**Peter Neumann** (0:01)
Also ich glaube, dass in den letzten Tagen bei Donald Trump etwas passiert ist, nämlich die Realisierung oder die Erkenntnis, dass der Iran wahrscheinlich versucht, ihn umzubringen. Das ist ganz krass gesagt das, was bei ihm angekommen ist. Wir hatten ja nach dem Ankara-Gipfel die Situation, wo Trump das Flugzeug gewechselt hat. Er wollte eigentlich in diesem Air Force One aus Katar zurückfliegen, aber es musste dann ein anderes Flugzeug sein, aus Sicherheitsgründen. Der Grund dafür waren offensichtlich Hinweise des Mossads, die gesagt haben, da könnte was passieren. Dieses Flugzeug ist nicht gut genug geschützt.
**Paul Ronzheimer** (0:41)
Ich bin immer noch in der Ukraine, gerade im Osten. Was hier passiert, darüber werde ich auch im Podcast wieder in den nächsten Tagen natürlich sprechen. Aber heute müssen wir über US-Präsident Donald Trump und den Iran sprechen, denn der Deal zwischen Trump und dem iranischen Regime scheint nun endgültig Geschichte zu sein. In amerikanischen Medien wird bereits die Frage laut, ob der Krieg zwischen den beiden Ländern bald wieder richtig eskaliert, mit all den Konsequenzen, die das auch für uns hätte, gerade wirtschaftlich. Denn am Montagnachmittag hat Trump angekündigt, dass er die sogenannte Seeblockade gegen den Iran in der Straße von Hormuz wieder einführt. Bereits in den vergangenen Tagen gab es immer wieder Angriffe zwischen den USA und dem Iran. Immer wieder griffen die Iraner Schiffe in der Straße von Hormuz an. Und nun ist klar, alle Versuche im Hintergrund, die beiden Parteien wieder auf einen Nenner zu bringen, unter anderem durch Qatar, sind gescheitert. Und Trump führt wieder genau jene Maßnahme ein, die dem Iran wohl den größten Schaden zugefügt hat, zumindest wirtschaftlich, weil sie seine Ölexporte massiv behinderte. Wird es nun wieder einen großen Krieg geben? Darüber will ich jetzt mit dem Sicherheitsexperten Peter Neumann sprechen. Ich grüße dich, Peter.
**Peter Neumann** (1:58)
Hallo Paul, schön dich zu sehen.
**Paul Ronzheimer** (2:00)
Peter, lass uns mal von hinten beginnen. Seit dem Inkrafttreten des sogenannten Abkommens, für viele, die sich vielleicht nicht mehr genau dran erinnern, bei all dem hin und her, wann war das eigentlich und was ist jetzt in groben Zügen seitdem passiert?
**Peter Neumann** (2:17)
Ja, das war ganz genau gesprochen am 17 Juni, also vor ungefähr einem Monat. Da kam es zu diesem Abschluss zwischen Amerika, JD Vance hat Amerika repräsentiert, der Vizepräsident, und den Iranern, die gesagt haben, wir beenden jetzt diesen Krieg erstmal, wir haben ein Rahmenabkommen, wir versuchen in den nächsten 60 Tagen auf ein Friedensabkommen hinzuarbeiten. Und in diesen 60 Tagen werden schon verschiedene Maßnahmen in Kraft gesetzt, so zum Beispiel eine Öffnung der Straße von Hormuz, sodass eben die Öl- und Gasexporte wieder stattfinden können. Und genau darum geht es jetzt. Das hat nicht funktioniert und daran ist auch im Prinzip dieses Rahmenabkommen gescheitert. Es gibt keine guten Hinweise darauf, dass in diesen Verhandlungen, die mittlerweile stattgefunden haben, dass da große Fortschritte gemacht wurden beim Atomabkommen oder bei anderen Fragen.
**Paul Ronzheimer** (3:11)
Jetzt hören wir in den Nachrichten ja schon seit Wochen immer wieder Angriffe. Entweder von der einen oder von der anderen Seite. Trump twittert dann und sagt, das war's, aber dann gibt es doch wieder Verhandlungen. Warum ist das in den vergangenen Wochen so passiert? Also was ist der Grund, dass es nach diesem, du hast es angesprochen, Treffen und JD Vans, diesem Rahmenabkommen, dass das dann nicht so weiterging? Denn in Wahrheit haben doch eigentlich beide das dringende Interesse, dass das nicht wieder aufflammt, oder?
**Peter Neumann** (3:42)
Also dazu muss man sagen und das haben auch viele Experten gesagt, ich glaube, ich habe das auch mit dir besprochen im Podcast, dass dieses Rahmenabkommen sehr vage formuliert war und dass es auch deswegen funktioniert hat und dass es nur deswegen eigentlich ein Rahmenabkommen gab, weil es so vage formuliert war, dass eben beide Seiten ihre jeweilige Interpretation drauflegen konnten. Besonders bei der Straße von Hormuz war das der Fall. Da heißt es also in diesem Rahmenabkommen, die Straße von Hormuz wird geöffnet. Und da hat natürlich Amerika gesagt, okay, das ist also wie vor dem Krieg, die Straße von Hormuz ist wieder offen, alle dürfen durchfahren, es gibt keine Probleme mehr. Aber der Iran hat das anders interpretiert. Der Iran hat gesagt, die Straße von Hormuz ist offen, aber unter unserer Kontrolle. Das heißt, die Schiffe, die Öltanker, die da durchwollen, die müssen durch den von uns definierten Korridor fahren und dürfen das nur machen, wenn wir ihnen das erlauben und idealerweise, wenn sie auch eine Gebühr dafür bezahlen.
Und das ist eben der große Unterschied. Und da haben die Amerikaner gesagt, nein, so haben wir uns das nicht vorgestellt. Das war nicht unsere Interpretation. Und daraus haben sich dann diese verschiedenen Angriffe entwickelt, weil die Amerikaner immer wieder versucht haben zu sagen, okay, die Straße von Hormuz ist offen. Das heißt, Öltanker können jetzt auch durch den von uns definierten Korridor, also durch die Mitte oder durch die Seite, die eher am Oman liegt, durchfahren. Und das haben die Iraner immer wieder versucht zu stören.
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