein bisschen Power im Raum auch oder Kraft.
Und wenn ich das nicht mache und die Macht so gleich verteilt lasse, dann passiert auch was anderes.
**Matze Hielscher** (2:07)
Das stimmt.
**Philip Siefer** (2:08)
Da ist so eine Dominanz drin in Humor, gibt's ja auch.
**Matze Hielscher** (2:12)
Da gibt's auf jeden Fall eine Dominanz. Klar, du bestimmst eine Art von Temperatur in dem Raum. Und es hat was, genau, du kannst mit einem guten Witz, natürlich kannst du denen die Temperatur total verändern. Also absolut. Also die, ja, also das ist das Schöne an Humor auch, an dieser Kraft, die Humor hat, dass du genau das machen kannst, dass du so eine Schwere rausnehmen kannst.
Und ich finde, da ist eine ganz große Begabung, wenn man genau das macht. Aber ich finde, die größte Begabung zeigt sich eben dann, wenn es genau richtig ist. Also wenn du genau weißt, jetzt ist der Moment für einen guten Witz. Also das ist wie ein Koch genauso weiß, jetzt ist der Moment. Jetzt mache ich hier noch das dazu und dann Salz und Zitrone. Ja, genau. Jetzt noch ein bisschen Minze dazu.
**Philip Siefer** (2:59)
Aber genau richtig.
**Matze Hielscher** (3:00)
Genau richtig. Und deswegen finde ich das nicht so, finde ich das, genau, die Menschen, die dann immer ein Witz machen müssen, das ist dann so ein bisschen plump, würde ich sagen. Und das ist so ein bisschen...
**Philip Siefer** (3:12)
Ja, so needy ist das ein bisschen, dann merkt man so, ah, okay, jetzt...
**Matze Hielscher** (3:16)
Genau. Und ich frage mich nur gerade, ob du das... Also fühlst du dich ernster für dich? Und willst auch ernster betrachtet werden? Also es ist ja eine Frage von...
Ich fühle mich ernster und möchte auch als ernster wahrgenommen werden. Habe ich das Gefühl gerade.
**Philip Siefer** (3:39)
Ja, ich glaube, das hat ja was miteinander zu tun, auch wenn ich das die ganze Zeit so tue. Ach so, du meinst quasi, die ernste Ebene gibt es ja sowieso, du kennst die auch, also brauche ich die nicht zu repräsentieren mehr. Ich hatte letztens den Moment, da bin ich eingeladen worden, zu einem Fernsehformat, das ist bestimmt dann nochmal eine riesige Show.
Und ich habe das nicht so richtig gefühlt. Ich habe gedacht, so, nee, ich will das eigentlich nicht mehr machen. Das ist nicht die Bühne, auf der ich so präsentiert werde, wie ich gerade bin. Und dann habe ich mich irgendwie so bequatschen lassen und habe dann irgendwie zugesagt und habe das bei so einer nächtlichen Autofahrt meiner Frau erzählt. Und die hat gesagt, hä, warum hast du das jetzt gemacht? Du bist es nicht mehr. Du bist nicht mehr hier mit der Einhornmaske irgendwo rumhüpfen und Zirkus machen.
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