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Tiere klonen – Vom Laborschaf Dolly zum Geschäftsmodell

Das Wissen | SWR

July 3, 2026

Am 5. Juli 1996 wurde Dolly geboren, das erste geklonte Säugetier – ein wissenschaftlicher Meilenstein. Heute ist das Klonen von Tieren gängige Praxis, etwa in der Landwirtschaft.
Speakers: Vanessa Johnston, Lena Fiedler, Angelika Schnieke, Thomas Hildebrand, Ariana Ferrari
**SPEAKER_1** (0:02)
ARD Sounds, Das Wissen.

**Vanessa Johnston** (0:04)
Es sind 50 Dollar.

**Lena Fiedler** (0:10)
So viel hat die US-Amerikanerin Vanessa Johnston bezahlt, um ihren Hund zurückzubekommen, ihren verstorbenen Shih Tzu Oliver. Als Oliver starb, konnte Vanessa den Verlust kaum ertragen.

**Vanessa Johnston** (0:22)
Ich habe mein Leben geblieben.

**Lena Fiedler** (0:24)
Monate später hielt sie wieder einen kleinen Shih Tzu im Arm. Gleiches Fell, gleiche Gene, gleicher Name. Oliver. Ein Klon. Was wie Science Fiction klingt, ist längst Realität. Tiere werden geklont. Aus Liebe, aus wirtschaftlichen Interessen, für die Forschung. Und die Technik, die das möglich gemacht hat, begann mit einem Schaf in Schottland.
Vor 30 Jahren wurde das Klon-Schaf Dolly geboren. Das erste aus einer Körperzelle geklonte Säugetier. Dolly löste Hoffnungen und Ängste aus, die bis heute nachwirken.
Drei Jahrzehnte später ist das Klon von Tieren noch immer Gegenstand heftiger Debatten. Gleichzeitig ist es in manchen Bereichen längst Alltag geworden.

**SPEAKER_4** (1:05)
Tiere klonen. Vom Laborschaft Dolly zum Geschäftsmodell. Von Lena Fiedler.

**Vanessa Johnston** (1:12)
Hi, I'm Vanessa and I cloned my dog.

**Lena Fiedler** (1:15)
Als ich Vanessa Johnsons Account auf TikTok finde, bin ich fasziniert.

**Vanessa Johnston** (1:18)
This is him, Olly.

**Lena Fiedler** (1:19)
Olly ist ein Klon.
Frauchen Vanessa Johnston hat ihm denselben Namen gegeben wie seinem Vorgänger, dem echten Oliver. Der war mit 17 Jahren an Nierenversagen gestorben.

**Vanessa Johnston** (1:29)
He passed at 17 and a half from kidney failure.

**Lena Fiedler** (1:33)
Johnston konnte den Tod ihres geliebten Haustieres nicht verkraften.

**Vanessa Johnston** (1:36)
I was really devastated.

**Lena Fiedler** (1:37)
Sie ging nicht mehr aus dem Haus, verlor drastisch an Gewicht und zog schließlich bei ihren Eltern wieder ein.

**Vanessa Johnston** (1:42)
I didn't decide to clone right away. I actually just decided to preserve his cells.

**Lena Fiedler** (1:47)
Es ging ihr erst besser, als sie sich entschloss, Ollivers DNA von dem amerikanischen Unternehmen Viagen einfrieren zu lassen.

**Vanessa Johnston** (1:54)
About a month later, I did decide to go forward with the cloning through Viagen.

**Lena Fiedler** (1:59)
Ich habe selber einen Hund, Lani, eine Mischlingshündin aus einem spanischen Tierheim. Sie ist erst vier Jahre alt und trotzdem ertappe ich mich heute schon manchmal bei dem Gedanken, wie es sein wird, wenn sie irgendwann nicht mehr da ist. Ein Leben ohne Lani kann ich mir inzwischen nur noch schwer vorstellen. Aber würde ich sie klonen lassen? Vanessa Johnston hat sich dafür entschieden.
Sie ist nicht die einzige. Der argentinische Präsident Javier Millay hält vier geklonte Mustiffs. Hollywood-Star Barbaris Drysant ließ 2017 ihre Hündin Samantha reproduzieren. Der Chihuahua Diamond Baby von US-Celebrity Paris Hilton? Geklont. Erst im November 2025 machte Football-Star Tom Brady öffentlich, dass er seinen Hund klonen ließ. Außerdem investierte er in das Unternehmen Colossal. Dessen Geschäftsmodell? Öffentlichkeitswirksam Geld einsammeln, mit der großspurigen Ankündigung, das Mammut zurückholen zu wollen. Auch in China ist aus der Idee vom zweiten Leben für geliebte Haustiere längst ein Geschäft geworden. Die Pekinger Firma Cynogen hat nach eigenen Angaben bereits rund 500 geklonte Tiere an ihre Besitzer vermittelt. Hunde- und Katzenklone kosten dort so viel wie ein Kleinwagen. Das Geschäft endet allerdings nicht beim Familienhund. Dieselben Labore bieten auch an, Polizeihunde und sogar bedrohte Wildtiere zu klonen. Das Geschäft boomt. Neben dem amerikanischen Unternehmen Viagin und der koreanischen Firma Soam Biotech hat nun in Spanien mit Ovoclone das erste europäische Unternehmen eröffnet, das kommerzielles Klonen anbietet. In dem kleinen Ort Marbella werden Hunde, Katzen und auch Pferde geklont.
Möglich wurde das durch die bahnbrechende, aber auch sehr umstrittene genetische Forschung, die zum ersten geklonten Säugetier überhaupt führte.
Die Geschichte beginnt Mitte der 1990er Jahre in Schottland.
Es ist das Jahr 1996 Roslyn. Ein Dorf südlich von Edinburgh. Die deutsche Wissenschaftlerin Angelika Schnieke arbeitet dort für ein Biotechnologieunternehmen. Ihr Forschungsobjekt? Schafe.
Schnieke versucht, Tiere genetisch so zu verändern, dass sie in ihrer Milch menschliche Proteine produzieren, die eines Tages Menschen mit Blutgerinnungsstörungen helfen können.
Dafür schleust die menschliche DNA in Schafsembryonen ein.
Die Tiere, die daraus entstehen, sind transgen. Ihr Erbgut wurde gezielt verändert. Doch die Methode hat einen Haken. Sie ist extrem ineffizient. Um einige wenige transgene Tiere zu erhalten, müssen Hunderte geboren werden. Dann, bei einem Mittagessen im nahegelegenen Roslin-Institut, hört Schneke von einer Idee, die alles verändern könnte.

**Angelika Schnieke** (4:45)
Es war einen Tag, da saßen wir in der Cafeteria, also im Restaurant vom Roslin-Institut.
Und ich hab ihn mit Jim McGeer unterhalten. Und der hat erzählt, dass sie die ersten Versuche machten, wo sie Zellen versucht hatten, zu kultivieren und dadurch wieder Schafe herzustellen. Die hatten immer noch gehofft, dass sie embryonale Stammzellen isolierten.

**Lena Fiedler** (5:07)
Solche embryonalen Stammzellen sind in ihrer Funktion noch nicht festgelegt. Sie können sich zu jeder Art Körperzelle entwickeln. Schneke wird aufmerksam.
Für ihre Forschung hätte sie auch gerne embryonale Stammzellen, um die Effizienz ihrer Versuche zu steigern.

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