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TALK: Wie frei sind Israels Medien?

International

August 1, 2026

Israel rühmt sich für seine Pressefreiheit, und tatsächlich gibt es viele Medien, von ganz links bis ganz rechts. Doch es gibt Tabus, die nur wenige Journalistinnen und Journalisten brechen: Etwa die Berichterstattung über die Situation im Gazastreifen. Darüber spricht Anna Trechsel im Talk.
Speakers: Anna Trechsel
**SPEAKER_1** (0:01)
SRF-Audio Die Sendung international widmet sich diese Woche einem Thema, einem Medienthema von Israel. Und zwar geht es um einen privaten Fernsehsender, nämlich um einen Kanal 14
Jetzt kommt man darauf, ausgerechnet über einen Fernsehsender zu berichten. Und was ist spannend daran? Anna Trechsel hat diese Sendung gemacht und Anna, wie bist du auf dieses Thema gekommen?

**Anna Trechsel** (0:24)
Es hat eigentlich angefangen mit einem Literaturtyp. Ein Kollege von mir, der Produzent war vor Sendung Echo der Zeit, kam zu mir und sagte, er habe ein super spannendes Buch gelesen von einem israelischen Schriftsteller, der heisst Tisha Isarit und das Buch heisst Kameleon. Das ist die Geschichte eines Journalisten, der seine Seele verkauft, damit er nur als Fernseher kann. Lies doch dieses Buch mal und wenn du das nächste Mal nach Israel reist, interviewst du ihn. Dann habe ich das Buch gelesen und merkte, es ist zwar eine fiktive Geschichte, aber es geht um einen Fernsehkanal, der es tatsächlich gibt, Kanal 14 Ich dachte, anstatt mit dem Schriftsteller zu reden, wäre es spannend, wenn ich diesen Fernsehsender auch noch besuchen könnte und mit einem Journalisten oder einer Journalistin reden würde, die dort arbeitet.

**SPEAKER_1** (1:11)
Was ist jetzt speziell an dem Kanal 14? Wieso ist dieser Sender die Vorlage für einen Roman?

**Anna Trechsel** (1:18)
In Israel sagen auch viele Journalistinnen und Journalisten, diesen Kanal 14 mache ich nicht Journalismus, das ist reine Propaganda für den Premierminister Netanyahu. Sie unterstützen eigentlich immer die Haltung des Premiers und der Regierung.
Sie beteiligen sich manchmal auch an Hetzkampagnen gegen politische Finden des Premierministers, also z.B. gegen andere kritische Journalisten und Journalistinnen oder auch gegen die Justiz, gegen die oberste Staatsanwältin. Und diese Sendung, die es besonders darum geht in diesem Buch, hat Patriotin, die Patrioten heisst diese Sendung. Das erinnert mich auch an die USA, an Fox News oder One America Network. An diese Sender, die man auch sagt, was sie machen, ist mehr so ein Sprachrohr für einen Präsident Donald Trump und machen Regierungspropaganda. Und etwas ganz Ähnliches hat man auch von dem Kanal 14

**SPEAKER_1** (2:11)
Schauen wir vielleicht doch allgemein auf das Mediensystem in Israel. Ist das ähnlich wie in der Schweiz? Also gibt es dort auch so ein öffentlich-rechtliches Medienhaus? Oder gibt es eher viel Privati? Oder wie muss man sich das vorstellen?

**Anna Trechsel** (2:23)
Ja, es ist ein wenig ähnlich wie in der Schweiz. Es gibt eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt, die Israeli Public Broadcasting Corporation. Die ist wie bei uns auch mehrsprachig. Es gibt zwei Sender, die auf Hebräisch senden und eine auf Arabisch. Dann gibt es noch ein Parlamentsfernsehen, die die Sitzungen des Parlaments übertragen. Und dann gibt es auch eine ganze Reihe von privaten Sender. Und der meistglückte Sender ist wirklich der private. Das ist der Kanal 12, dann gibt es noch ein 13, ein 14
Und allgemein muss man sagen, dass das Fernsehen in Israel eigentlich immer noch ein sehr wichtiges Medium ist. Beim Radio ist es ein bisschen ähnlich. Da gibt es öffentlich-rechtliche Sender und private. Und etwas ganz Spezielles ist der Armésender. Der wird tatsächlich vor der israelischen Armee betrieben. Auf Hebräisch heisst der Sender Galei Zahal oder Galatz abgekürzt. Der Sender ist bekannt dafür, dass er sehr, sehr guten, kritischen Politjournalismus macht. Und zwar so kritisch, dass die jetzige Regierung den Sender eigentlich schliessen lassen wollte. Sie fanden, dass es nicht geht, was sie machen, das sei nicht zeitgemäss. Und sogar der Interesse der Armee schadet. Und die wollten den Sender eigentlich zutun. Und so viele Weise hat das aber nicht geklappt, weil der Sender ist wirklich sehr gut verankert und sehr beliebt und es hat einen Aufschrei gegeben. Und so viele weissenden den Sender jetzt noch.

**SPEAKER_1** (3:45)
Jetzt warst du für die International-Sendung bei einer Ausgabe einer Talkshow dabei. Wie hast du das dort erlebt?

**Anna Trechsel** (3:53)
Also mir hat zuerst erstaunt, wie klein das Studio ist. Es gab nur einen Platz für etwa 30 oder 40 Leute, die hier in der Zuschauerenkse sassen. Auf dem Panel selber gab es einen Moderator und sechs Diskussionsteilnehmer. Und die waren sich eigentlich alle einig. Sie haben die gleiche politische Haltung vertreten. Bis auf einen. Es war ein Vertreter der Linken dabei. Und der hat ziemlich auf das Dach bekommen von den anderen. Dann ging es recht heiss zu und her.
Aber allgemein war es eiskalt. Also ich weiss nicht, ob das immer so ist. Ich bin ja mehr in Radiostudios als in Fernsehstudios unterwegs. Ich weiss nicht, ob es immer so kalt ist im Fernsehen. Aber ich fand es recht unangenehm kühl, grundsätzlich. Aber ich möchte schon noch einmal betonen, das ist wirklich der äusserst rechte Rand der israelischen Politlandschaft.
In den Monaten nach dem Massaker der Hamas vom 7 Oktober 2023 ging es dort so extrem zu und her in dieser Diskussionssendung. Also da haben die Leute wirklich gesagt, man muss jetzt den Gazastreifen am Erdboden gleich machen, man muss Zehntausende oder sogar Hunderttausende Palästinenser umbringen. Und das war so krass, dass wirklich international darüber berichtet worden ist. Und in Israel selber gab es auch Leute, die gesagt haben, das geht nicht. Da wären Grenzen von dem, was man sagen darf, überschritten. Und es hat mehrere Petitionen wegen der genozidalen Sprache, die sie vor dem Obersten Gerichtshof eingereicht wurden.

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